Diversion für Lehrling nach Rangelei mit Stiefvater
Bezirk Mattersburg
Mit dem neuen Freund seiner Mutter kam ein Lehrling nicht zurecht. Er bedrohte und schlug den „Stiefvater“.
Der Lehrling gab zu, gegenüber dem neuen Freund der Mutter bedrohlich aufgetreten zu sein.
© BVZ/Kirchmeir
Am 16. Jänner 2024 musste sich der 18-jährige Lehrling aus dem Bezirk Mattersburg vor Richterin Birgit Falb verantworten.
Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, 2021, 2022 und 2023 den neuen Freund seiner Mutter bedroht und geschlagen zu haben.
Bei einem Vorfall hatte der Lehrling ein Stanleymesser in der Hand.
Auch gegen den Stiefvater war ein Strafverfahren geführt worden: Bei einer Rangelei im August 2023 hatten sich die beiden Männer gegenseitig verletzt.
Der Stiefvater hatte bei der Bewährungshilfeorganisation Neustart an einem Tatausgleich teilgenommen und eine Diversion erhalten.
Auch dem Lehrling war eine Diversion angeboten worden, er hatte aber den dafür erforderlichen Termin nicht wahrgenommen.
Mit dem neuen Freund der Mutter gab es Streit
Die Eltern des Lehrlings sind geschieden, 2021 fand die Mutter einen neuen Partner, der sich zeitweise auch in jenem Haus im Bezirk Mattersburg aufhielt, wo der Lehrling mit seiner Schwester lebte.
„Ich behaupte nicht, dass ich unschuldig bin“, sagte der Lehrling. „Es kann sein, dass ich Beleidigungen äußerte“, gab er zu.
Jedoch habe er dem Stiefvater nicht angedroht, diesen niederzuschlagen: „Das macht keinen Sinn: Er ist 40 Kilo schwerer und größer als ich, wenn er will, haut er mich“, sagte der Lehrling.
Stiefvater soll Schläge mit Krücke angedroht haben
Und er habe im Sommer 2021 während eines Streits zwar ein Stanleymesser in der Hand gehalten, aber dem Älteren nicht mit dem „Niederstechen“ gedroht. Vielmehr habe der Stiefvater ihm und seiner Schwester angedroht, er werde sie mit seiner Krücke, die er damals verwenden musste, schlagen werde.
„Ich nahm das Messer zum Schutz, falls er uns angreift“, sagte der Lehrling, der bei diesem Vorfall erst 16 Jahre alt gewesen war.
Im August 2023 arteten die Feindseligkeiten in eine Rangelei aus, wobei sich beide Beteiligten nichts schuldig geblieben sein sollen. Beide wurden damals verletzt, zwei Tage später zeigte der Lehrling den Stiefvater an, dann erstattete auch der Ältere Anzeige.
Lehrling: „Ich war überfordert“
Er sei, sagte der Lehrling, mit der Situation „komplett überfordert“ gewesen. „Das glaube ich Ihnen sofort“, zeigte die Richterin Verständnis.
Jetzt lebe er allein mit der Schwester in der Wohnung, die Mutter sei zu ihrem Partner gezogen. „Ich habe mein Leben jetzt im Griff“, sagte der Lehrling.
Die Richterin wertete seine Aussagen als Verantwortungsübernahme und bot dem Lehrling eine Diversion an. Das Verfahren wurde auf eine Probezeit von einem Jahr vorläufig eingestellt. Der Lehrling zahlte einen Kostenbeitrag von 50 Euro und bekam den Auftrag, sich während der Probezeit wohlzuverhalten.