Der Volksfestmacher aus Gols

Im Gespräch

Wenn in Gols jedes Jahr im August das Volksfest beginnt, rückt ein ganzes Dorf zusammen – und ein Mann steht im Zentrum der Organisation. Verantwortlich für die Messeleitung ist traditionell der Amtsleiter der Gemeinde – eine Rolle, die Organisationstalent, Nervenstärke und Erfahrung verlangt. Der Gemeinderat hat die Gesamtverantwortung inne.

Von Birgit Böhm-Ritter

Während des BVZ-Gesprächs stöberte Amtsleiter Dieter Horvath in seinen historischen Schätzen und fand prompt ein Programmheft des ersten Golser Volksfestes von 1987.

Während des BVZ-Gesprächs stöberte Amtsleiter Dieter Horvath in seinen historischen Schätzen und fand prompt ein Programmheft des ersten Golser Volksfestes von 1987.

© Birgit Böhm-Ritter

Seit 1998 begleitet Dieter Horvath das größte Volksfest des Nordburgenlands, zunächst gemeinsam mit seinem Vorgänger, später in alleiniger Verantwortung.

Was nach außen wie ein buntes Zusammenspiel aus Musik, Kulinarik, Vergnügungspark und Messe wirkt, ist hinter den Kulissen ein komplexes Gefüge. Sicherheitskonzepte, Personalplanung, Künstlerverträge und wirtschaftliche Überlegungen greifen ineinander. Organisiert wird das ganze Jahr über: „Nach dem Fest ist vor dem Fest“ ist eine geflügelte Redewendung in Gols.

Der Volksfestmacher aus Gols

© zVg/Golser Volksfest

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Fest verändert: Die Messe wurde heuer neu strukturiert und trägt nun den Namen „Burgenland Expo“, die Erwartungen des Publikums sind gestiegen, die Organisation ist aufwendiger geworden.

Im Gespräch mit der BVZ schildert Amtsleiter Dieter Horvath, wie sich seine Aufgabe entwickelt hat – und warum das Volksfest für ihn bis heute eine Mischung aus Verantwortung, Beobachtung und persönlicher Herausforderung bleibt.

BVZ: Seit wann sind Sie für die Organisation des Volksfestes verantwortlich?

Dieter Horvath:Ich bin 1998 zum Gemeindeamt gekommen und habe die Aufgaben schrittweise übernommen. Anfangs haben wir uns das noch aufgeteilt. Mein Vorgänger Christian Fröhlich hat vor allem die Messe organisiert, ich das Programm. Mit der Zeit sind immer mehr Aufgaben zu mir gewandert – von der Programmgestaltung bis zu Sicherheit und Infrastruktur.

Der Volksfestmacher aus Gols

© Birgit Böhm-Ritter

BVZ: War es immer Aufgabe des Amtsleiters, das Volksfest zu organisieren?

Horvath: Im Grunde ja. Schon beim ersten Volksfest 1968 war die Gemeinde federführend. Damals gab es Volksschuldirektor Meixner als Ideengeber, der viele Impulse gesetzt hat. Die Umsetzung ist aber immer bei der Gemeinde gelegen. Was sich stark verändert hat, sind die Anforderungen. Früher gab es einen 1-seitigen Bescheid von der BH, heute haben wir ein Sicherheitskonzept mit weit über hundert Seiten.

BVZ: Welche Rolle spielte die Wirtschaftsmesse damals?

Horvath: Die Messe war ein zentraler Bestandteil. Der Gedanke war, regionalen Betrieben eine Plattform zu geben. Es gab kaum andere Möglichkeiten, Produkte zu präsentieren. Wer etwas gebraucht hat – vom Traktor bis zum Kinderzimmer –, hat es hier gefunden. Das Volksfest hat die Menschen angezogen, die Messe war der Kern.

BVZ: Wie haben Sie diese Entwicklung des Volksfestes persönlich erlebt?

Horvath: Ich habe noch erlebt, wie stark die Messe einmal war. In den 1980er-Jahren gab es sechs Zelte nur für Möbelhäuser. Insgesamt hatten wir rund 200 bis 250 Aussteller. Als ich begonnen habe, war das noch ein Selbstläufer. Viele Aussteller sind jedes Jahr gekommen, etwa 80 Prozent waren Stammgäste. Man hat gewusst, wie alles funktioniert.

Der Volksfestmacher aus Gols

© zVg/Golser Volksfest

BVZ: Warum war eine Neuausrichtung notwendig?

Horvath:Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Steigende Kosten und Personalmangel machen es für Unternehmen schwieriger. Zehn Tage Messe waren für viele Betriebe nicht mehr machbar.

Deshalb haben wir die Messe auf vier Tage verkürzt und neu strukturiert. Unter dem Namen „Burgenland Expo“ haben wir Schwerpunkte gesetzt und die Bereiche klarer gegliedert. Viele frühere Aussteller sind dadurch wieder zurückgekommen und werden 2026 wieder dabei sein.

BVZ: Wie reagieren Sie auf Veränderungen beim Publikumsverhalten?

Horvath: Ich beobachte das über die Jahre sehr genau. Früher sind die Leute stundenlang in einem einzigen Zelt gesessen, haben gegessen, getrunken und getanzt. Heute ist alles in Bewegung. Die Menschen hören ein paar Lieder und gehen weiter. Das erinnert ein bisschen an das Verhalten am Handy – man schaut kurz hin und wischt dann weiter. Darauf muss man reagieren.

BVZ: Was bedeutet das konkret für das Volksfest?

Horvath: Das Angebot ist viel breiter geworden. Wir haben mehrere Bühnen und unterschiedliche Programmpunkte. Auch in der Gastronomie hat sich viel verändert. Früher gab es ein einfaches Angebot: Schnitzel, Würstel, Wein und Bier. Heute erwarten die Besucherinnen und Besucher eine große Auswahl – von Burgern über Langos bis Sushi.

Der Volksfestmacher aus Gols

© Birgit Böhm-Ritter

BVZ: Wie erleben Sie die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler?

Horvath: Das ist oft ein Balanceakt. Man muss das Budget im Blick behalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Zelt gefüllt ist. Zu große Namen können aber auch wieder ein Problem sein, weil man dann die Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann. Gleichzeitig ist es schwieriger geworden, neue Künstler zu finden, die das Publikum anziehen.

BVZ: Gibt es Erlebnisse, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Horvath: Beim ersten Auftritt von Wolfgang Ambros war ich sehr nervös. Seine Manager haben unterschiedliche Anforderungen gestellt, das war für mich neu. Ich habe versucht, alles richtig zu machen und habe irgendwann nicht mehr gewusst, was eigentlich gilt. Am Ende war der Künstler selbst unkompliziert. Daraus habe ich viel gelernt. Insgesamt ist Wolfgang Ambros neun Mal bei uns aufgetreten.

Der Volksfestmacher aus Gols

© Klaus Zwinger

BVZ: Wie hat sich die Sicherheitslage verändert?

Horvath: Sehr stark. Heute gibt es detaillierte Konzepte, tägliche Kontrollen und klare Abläufe. Wir stehen in engem Kontakt mit Meteorologinnen und Meteorologen der GeoSphere, beobachten das Wetter genau und haben klare Vorgaben für den Ernstfall. Bei drohendem Sturm wird ein Krisenstab einberufen. Im Extremfall muss das Gelände geräumt werden. Früher war vieles einfacher, aber auch weniger abgesichert.

Der Volksfestmacher aus Gols

© Golser Volksfest

BVZ: Wie fühlt sich diese Verantwortung an?

Horvath:Man spürt sie ständig. Wenn etwas passiert, ist man verantwortlich. Das begleitet einen. Es geht nicht nur um Organisation, sondern auch um Sicherheit und Haftung. Das macht den Job anspruchsvoll.

BVZ: Wie viele Menschen arbeiten am Volksfest mit?

Horvath: Allein von der Gemeinde sind rund 100 Personen im Einsatz. Dazu kommen Sicherheitskräfte, Rettung, Feuerwehr und viele weitere Beteiligte. Insgesamt sind es mehrere hundert Menschen, die zusammenarbeiten müssen.

Der Volksfestmacher aus Gols

© Golser Volksfest

BVZ: Wie sieht Ihr persönlicher Arbeitsalltag während des Festes aus?

Horvath: Der Tag beginnt um 7 Uhr Früh und endet oft erst nach Mitternacht. Es gibt viele Gespräche, Entscheidungen und spontane Situationen. Meine Frau sagt immer: „In dieser Woche bist du nicht mit mir verheiratet, sondern mit dem Volksfest.“ Das beschreibt es ganz gut.

BVZ: Bleibt Zeit, das Fest selbst zu erleben?

Horvath:Am Anfang ist die Anspannung groß. Wenn die ersten Tage vorbei sind und alles läuft, wenn ich sehe, dass alles funktioniert, dann kann ich ein bisschen durchatmen. Ganz abschalten kann ich aber nicht.

Der Volksfestmacher aus Gols

© Klaus Zwinger

BVZ: Was sind die größten Herausforderungen in der Organisation?

Horvath: Die Vielzahl an Themen. Sicherheit, Personal, Wetter, Programm – alles greift ineinander. Und gleichzeitig ändern sich die Rahmenbedingungen ständig. Man muss flexibel bleiben und schnell reagieren.

BVZ: Was wünschen Sie sich für das kommende Volksfest?

Horvath: Dass alles gut läuft und nichts passiert. Das ist das Wichtigste. Alles andere kann man analysieren und verbessern. Aber entscheidend ist, dass die Besucherinnen und Besucher sicher feiern können.

Termin

Das Golser Volksfest geht heuer von 7. bis 16. August über die Bühne. Einige musikalische Highlights des diesjährigen Festes sind bereits bekannt: Semino Rossi, Die Paldauer oder Blechrevolution. Die Wirtschaftsmesse „Burgenland Expo“ findet von 8. bis 11. August statt.

Mehr Infos: www.golservolksfest.at