Zu viel Lärm: Hausfrau (47) brach 26-Jährigem die Nase

Bezirk Oberpullendorf

Nicht nur Körperverletzungen und Nötigungen, auch die Produktion von Falschgeld wird einer Familie zur Last gelegt.

Von Elisabeth Kirchmeir

Die 47-Jährige (rechts auf der Anklagebank) musste sich mit ihrem Sohn und dessen Freundin vor Gericht verantworten.

Die 47-Jährige (rechts auf der Anklagebank) musste sich mit ihrem Sohn und dessen Freundin vor Gericht verantworten.

© BVZ/Kirchmeir

Wegen diverser Straftaten im Bezirk Oberpullendorf mussten sich eine 47-jährige Hausfrau, deren 21-jähriger Sohn und dessen 20-jährige Lebensgefährtin am 25. Juni 2025 vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwältin schilderte zu Beginn drei „Themenkomplexe“: Bereits im Oktober 2023 waren die Hausfrau und ihr Sohn auf zwei Männer und eine Frau losgegangen, weil sie sich durch nächtlichen Lärm belästigt fühlten. Dabei soll die Hausfrau einem 26-Jährigen einen verschobenen Nasenbeinbruch zugefügt haben.

Die 20-Jährige wurde angeklagt, weil sie fälschlich behauptet haben soll, sie habe während der Auseinandersetzung im Oktober 2023 von einem Mann einen Schlag gegen den Bauch erlitten. Damals befand sich die junge Frau in der 29. Schwangerschaftswoche. „Zeugen sagten aber, das sei gar nicht passiert“, sagte die Staatsanwältin und verwies auf Videoaufnahmen von dem Vorfall.

21-Jähriger bedrohte Jugendliche

Der zweite Themenkomplex betrifft den 21-Jährigen. Der soll im März 2024 Jugendliche bedroht haben, weil er seinen Bruder „verteidigen“ wollte. Zu einem Mädchen soll der 21-Jährige gesagt haben: „Ich weiß, wo du wohnst. Wenn ich dich sehe, bringe ich dich um.“

Ähnliche Worte soll er gegenüber drei weiteren Jugendlichen geäußert haben. „Sie sperrten sich zuhause ein, weil sie Angst hatten“, berichtete die Staatsanwältin.

Schwer wiegt auch der dritte Themenkomplex: Das junge Pärchen soll sich Falschgeld im Internet bestellt und dieses so manipuliert haben, dass es wie echtes Geld wirkte. Mit einem falschen 50er soll der 21-Jährige bezahlt haben, als er seine weniger wertvolle X-Box bei einem Bekannten gegen eine bessere Version tauschte.

Hausfrau zeigte sich zu Nasenbeinbruch geständig

Die 47-Jährige übernahm die Verantwortung für den Nasenbeinbruch. Der Vorfall soll sich nachts um halb drei ereignet haben. Damals sei sie von ihrem Sohn angerufen worden, so die Angeklagte. „Ich hörte Angst und Panik und ging runter“, berichtete sie.

Anlass des Streits sei der Lärm gewesen, der schon öfter von einem nahegelegenen Lokal aus zu hören gewesen sei. „Warum ich hingeschlagen habe, weiß ich nicht mehr“, sagte die Frau.

„Am Video sieht man, dass Sie aggressiv sind“, hielt ihr die Richterin vor. „Ich wurde provoziert“, sagte die Angeklagte.

Bei dem 26-Jährigen war zunächst ein unverschobener Nasenbeinbruch diagnostiziert worden. Später soll sich herausgestellt haben, dass der Bruch doch komplizierter und eine Operation notwendig sei. Rechtlich macht das einen Unterschied: Ein verschobener Nasenbeinbruch gilt als schwere Körperverletzung und wird strenger bestraft.

Wurde Schwangere in den Bauch geschlagen?

„Es war jeden Abend laut und es wurde gehupt“, beschwerte sich die 20-jährige Angeklagte. Die Richterin hielt ihr vor, dass der angebliche Stoß in den Bauch der Schwangeren von niemandem vor Ort thematisiert worden sei. „Erst bei einer Routineuntersuchung sagten Sie, Sie seien in den Oberbauch geschlagen worden. Sehr glaubwürdig finde ich das nicht“, erklärte die Richterin.

Verletzungen wurden bei der Routineuntersuchung übrigens keine festgestellt. „Warum werfen Sie sich als Schwangere überhaupt ins Getümmel?“, wunderte sich die Staatsanwältin. „Wir wollten das ohne Polizei machen“, erwiderte die 20-Jährige.

Falschgeld sei für Faschingsumzug bestellt worden

Das Falschgeld habe man im Dezember 2023 „für den Fasching“ bestellt, behauptete sie. Sie und ihr Freund hätten sich als „Bankräuber“ verkleiden und mit dem Falschgeld um sich werfen wollen. Daraus wurde aber nichts.

Eines der zwei bestellten Falschgeld-Päckchen habe ihr Freund wieder zurückgeschickt, sagte die junge Angeklagte.

Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei Falschgeld an verschiedenen Orten in der Wohnung sicher. Gefunden wurden Hunderter, Zwanziger und Zehner. „Bei vielen war der Aufdruck 'Copy' entfernt worden“, hielt die Richterin den Angeklagten vor.

Die Scheine seien offenbar bearbeitet worden.

Etliche Scheine waren manipuliert worden

„Habt ihr überlegt, das Geld in Verkehr zu bringen?“, fragte die Richterin und verwies auf die prekären finanziellen Verhältnisse des jungen Paares. Das bestritten die beiden Angeklagten jedoch.

„Wer hat die Scheine manipuliert?“, hakte die Staatsanwältin nach.

„Es stand frei herum. Wir hatten viel Besuch. Ich weiß nicht, wer es war“, sagte die 20-Jährige. Der Vater des X-Box-Besitzers hatte nach dem Deal festgestellt, dass seinem Sohn offenbar eine Blüte untergejubelt worden war. Daraufhin wurde Anzeige erstattet.

Die 47-Jährige erhielt eine Diversion mit einem Jahr Probezeit. Dem Opfer des Nasenbeinbruchs muss sie 500 Euro bezahlen. Ob durch ihre handfeste Attacke eine schwere Körperverletzung begangen wurde, ließ sich vor Gericht nicht klären.

Gegen das junge Pärchen wurde der Prozess vertagt. Die Richterin will weitere Zeugen befragen und die beschlagnahmten Falschgeldscheine beischaffen lassen.