Die Viren und wir: Erstes Durchatmen nach starker Infektions-Saison

Influenza & Co.

Eine der stärksten Grippewellen der letzten zehn Jahre liegt hinter uns - und damit auch ein Winter mit hohen Zahlen bei den Spitalsaufenthalten. Jetzt leiden viele unter Magen-Darm-Infekten, sogar Masernfälle sind gestiegen. Was die Experten dazu sagen.

Von Elisabeth Kirchmeir

Die Viren und wir: Erstes Durchatmen nach starker Infektions-Saison

© Shutterstock, Peter Leee, Peter Leee

„Bei den Atemwegsinfekten war es eine der stärksten Saisonen, die ich in den 35 Jahren in meiner Ordination erlebt habe“, berichtet Michael Schriefl, Vizepräsident der Ärztekammer im Burgenland. Seit Oktober 2023 frequentierten Patienten mit Covid-19, RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus), Influenza und banalen Atemwegsinfekten die Hausarztordinationen im Burgenland.

Im Dezember 2023 schnellten die Covid-Infektionen in die Höhe, dann begann die Grippewelle, und aktuell klagen viele Menschen über Magen-Darm-Infektionen, wie der Mörbischer Arzt Dr. Schriefl bestätigt. Die gute Nachricht: Mit der Influenza ist es jetzt vorbei. „Bei 15 bis 20 Grad überleben die Grippeviren nicht lang, da werden die Infektionsketten unterbrochen“, erklärt der Arzt.

Das SARI-Dashboard erfasst die Anzahl jener Personen, die mit Schweren Akuten Respiratorischen Infektionen (SARI) ins Spital aufgenommen werden müssen. Zu den SAR-Infektionen zählen Covid-19, Influenza, RSV und andere schwere Atemwegsinfektionen wie bakterielle Lungenentzündungen oder akute Bronchitis.

Die Viren und wir: Erstes Durchatmen nach starker Infektions-Saison

© Grafik: BVZ

Die Grafik zeigt, dass im Dezember der Schwerpunkt bei Covid-19 lag, im Februar traten viele Influenza-Fälle auf, im März entspannte sich die Lage allmählich. Von Oktober 2023 bis März 2024 wurden bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) im Burgenland mehr als 75.000 Arbeitsunfähigkeitsmeldungen wegen Covid-19, Influenza, RSV, Streptokokken- und Magen-Darm-Infektionen erfasst. Allein im Dezember 2023 waren 28.757 Personen wegen Covid-19 nicht arbeitsfähig.

Schutz vor einer Influenza-Infektion bietet die Grippeimpfung. Diese wurde im Herbst 2023 quasi kostenlos angeboten, nur die Rezeptgebühr von knapp sieben Euro musste bezahlt werden. Trotzdem blieb der Erfolg aus: Bis März 2024 wurden im Burgenland 32.316 Personen geimpft, das sind 10,7 Prozent der Bevölkerung. Eine Covid-19-Impfung holten sich seit Herbst 2023 27.460 Personen, das sind 9,12 Prozent der burgenländischen Bevölkerung.

„Bei der Grippe-Impfung haben wir wirklich ein Manko“, beklagt Dieter Schmid, Präsident der Apothekerkammer im Burgenland. Die „Gratis-Impfaktion“ habe wegen bürokratischer Hürden nicht gut geklappt, meint er.

„In meiner Ordination wurden zirka 250 bis 280 Dosen verimpft, das sind zehn bis 15 Prozent der Patienten“, sagt Schriefl. „Das ist nicht sehr ambioniert, aber realistisch.“ Auch er kritisiert, dass die Impfaktion „schlecht organisiert“ gewesen sei. Der Gratis-Impfstoff sei schwer zu bekommen gewesen.

„Es ist ein chronischer Kampf, die Menschen zu überzeugen, dass Impfungen sinnvoll sind“, sagt der Mediziner. „Eine meiner Patientinnen, sie war schon 97-jährig, ist heuer an Influenza gestorben“, berichtet Dr. Schriefl.

Apotheker wollen endlich selbst impfen

Geht es nach dem Apothekerkammer-Präsidenten, so sollte die Impfung in der Apotheke ermöglicht werden: „Österreichweit haben mehr als 1.000 Apotheker das Impfseminar absolviert und stehen auf Abruf bereit.“ Lieferengpässe bei Medikamenten waren auch heuer ein Problem. „Das hat sich nicht wesentlich verbessert“, berichtet Dieter Schmid. Vor allem Antibiotika-Säfte für kleine Kinder waren rar. „Wir haben die Säfte selbst hergestellt oder vom internationalen Markt importiert“, sagt der Apotheker.

Bei anderen nicht lieferbaren Medikamenten stieg man – stets nach Rücksprache mit dem Arzt – auf andere Präparate mit demselben Wirkstoff um.

Problematisch ist aus Sicht des Ärztekammer-Vertreters, dass seit 1. April 2024 Covid-Tests in den Arztordinationen privat zu bezahlen sind. „Es gibt auch einen Dreifachtest auf Covid-19, RSV und Influenza“, sagt Dr. Schriefl. Es wäre sinnvoll, wenn dieser Test von der Sozialversicherung bezahlt würde: „Da kann man besser auf eine Infektion reagieren“, so der Arzt.

„Aktuell verhandelt der Dachverband mit der Ärztekammer über die Modalitäten von Covid-Tests im Zusammenhang mit der Paxlovid-Verschreibung“, heißt es dazu aus der Österreichischen Gesundheitskasse. Alle sonstigen Covid-Tests seien seit 1. April ebenso wie die RSV- und Influenza-Tests reine Privatleistungen, da mit diesen Tests keine therapeutische Konsequenz verbunden sei.

Im Steigen ist österreichweit die Zahl der Masern-Infektionen. Auch das Burgenland ist davon betroffen: Laut Landessanitätsdirektion wurden heuer bereits 19 Masernfälle registriert. Schutz vor Masern bietet die Impfung, die aber nicht flächendeckend genützt wird. Das Problem „suboptimaler Durchimpfungsraten“ sei bekannt, heißt es aus der Landessanitätsdirektion. Ein nationales Impfregister wäre zu begrüßen, um Strategien zur Hebung der Durchimpfungsraten ableiten zu können.

Zitiert

Dr. Michael Schriefl, Vizepräsident Ärztekammer Burgenland: „Um sich vor Virusinfektionen zu schützen, sollte man sich impfen lassen, wo es geht. Ich hoffe, dass die Grippe-Impfaktion künftig besser organisiert wird. Bei Krankheitswellen sollten empfindliche Personen den Kontakt mit Infizierten meiden. In unserer Ordination bewährt sich das Maskentragen: Wir weisen darauf hin, dass man eine Maske verwenden soll, und bieten diese auch an. Bei Magen-Darm-Infekten bewährt sich die Händehygiene.“

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© Wolfgang Millendorfer

Mag. pharm. Dieter Schmid, Präsident der Apothekerkammer Burgenland: „Wenn wir Apotheker die Grippeimpfung koordiniert auf die Beine stellen, traue ich uns zu, dass wir die aktuelle Durchimpfungsrate von 10 bis 12% aus dem Stand heraus erreichen. In Amerika liegt die Durchimpfungsrate bei der Risikogruppe bei 70% und 40% der Impfungen erfolgen im sogenannten Non-medical-Bereich, also nicht in der Arztordination. Überall, wo man Apotheker impfen lässt, steigen die Impfraten.“

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© Wolfgang Millendorfer

Dr. Klemens Lehner, Landessanitätsdirektor: „Die Grippewelle liegt erfreulicherweise schon hinter uns. Maserninfektionen werden wir aufgrund der hohen Infektiosität des Masernvirus und den bestehenden Impflücken immer wieder beobachten. Auch Covid-19 wird uns weiterhin begleiten, aber ähnlich wie die Grippe in der wärmeren Jahreszeit seltener auftreten. Den bestmöglichen Schutz vor Infektionskrankheiten bieten nach wie vor Schutzimpfungen und die Einhaltung der allgemein bekannten Hygieneregeln.“

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