Drei Abende lang stand der Festsaal der Volksschule Parndorf ganz im Zeichen der traditionellen Tamburizzamusik. Der Tamburizza-Verein „Ivan Vukovič – Parndorf“ lud von Freitag bis Sonntag zum Großen Tamburizza Herbstkonzert und durfte sich über einen großen Besucherandrang freuen.
Bruckneudorf: „Vali und die Villa“ stellt Kindern die Kaiservilla vor
LUSTIG UND LEHRREICH
Im Gemeindeamt Bruckneudorf stellten Christian Zenger und sein Sohn Thorin Neuberger eine Comic-Broschüre mit dem Titel „Vali und die Villa“ vor. Die Broschüre über die Abenteuer des kleinen Valentinian in der Kaiservilla richtet sich speziell an Kinder.
Bei der Präsentation im Gemeindeamt: Christian Zenger, Franz Schmitzhofer, Gerhard Dreiszker und Thorin Neuberger mit Gabriella, Anja und Emilia.
© NÖN/Josef Rittler
„Archäologische Fachbücher und andere wissenschaftliche Werke über die Ausgrabung und Erforschung der Bruckneudorfer Kaiservilla gibt es viele, aber bisher nichts für Kinder“, berichtet Christian Zenger. Im Gemeindeamt Bruckneudorf stellten Zenger und sein Sohn Thorin Neuberger daher im Namen des Vereins „Kaiservilla“ eine Comic-Broschüre mit dem Titel „Vali und die Villa“ vor.
Das Heft über die Abenteuer des kleinen Valentinian in der Kaiservilla richtet sich speziell an Kinder und zeigt das römische Leben in der Region vor 1.650 Jahren.
Zenger hatte schon länger die Absicht, ein Projekt bezüglich der „Villa Murocincta“ für Kinder zu machen. „Jetzt half mir dabei mein Sohn, ein Grafik-Projekt, das er im Rekordtempo hingelegt hat“, sagt Zenger. Der 19-jährige Thorin besucht die HTL in Wien für Animation und Medientechnik und hat die Zeichnungen beigesteuert. Er bekam zum Dank einen „Centenionalis“, eine spätantike Kupfermünze aus der Zeit von Flavius Valentinianus II., den er im Comic gezeichnet hat.
Geschichtlicher Hintergrund: Laut dem römischen Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus verbrachte der spätere römische Kaiser Valentinian II., im Heft „Vali“genannt, Sommer und Herbst des Jahres 375 in der Villa. Die Geschichte beruht somit auf wahren Begebenheiten beziehungsweise Ereignissen, die so durchaus stattgefunden haben könnten.
Broschüre für verschiedene Altersstufen geeignet
„Der Inhalt des Comics teilt sich in verschiedene Bereiche – die Zeichnungen mit Vali und seinem Katzenfreund Cato sind für kleine Kinder, die dazugehörigen Texte und die Spaziergänge durch die Region können in der 3. und 4. Klasse Volksschule verwendet werden. Abseits der Kinder-Story kann man die im Comic verwendeten lateinischen Wörter (und die Geschichte der Valentinianischen Dynastie) auch in höheren Schulen verwenden“, schildert Zenger.
Die Grafiken und Darstellung der Villa, wie beispielsweise die Mosaike, Wandgemälde oder Pferdeställe seien mit Archäologen abgestimmt worden, bezögen sich ausschließlich auf die Originalfunde und seien genau so dargestellt, wie es in der Spätantike tatsächlich ausgesehen hatte, vom Kopfschmuck, Rebmesser zur Weinlese, Viehzucht über das Zaumzeug der Pferde, Standarte, Schiffe, Vasen bis zu Wandschmuck und Mosaiken.
Dabei wurde auch auf Details geachtet. „Ein Kind fragte mich, ob beim Pferdesattel der Steigbügel vergessen worden war, und wir durften erklären, dass es damals bei den Römern eben noch keine Steigbügel gab“, erzählt Zenger. Wenn bei ein paar Kindern das Interesse an der römischen Geschichte geweckt werden sollte, hätte die Broschüre ihren Zweck erfüllt. Darüber hinaus findet sich für Erwachsene eine ausführliche Erklärung über Flavius Valentinianus.
„Wir haben auch ein paar Schmähs eingebaut, die aber nur Brucker und Bruckneudorfer verstehen – Bürgermeister Gerhard Dreiszker lachte laut, als er den römischen Grafitti-Wandspruch ,Pakulus magnus victor' entdeckte“, sagt Zenger. Für Nichteingeweihte: „Packl“ ist der Spitzname des Ortschefs.
Vali hole sich übrigens sein Brot vom „Pistor Krupagricola“ (der Name der Brucker Bäckerei Krupbauer aus lateinischen Bestandteilen zusammengesetzt). Ein archäologischer Fehler sei auch absichtlich eingebaut worden: „Wir glauben nämlich nicht, das der ,Lacus Peiso' – der heutige Neusiedler See, damals tatsächlich schon das ,Mare Vindobonense', also das Meer der Wiener, war.“
Die Erstellung der Broschüre war vom langjährigen Grabungsleiter Heinrich Zabehlicky und Susanne Zabehlicky-Scheffenegger unterstützt worden, um die Herausgabe machten sich der Verein „Kaiservilla“ und die Gemeinde Bruckneudorf verdient.

© NÖN/Josef Rittler