Im Burgenland wird noch intensiver für Kinder und Enkel vorgesorgt, als in anderen Bundesländern. Die Sparstudie der Erste Bank zeigt aber auch, dass gerne konservativ veranlagt wird. Dabei können schon kleine Beträge auf lange Sicht große Summen bringen - und das wird durch das „Zukunftsdepot“ des Bundes jetzt besonders interessant.
Meinungsforscher Bachmayer: Rot-Blau im Land mit Auswirkungen im Bund?
„iVote“-Daten
In seiner Analyse von „iVote“, einer Entscheidungshilfe für die Wähler vor den burgenländischen Landtagswahlen, sieht OGM-Chef Wolfgang Bachmayer eine „erstaunliche Gesinnungsfreundlichkeit der roten und blauen Wählerschaft“. Im Licht der bundespolitischen Turbulenzen der vergangenen Tage ergeben sich in Koaltionsfragen neue Varianten.
© Wolfgang Millendorfer
Bei der Analyse von „iVote“, einer Entscheidungshilfe für die Wählerschaft vor den burgenländischen Landtagswahlen, sieht OGM-Chef Wolfgang Bachmayer eine „erstaunliche sachpolitische Nähe der SP- und FP-Wählerschaft“, wie er gegenüber der BVZ festhält. 5.600 Personen haben im Dezember bereits an „iVote“ teilgenommen und fast 150.000 Urteile zu den Themen der Landesparteien abgegeben.
Die Ergebnis-Analyse zum Online-Tool legt angesichts dieser Themen-Übereinstimmung - je nach Ausgang der Wahl - auch die Möglichkeit einer rot-blauen Koalition im Burgenland nahe; in einem solchen Fall könnte das Gewicht der Landes-SPÖ weiter zulegen, so der Meinungsforscher.
Bachmayer meint daher, dass Landeshauptmann Hans Peter Doskozil nun auch wegen einer wahrscheinlichen kommenden FPÖ-ÖVP-Regierungskoalition im Bund den Druck auf die Bundes-SPÖ erhöhen wird, sich strategisch und personell besser aufzustellen. Damit sollen die Chancen der SPÖ als soziale Oppositionspartei angesichts der kommenden Reformen und Einschnitte besser genutzt werden.
„Aber noch sind nicht alle Würfel gefallen, neue Nehammer-Nachfolgerinnen oder Nachfolger, ein Comeback von Sebastian Kurz und Neuwahlen sind nicht völlig auszuschließen. Es könnte nach einem rot-blauen Pakt im Burgenland sogar über Blau-Rot im Bund als Spiegelvariante zu Blau-Schwarz diskutiert werden.“ Voraussetzung dafür wäre ein Rückzug von Babler und ein Schwenk der Bundes-SP auf die Doskozil-Linie.
Bachmayer sieht zwar die Türen für eine Blau-Schwarze Koalition nun weit offen, verweist aber auch darauf, dass Blau-Rot unter neuer Führung vielleicht zu einer reformfähigeren Konstellation mit längerer Haltbarkeit und weniger Druck von der Straße wie aus dem Ausland führen könnte. Realpolitisch hält er das aber für äußerst unwahrscheinlich, weil es die Gefahr einer Spaltung der SPÖ mit sich bringt, nicht zuletzt würde sich die Wiener SPÖ als wesentlicher Machtfaktor in der Sozialdemokratie quer legen. Soweit die Analyse des Meinungsforschers.
„Politische Nachbarschaft“ der SPÖ- und FPÖ-Wähler
Zurück zur Wahl im Burgenland: Die „politische Nachbarschaft“ in der Wählerschaft von SPÖ und FPÖ zeige sich in den ersten Ergebnissen des Online-Tools „iVote“, das in Kooperation zwischen der BVZ und OGM umgesetzt wurde. Dabei können die Wahlberechtigten seit zwei Wochen anhand von 25 Sachthemen überprüfen, welche Parteiprogramme am besten zu ihnen „passen“.
Die bereits vorhandenen großen Datenmengen ermöglichen interessante Analysen: So zeigen sich bei einzelnen Sachthemen zwischen der SPÖ- und ÖVP-Wählerschaft die größten Unterschiede.
Besonders sticht dies bei der Frage nach dem von der SPÖ forcierten Mindestlohn in der Privatwirtschaft hervor, aber auch bei der Einführung allgemeiner Miet-Obergrenzen; umgekehrt sind ÖVP-Wählerinnen und -Wähler für einen Rückbau in der Landesholding. Die FPÖ-Wählerschaft wiederum ist auch für SPÖ-Themen wie der Anstellung pflegender Angehöriger oder den Miet-Obergrenzen zugängig. Details zu den unterschiedlichen Ergebnissen lesen Sie kommende Woche auf BVZ.at
Analyse der „iVote“-Daten
Aus der Analyse der bisherigen Daten aus „iVote“ zieht OGM-Chef Wolfgang Bachmayer folgendes Resumee:
„Die Themen mit der stärksten Wirkung liegen bei der SPÖ. Kein Wunder, sie hat ja die absolute Mehrheit in der Landesregierung, stellt den Landeshauptmann und kann auf erprobte Themen aus dem letzten Wahlkampf zurückgreifen. In den Medienberichten wird der Wahlkampf als Duell zwischen der SPÖ mit LH Hans Peter Doskozil und der FPÖ mit Norbert Hofer als Spitzenkandidaten wahrgenommen. Das ist sicher zutreffend, aber spiegelt sich in der iVote- Themenanalyse nicht wider.

© OGM
Die großen sachpolitischen Unterschiede liegen nämlich vor allem zwischen der SPÖ und der ÖVP, während die Programme der SPÖ und der FPÖ mehr Nähe und Übereinstimmung aufweisen, als man angesichts der jahrzehntelangen Konfrontationen zwischen diesen Parteien annehmen würde.
Das Duell zwischen SPÖ und FPÖ erfolgt aber im Burgenland-Wahlkampf ohne großen Schlachtenlärm. Das liegt daran, dass die SPÖ als absolut stärkste Kraft wenig Interesse an lauten Konflikten und heftigen Kämpfen hat, die den Gegner nur aufwerten. Die FPÖ dagegen, sonst als wenig zimperlicher Angreifer bekannt, schleicht quasi ohne Boxhandschuhe auf leisen Sohlen heran.
Das liegt einerseits an der Person von Norbert Hofer – schon länger das freundliche Gesicht der FPÖ –, andererseits aber auch am Rückenwind, der nach den Erfolgen der FPÖ in Bund und Ländern weht und sich wegen der gescheiterten Regierungs-verhandlungen noch weiter verstärkt. Vor allem aber auch an der völlig anderen Positionierung der Doskozil-SPÖ im sonstigen Grabenkampf-Thema Asyl und Migration, was in der iVote-Analyse zehntausender Daten von WählerInnen aus dem Burgenland deutlich erkennbar ist.“
So funktioniert's ...
Das Online-Tool des Meinungsforschungsinstituts OGM – bei der burgenländischen Landtagswahl in Kooperation mit der BVZ – bietet als sachpolitische Entscheidungshilfe eine Orientierung zu den Themen des Wahlkampfs und den Parteien, die sie vertreten. Anhand von bundes- wie landesspezifischen Themen kann man auf der Plattform herausfinden, wer am ehesten die eigenen politischen Vorstellungen vertritt.
Die Teilnahme ist anonym und kostenlos. Machen Sie mit unterwww.ivote.at