Beim Impulsevent GAME.SET.FUTURE des run4future business club trafen sich prominente Vertreter aus Sport und Wirtschaft in Wien. Neben einem spannenden Tennis-Duell stand auch die wirtschaftliche Bedeutung der Erste Bank Open im Mittelpunkt.
Die Klassik wird weiblicher: „Wir können aus dem Vollen schöpfen!“
Interview: Maria Radutu
Mit der zweiten Auflage des Festivals Keys to Heaven lädt Maria Radutu im Mai als künstlerische Leiterin wieder zur zwanglosen Begegnung mit großer Musik und kreativen Ansätzen. Im Schloss Esterházy und in Eisenstadt fühlt sich die gefragte Pianistin emotional schon zuhause, wie sie im Interview erzählt. Rund um den Internationalen Frauentag sprach Radutu mit der BVZ auch über Klassik und Konzertbetrieb aus weiblicher Sicht.
Maria Radutu. Im Schloss Esterházy ist die Pianistin nicht nur als Intendantin angekommen, sondern auch emotional, wie sie sagt ...
© Phoebe Violet
Im Programm zeigt sich schon, dass man sich wieder etwas traut und Festival mit neuen Formaten bietet. Ist das Ihr zentrales Anliegen von Keys to Heaven?
Maria Radutu: Wir wollen moderne Konzertformate bieten, wobei wir kein Festival für neue Musik sind. Es wird wieder durchaus anspruchsvolle Klassik zu hören geben. Dabei gehen wir aber auf das Publikum zu, die Musik wird moderiert und erklärt, aber nicht wissenschaftlich – die Menschen sollen emotional abgeholt werden. Das Ziel ist es auch, dem Publikum möglichst unterschiedliche Sprachen anzubieten, sei es in verschiedenen Kunstformen, oder – wie in diesem Jahr – in verschiedenen musikalischen Stilrichtungen.
Sie bringen in diesem Sinn auch gerne junge Künstlerinnen und Künstler nach Eisenstadt. Wie schwer – oder wie leicht – fällt die Auswahl?
Ich lerne viele Musikerinnen und Musiker kennen, aber ich recherchiere auch sehr viel. Da ergeben sich dann neue Möglichkeiten fast von selbst. Der Eröffnungs-Abend am 23. Mai ist ein gutes Beispiel: Zusammen mit Pianistin und Sängerin Lylit und Phoebe Violet als Gast darf ich ein Konzert spielen, das ein solches Gesamterlebnis werden soll.
Ich kannte Lylit schon seit eineinhalb Jahren, dann habe ich auf dem Album von Phoebe Violet einen Song entdeckt, in dem ein Klavier zu hören war, das nach meinem eigenen Stil geklungen hat. Da habe ich gewusst, es gibt zwischen uns eine gemeinsame Intention, eine gemeinsame Welt, obwohl wir drei unterschiedliche Künstlerinnen sind.
Bei Keys to Heaven müssen wir uns nicht aufeinander zubewegen, es gibt diese gemeinsame Sprache und Intention schon. Und im Haydnsaal sind wir alle drei dann in unserer authentischsten Form zu hören.
Es gibt auch wieder spannendes Programm abseits des Konzertsaals – wie den „Walk in the Park“ oder einen „Crashkurs Filmmusik“ in der Rooftop-Bar im Hotel Galántha. Das heißt, auch die Vielfalt macht‘s aus.
Das hat sich schon im vergangenen Jahr bewährt. Ich selbst bin eine leidenschaftliche Konsumentin von Musik. Ich sitze im Publikum und bin so euphorisiert, da kann ich nicht gleich danach schlafen gehen. Diesen gemeinsamen Ausklang kann man in der Bar und mit Blick auf das Schloss finden, die Musik ist nicht vorbei, sie geht weiter.
Und was den „Walk in the Park“ betrifft, da freue ich mich auf Bryan Benner, einen fantastischen Sänger, der Klassik als Singer-Songwriter greifbar macht. Er und seine Gitarre sind schon mehr als genug für einen schönen Spaziergang am Sonntagnachmittag.
Passend zur Eröffnung mit starkem weiblichem Trio: Wollen Sie mit dem Festival auch dahingehend ein Statement setzen?
Ich suche nicht speziell danach, das Programm entsteht, weil ich einfach viel höre, und weil es so unglaublich viele und tolle Künstlerinnen gibt. Das trifft natürlich auch auf die Künstler zu, dieses Jahr musste ich sogar darauf achten, dass die Männer nicht unterrepräsentiert sind. Wenn es um weibliche Komponistinnen geht, erleben wir gerade spannende Zeiten: Musik, die immer schon da war, wurde in den vergangenen Jahren so richtig entdeckt. Das ist ein völlig neuer Schatz.
Galina Ustvolskaja zum Beispiel – eine Schülerin von Schostakowitsch – war eine fantastische Komponistin. Viele von ihnen hatten sehr erfolgreiche Aufführungen, dennoch hat man Komponistinnen weder in die Geschichtsbücher noch in das gängige Repertoire aufgenommen. Diese Entscheidungen lagen ausschließlich in männlichen Händen. Auch wenn bereits verstorbene Komponistinnen immer noch eine Ausnahme sind, wird es von Jahr zu Jahr selbstverständlicher, dass ihre Werke gespielt werden.
© Tommi Schmid, wearegiving GMBH
Wie sieht es generell in der Kunst aus? Bei Keys to Heaven wirkt der Anteil von männlichen und weiblichen Musikerinnen und Musikern ganz ungezwungen …
Tatsächlich muss man nicht selten schon noch darauf achten, dass Frauen auf der Bühne präsent sind. Aber das passiert immer stärker. Keys to Heaven ist eben ein modernes Festival, da muss man nicht extra darauf achten. Für die Solistinnen, Dirigentinnen oder Komponistinnen hängen die unterschiedlichen Gagensätze von einigen Faktoren ab, die man auch selbst von Fall zu Fall verhandelt.
In leitenden Positionen, die mit Anstellungen verbunden sind, wie zum Beispiel Chefdirigentinnen oder Intendantinnen, da sind Frauen noch eklatant unterrepräsentiert. Da gilt auch nicht, wie bei Orchestermitgliedern, das Argument, dass die ältere Generation erst einmal in Pension gehen muss, weil diese Stellen oft nur ein paar Jahre von der gleichen Person besetzt werden.
Sie selbst sind laufend international unterwegs und in verschiedenen Positionen im Einsatz. Welche musikalischen Projekte beschäftigen Sie derzeit?
Ich arbeite an einem Programm, mit dem ich die Technologie eines Steinway-Klaviers erforsche und mit Live-Performance kombiniere. Das Konzert wird erstmals im April stattfinden. Mit meiner Kollegin Sophie Heinrich spiele ich ein Konzert in München: „All about Eve“ – da gibt es ausschließlich Komponistinnen zu hören. Im April spiele ich auch bei einem neuen Musikfestival in Zagreb … und so geht es mit vielen unterschiedlichen Projekten voran.
Und es dauert ja gar nicht mehr lange bis Mai – und damit zum Festival in Eisenstadt. Freuen Sie sich schon, wieder ins Schloss zurückzukehren?
Auf jeden Fall! Ich war vor Kurzem für die Jury von „Prima la Musica“ in Eisenstadt – wir haben mit dem „Next Generation Project“ ja auch wieder einen Jugend-Schwerpunkt. Man steigt in Eisenstadt aus, da spürt man gleich einmal die Sonne, und wenn mein Blick wieder aufs Schloss und auf das Hotel fällt, dann habe ich mittlerweile viele schöne Erinnerungen. Da entwickelt sich also langsam diese emotionale Nähe.

© Tommi Schmid, wearegiving gmbh
Zum Stichwort Jugend: Schon im letzten Jahr haben Sie den Nachwuchs prominent auf die Bühne geholt. Was ist dieses Mal geplant?
Junge Musikerinnen und Musiker bleiben ein fixer Bestandteil des Programms. Im Vorjahr haben wir dieses Angebot gemacht, und dieses Mal sind wir schon ausgebucht. Beim „Next Generation Project“ werden am zweiten Festivaltag, am 24. Mai, sowohl der Haydnsaal, als auch der Empiresaal bespielt. Die Besucherinnen und Besucher können sich frei bewegen, und das bei freiem Eintritt! Die Bühne ist offen, die Türen sind offen, nicht nur symbolisch.
Und Ideen wie diese ergeben letztlich diesen offenen Zugang zum Festival?
Genau, es ist so konzipiert, dass man vor Ort noch auf die nächste Veranstaltung neugierig wird und vielleicht noch einen weiteren Tag bleibt oder wiederkommt. Da kann ich nur empfehlen, es einfach auszuprobieren, selbst wenn man nicht genau weiß, wo der eigene Geschmack liegt. So wie man bei einem Pop- oder Rockfestival viel Neues entdecken kann.
Damit spricht man ebenfalls speziell die Jugend an?
Die Statistiken von Streaming-Plattformen zeigen, dass junge Menschen so viel klassische Musik konsumieren wie noch nie, mehr als je zuvor. Die Hemmschwelle, in den Konzertsaal zu gehen, ist aber nach wie vor gegeben. Diese Hemmschwelle wollen wir allen nehmen – wenn man fürchtet, in ein Konzert „hineingezwungen“ zu werden, oder wenn man nicht weiß, was man anziehen soll. Die Antwort darauf ist einfach die Offenheit, und die zeigt sich auch beim Kartenpreis.
Und was darf man zum Konzert anziehen?
Das, worin man sich wohl fühlt. Und dazu unsere „Keys-to-Heaven“-Socken.

© Tommi Schmid, wearegiving gmbh
Den Überblick zum Programm und Karten-Infos gibt's online auf pianofestival.at