U20-WM:Marie Glaser und die historische Reise nach Peru
LEICHTATHLETIK
Erstmals in der rot-goldenen Geschichte reist eine Burgenland-Starterin zur U20-WM. Marie Glaser wird über die 1.500 Meter-Distanz an den Start gehen.
Marie Glaser und Trainer Rolf Meixner strahlten in Graz um die Wette. Mit der Quali für die U20-Weltmeisterschaft gelang der jungen Läuferin Historisches.
© zVg
Die 18-jährige Marie Glaser von der Leichtathletik Akademie Eisenstadt ist die erste Athletin aus dem Burgenland, die an einer Leichtathletik U20-Weltmeisterschaft teilnimmt. Am gestrigen Mittwoch reiste die achtköpfige Delegation des österreichischen Leichtathletik-Verbandes (ÖLV) mit einem Zwischenstopp in Madrid nach Lima, Peru. Bei diesen Titelkämpfen werden fast 200 Nationen vertreten sein. Zusätzliche Brisanz zur sportlichen Herausforderung bringt das Umfeld der Veranstaltung. Die Sicherheitslage in Peru ist nicht mit jener in Österreich vergleichbar. Dauerläufe sind nur in starker Begleitung oder in gesicherten Arealen möglich. Glaser wird vor Ort jedenfalls von ÖLV-Delegationsleiter Bernhard Rauch aus Wimpassing persönlich auf dem Rad begleitet. Warum das Team eine Woche vor dem Vorlauf am 28. August anreist? Um sich an die Zeitumstellung von sieben Stunden zu gewöhnen. Trainer Rolf Meixner hat die Trainingszeiten in Österreich bereits um drei Stunden vorverlegt, so dass die tatsächliche Umstellung in Peru nur noch vier Stunden beträgt. Zusätzlich muss sich Marie Glaser an die lokalen Ernährungsgewohnheiten anpassen, nichts wird dem Zufall überlassen.
Die rot-goldene Sportlerin, die aus Bad Fischau (NÖ) stammt, ist Österreichs einzige Teilnehmerin in den Laufbewerben. Sie qualifizierte sich am 3. August in Graz mit einer Zeit von 4:27,46 Minuten, nur vier Hundertstelsekunden unter dem Limit – dank eines enorm starken Schlusssprints. Damit ist sie die 47. von 48 Teilnehmerinnen. Der Weg zu dieser historischen Qualifikation begann bereits im September 2023 mit dem Trainingsbeginn für die Saison. Ein Trainingslager in Neubrandenburg bei Trainerlegende Walter Gladrow war ein erster Meilenstein. Am 21. Januar 2024 stellte Marie in St. Gallen ihren ersten österreichischen Rekord über 1.000 Meter in der U20-Klasse mit 2:54,50 Minuten auf. Nach einer starken Hallensaison und einer Bronzemedaille über 1.500 Meter bei den Frauen ging es in die Freiluftsaison.
In den vier Wochen standen, wie Coach Meixner berichtet, 17 Tage intensives Training und 11 Tage gezielte Erholung auf dem Programm. Der Schwerpunkt der Vorbereitung lag aufgrund der kurzen Vorbereitungsdauer nicht auf der Verbesserung der Ausdauer, sondern ausschließlich auf der Erhöhung der Laufökonomie. Meixner setzte am Bundesstützpunkt Eisenstadt auf viele technische, elektronische und wissenschaftliche Tricks, um bei gleicher Laufgeschwindigkeit die erforderliche Leistung von Glaser zu reduzieren. Gleichzeitig sollten Ausdauer und Schnelligkeit hochgehalten werden. „Die Ausdauer in dieser kurzen Zeit hochzufahren hätte die Limitchance ebenso ermöglicht, allerdings bei danach sehr wahrscheinlich fallender Leistung zur WM“, erklärte Meixner. „Daher entschloss ich mich, die Ökonomie zu verbessern, damit sie bei der WM gute Chancen auf eine starke Performance hat. Unser Dank gilt hier der Stadt Eisenstadt, dem Land Burgenland, dem BLV und dem ÖLV – nur durch diese vier Partner gibt es den Bundesstützpunkt, der solche Sternstunden ermöglicht.“ Diese Voraussetzungen will die 18-Jährige nun nützen: „Ich war sehr glücklich nach dem Superrennen am 3. August, bin es jetzt auch noch und freue mich auf die WM. Erstmals gehöre ich in meiner Altersklasse somit zur Weltklasse.“ Nachsatz: „Zur Weltspitze noch nicht.“