Im Bezirk Neusiedl am See wurden im Jagdjahr 2025/26 insgesamt 3.937 im Straßenverkehr getötete Wildtiere gemeldet – damit liegt der Bezirk österreichweit an erster Stelle.
Bauernprotest aus dem Burgenland erreicht Wiens Ringstraße
Landwirtschaft
Mehr als 200 Traktoren sind am Mittwoch durch Wien gefahren. Die Initiative hat ihren Ursprung im Bezirk Neusiedl am See. Hinter der Demonstration steht ein neu gegründeter Verein mit Sitz in Pamhagen.
© Bündnis Zukunft Landwirtschaft
„Stirbt der Bauer, stirbt das Land“ prangte auf einem Transparent auf einem Traktor im Protestzug. Der Satz steht sinnbildlich für die Stimmung, die am Mittwoch in der Wiener Innenstadt spürbar war. Motorengeräusch und Transparentbotschaften bestimmten das Bild, als Hunderte Landwirtinnen und Landwirte dem Aufruf des Vereins „Bündnis Zukunft Landwirtschaft“ folgten und mit ihren Fahrzeugen über die Ringstraße bis vor das Parlament zogen.
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Ursprung im Bezirk Neusiedl
Dass der Protest seinen Ausgang im Nordburgenland nahm, ist kein Zufall. Der Verein „Bündnis Zukunft Landwirtschaft“ mit Sitz in Pamhagen organisierte die Demonstration. Obmann ist der Pamhagener Landwirt Ernst Tschida. Sebastian Bauer aus Neusiedl am See und Franz-Peter Bresich aus Parndorf zählen zu den Mitbegründern.
Seinen Anfang nahm die Bewegung am 10. Jänner in Parndorf. Damals reihten sich laut Polizei 95 Traktoren zwischen Neusiedl am See und Parndorf aneinander. Was zunächst als regionaler Protest gegen agrarpolitische Entwicklungen begann, entwickelte sich rasch zu einer breiter angelegten Initiative. Die Forderungen von damals bilden bis heute das Fundament der Bewegung.
Traktorkonvoi als sichtbares Signal
Mit der Fahrt nach Wien verlagerte sich der Protest auf eine größere Bühne. Am Mittwoch begann die Kundgebung um 13.00 Uhr vor dem Landwirtschaftsministerium am Stubenring. Von dort setzte sich der Konvoi in Bewegung und zog entlang der Ringstraße weiter zum Parlament, wo die Abschlusskundgebung stattfand.
Nach Angaben der Organisatoren nahmen mehr als 200 Traktoren teil. Bereits im Vorfeld war von mehr als 150 Fahrzeugen ausgegangen worden. Neben Landwirtinnen und Landwirten schlossen sich auch Unterstützerinnen und Unterstützer an.

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Der Konvoi war mehr als eine Demonstration – er fungierte als sichtbares Signal für den wachsenden Druck in der Branche. Steigende Kosten für Diesel und Dünger treffen auf stagnierende Preise. Gleichzeitig wächst der bürokratische Aufwand. Viele Betriebe sehen sich dadurch wirtschaftlich an ihre Grenzen gebracht.
Klare Forderungen und deutliche Worte
Vor diesem Hintergrund formulierten die Organisatoren ihre Anliegen mit Nachdruck. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung steht dabei im Zentrum. Ernst Tschida brachte dies in seiner Rede auf den Punkt: „Der Konsument soll erkennen, was er kauft, um frei entscheiden zu können, was er unterstützt. Herkunftskennzeichnung ist der Schlüssel dazu.“
Die Forderung zielt auf mehr Transparenz entlang der gesamten Lebensmittelkette. Gleichzeitig verlangt das Bündnis den Abbau bürokratischer Hürden sowie verlässliche Perspektiven für junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter.
Dabei geht es nicht um Abschottung, sondern um vergleichbare Rahmenbedingungen, wie Tschida betonte: „Wir scheuen den Wettbewerb nicht – aber nur unter fairen Bedingungen und mit denselben Produktionsstandards.“
Seine Kritik konkretisierte er mit Blick auf internationale Unterschiede: „Hormonbehandeltes Fleisch ist in Europa verboten – in Mercosur-Staaten oft Standard. Gentechnisch veränderte Pflanzen ebenso. Pestizide, die hier seit Jahrzehnten verboten sind, werden dort eingesetzt.“

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Unterstützung und politische Reaktionen
Die Forderungen blieben nicht ohne Resonanz. Das „Bündnis Zukunft Landwirtschaft“ versteht sich als überparteiliche Plattform. „Wir agieren überparteilich und wollen uns nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen“, sagte Vereinsgründer Sebastian Bauer laut Austria Presse Agentur.
Dennoch äußerten mehrere politische Akteure Verständnis für die Anliegen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) bezeichnete die Forderungen als „völlig berechtigt“. Auch der Bauernbund, die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) sowie die Umweltschutzorganisation Greenpeace signalisierten Unterstützung. Greenpeace fordert ebenfalls eine verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung.
Vom Regionalprotest zur bundesweiten Stimme
Die Demonstration in Wien markiert einen nächsten Schritt in der Entwicklung der Bewegung. Innerhalb weniger Wochen ist aus einem regionalen Protest in Parndorf eine Initiative entstanden, die ihre Anliegen auf Bundesebene sichtbar macht.
Der Weg von der B10 im Bezirk Neusiedl bis zur Ringstraße in Wien steht dabei auch symbolisch für die Dimension der Probleme. Was lokal begann, verweist auf strukturelle Herausforderungen der Landwirtschaft insgesamt. Der Protest aus dem Nordburgenland hat damit eine Bühne erreicht, auf der politische Entscheidungen vorbereitet werden.