Burgenlands Gemüsebau: Stark in der Qualität, gefordert im Wettbewerb

Landwirtschaft

Anlässlich des Tags des frischen Gemüses am 16. Juni luden die Landwirtschaftskammer Burgenland und die Perlinger Gemüse GmbH zu einem Pressegespräch nach Wallern. Im Mittelpunkt standen die Bedeutung regionaler Lebensmittel, die Rolle des Burgenlands als Gemüseland sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Betriebe.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich mit Geschäftsführer Patrick Haider (Perlinger Gemüse GmbH).

Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich mit Geschäftsführer Patrick Haider (Perlinger Gemüse GmbH).

© BVZ/Birgit Böhm-Ritter

Meterlange Reihen mit Paprika und anderen Gemüsesorten ziehen sich durch die modernen Glashäuser in Wallern. Zwischen Bewässerungsleitungen, computergesteuerter Klimasteuerung und hoch aufragenden Pflanzen wird rasch deutlich, welche Dimension die Gemüseproduktion mittlerweile erreicht hat. Bei einer Betriebsführung der Perlinger Gemüse GmbH zeigte sich, wie viel Technik, Fachwissen und Organisation hinter heimischem Gemüse stecken. Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich sprach von der „Champions League in der Gemüseproduktion“. Gleichzeitig verwies er auf die Herausforderungen, mit denen die Branche zunehmend zu kämpfen hat.

Burgenlands Gemüsebau: Stark in der Qualität, gefordert im Wettbewerb

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Burgenland zählt zu den wichtigsten Gemüseanbaugebieten

Gemüse ist aus der täglichen Ernährung nicht wegzudenken. Laut Statistik Austria konsumierten die Österreicherinnen und Österreicher im vergangenen Jahr rund 117 Kilogramm Gemüse pro Kopf. Rund zehn Prozent der österreichischen Gemüseproduktion stammen aus dem Burgenland. Jährlich werden dort etwa 62.000 Tonnen geerntet.

Die Gemüseanbaufläche umfasst rund 1.500 Hektar, davon werden etwa 840 Hektar biologisch bewirtschaftet. Weitere 125 Hektar entfallen auf den geschützten Anbau in Gewächshäusern und Folientunneln. Zu den wichtigsten Kulturen zählen Knoblauch und Zwiebeln mit rund 305 Hektar Anbaufläche sowie Karotten, Pastinaken und Wurzelpetersilie auf rund 126 Hektar. Auch Paprika, Salate und Zuckermais spielen eine wichtige Rolle.

Besonders hoch fällt der Ertrag bei Paradeisern aus. Auf rund 60 Hektar werden jährlich etwa 18.000 Tonnen geerntet. Berlakovich betonte dabei die Bedeutung einer starken regionalen Versorgung: „Unser Ziel ist als Kammer, dass wir den Tisch der Burgenländer decken mit frischen Gemüsen, mit Top-Qualität.“

Die heimische Produktion erfolgt überwiegend für den Frischmarkt. Kurze Transportwege sorgen dafür, dass die Ware rasch in den Handel gelangt. Gleichzeitig bleibt die Wertschöpfung in der Region.

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Vom Familienbetrieb zum Großproduzenten

Wie sich die Branche entwickelt hat, zeigt das Beispiel der Perlinger Gemüse GmbH. Aus einem Familienbetrieb mit wenigen Hektar Anbaufläche und einigen Folientunneln entstand innerhalb von zwei Generationen einer der größten Gemüseproduzenten Österreichs. Heute arbeitet das Unternehmen mit rund 60 regionalen Lieferbetrieben zusammen und vermarktet nach eigenen Angaben 98 Prozent seiner Ware in Österreich.

Rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Standort Wallern beschäftigt. Produziert werden unter anderem Paprika, Paradeiser, Gurken, Radieschen, Salate, Pfefferoni und Kürbisse. Neu hinzugekommen sind heuer Wassermelonen. Ein Familienbetrieb ist das Unternehmen trotz seiner Größe geblieben. Alle drei Söhne von Werner Perlinger sind im Betrieb beschäftigt: Lukas Haider führt gemeinsam mit Patrick Haider die Geschäfte. Seit einem Jahr ist auch der jüngste der Brüder im Betrieb: Marcel ist für das neueste Produkt im Portfolio verantwortlich, der Wassermelone.

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Marcel Haider kultiviert Wassermelonen im Folientunnel.

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Bei der Führung durch die Gewächshäuser wurde sichtbar, wie stark sich der Gemüsebau verändert hat. Statt saisonaler Produktion ermöglichen moderne Anlagen eine nahezu ganzjährige Ernte. Regenwasser wird gesammelt und für die Bewässerung genutzt. Überschüssiges Wasser wird aufbereitet und erneut verwendet. Computergesteuerte Systeme regeln Temperatur und Klima.

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Haider verwies dabei auf einen Vorteil regional erzeugter Lebensmittel: „Der große Vorteil von der regionalen Ware ist, dass wir reife Früchte ernten.“ Das Gemüse werde meist am Tag der Ernte verarbeitet und erreiche häufig bereits am nächsten oder übernächsten Tag den Lebensmittelhandel.

Steigende Kosten und mehr Bürokratie

Hinter den modernen Anlagen stehen allerdings wirtschaftliche Herausforderungen. Sowohl Berlakovich als auch Haider verwiesen auf steigende Produktionskosten, hohe Energiepreise und zunehmende bürokratische Belastungen.

„Unsere Betriebe sind in einem internationalen Wettbewerb“, betonte Berlakovich. Während österreichische Produzentinnen und Produzenten hohe Umwelt- und Qualitätsstandards erfüllen müssten, würden gleichzeitig Lebensmittel importiert, die unter anderen Bedingungen erzeugt werden.

Haider übte zudem Kritik an der CO2-Abgabe: „Unsere Pflanzen nehmen CO2 auf und wir bezahlen dafür Steuer. Das ist nicht so logisch für uns.“

Zugleich tätigt das Unternehmen weitere Investitionen: Ein weiteres 11 Hektar großes Gewächshaus wird derzeit gebaut und man investiert in die Energieversorgung. Auf den Betriebsgebäuden befindet sich eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 2,5 Megawatt. „Die derzeit größte Dach-PV-Anlage des Burgenlandes“, erklärte Haider. Zusätzlich ist gerade ein Batteriespeicher im Bau, um mehr Strom selbst nutzen zu können.

Arbeitskräfte und Pflanzenschutz werden zum Standortfaktor

Neben den Kosten bereitet der Branche vor allem die Suche nach Arbeitskräften Sorgen. Saisonarbeitskräfte sind im Gemüsebau unverzichtbar. Dennoch werde es immer schwieriger, genügend Personal zu finden. „Es wird in den vergangenen Jahren jedes Jahr ein bisschen schwieriger, dass wir gute Arbeitskräfte bekommen“, sagte Haider. Er fordert daher höhere Kontingente für Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Das würde nach seiner Einschätzung nicht nur seinem Betrieb, sondern der gesamten Gemüsebranche im Burgenland helfen.

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Auch der Pflanzenschutz bleibt ein sensibles Thema. Perlinger setzt bereits überwiegend auf Nützlinge und biologische Methoden. Dennoch seien bestimmte Kulturen ohne Pflanzenschutzmittel kaum wirtschaftlich produzierbar. „Bei gewissen Kulturen braucht es Pflanzenschutzmittel, sonst können diese nicht regional erzeugt werden.“ Berlakovich kritisierte lange Zulassungsverfahren in Österreich und warnte vor Wettbewerbsnachteilen für heimische Produzentinnen und Produzenten.

Trotz aller Herausforderungen zeigt der Blick durch die Gewächshäuser von Wallern, wie stark sich der Gemüsebau verändert hat. Moderne Technik, spezialisierte Produktion und kurze Lieferwege prägen heute einen Wirtschaftszweig, der einen wichtigen Beitrag zur Versorgung mit frischen Lebensmitteln leistet. Damit diese Entwicklung anhält, fordern die Betriebe jedoch Rahmenbedingungen, die mit dem technologischen Fortschritt Schritt halten.