Manfred Püchl im Interview: „Ein Hoch auf das Ehrenamt“

Pöttschinger Blasmusiker

Eine ehrenamtliche Tätigkeit in gemeinnützigen Vereinen wie beispielsweise im Musikverein, Volkstanzgruppen, Brauchtumsvereinen bis zum Sportverein und Körperschaften wie der Freiwillige Feuerwehr oder in Rettungs- und Sanitätsorganisation darf nicht als selbstverständlich dargestellt werden und benötigt seitens der Öffentlichkeit mehr Anerkennung und Respekt, ist Manfred Püchl überzeugt. Er ist seit 2022 Bezirksobmann von Mattersburg im Blasmusikverband Burgenland und seit 2019 Obmann im Musikverein Pöttsching.

Von Christian Artner

Vereine tragen maßgeblich zum kulturellen Leben in einer Gemeinde bei. Damit das auch in Zukunft so bleibt, setzt sich Manfred Püchl (Mitte), der Obmann vom Musikverein Pöttsching und Bezirksobmann von Mattersburg im Blasmusikverband Burgenland, dafür ein, dass Ehrenamtlichen die Anerkennung zukommt, die sie verdienen. Dabei kommt er viel rum. Die Veranstaltungen in seiner Heimatgemeide Pöttsching liegen ihm noch einmal ganz besonders am Herzen. Hier bei der Begrüßung der Ehrengäste zum „55-Jahr-Jubiläum“ beim Musiker-Fest 2024.

Vereine tragen maßgeblich zum kulturellen Leben in einer Gemeinde bei. Damit das auch in Zukunft so bleibt, setzt sich Manfred Püchl (Mitte), der Obmann vom Musikverein Pöttsching und Bezirksobmann von Mattersburg im Blasmusikverband Burgenland, dafür ein, dass Ehrenamtlichen die Anerkennung zukommt, die sie verdienen. Dabei kommt er viel rum. Die Veranstaltungen in seiner Heimatgemeide Pöttsching liegen ihm noch einmal ganz besonders am Herzen. Hier bei der Begrüßung der Ehrengäste zum „55-Jahr-Jubiläum“ beim Musiker-Fest 2024.

© zVg

BVZ: Herr Püchl, Sie haben einen Kommentar verfasst, in dem Sie ein starkes Plädoyer für das ehrenamtliche Engagement in Vereinen und Körperschaften formuliert haben. Was war ihre Motivation, diesen Kommentar zu schreiben?

Manfred Püchl: Mitglieder für die ehrenamtlichen Tätigkeiten zu finden wird immer schwieriger. In kleineren Ortschaften gibt es noch eine größere Bereitschaft (jeder kennt fast jeden), in größeren Städten taucht man ab in die Anonymität. Viele Menschen sind mit dem Beruf und Familie „überfordert“ und wollen nicht zusätzliche Termine und Aktivitäten. Andererseits findet man es in einer Gemeinde selbstverständlich, dass die Vereine Veranstaltungen durchführen: Musiker-, Feuerwehr-Feste, Kirtagsbaumaufstellen, Umzüge zu Fasching, Konzerte, etc. Doch um das zu erledigen, bedarf es viele freiwillige Stunden der Organisation, der Vorbereitung der Durchführung und des Wegräumens. Dabei werden die mithelfenden Hände immer weniger und diejenigen, die es noch machen, bekommen teilweise sehr wenig Anerkennung.

Sie sagen, dass Ehrenamtlichen von den Gemeinden eine größtmögliche Unterstützung und Motivation bekommen müssten. Vermissen Sie diese Unterstützung manchmal?

Seitens einiger Gemeinden höre ich immer wieder, dass die Mithilfe der gemeindeeigenen Bauhofmitarbeiter beim Aufbau einer Festveranstaltung nicht gewünscht ist, da diese ja für Gemeindeaufgaben eingeteilt sind und nicht für eine Vereinstätigkeit herangezogen werden sollen. Das bedeutet, dass sich Vereinsmitglieder häufig einen sauerverdienten Urlaub nehmen müssen, um die Veranstaltung vorzubereiten. Andererseits helfen aber auch pensionierte Vereinsmitglieder, welche noch fit und gesund sind, mit.

Wie kann eine Gemeinde noch unterstützend tätig sein?

Öffentliche Anerkennung und Respekt seitens der kommunalen Gemeinde, Bezirksbehörden und Landesorganisationen können als Motivation für die vielen freiwillig und unentgeltlichen Stunden gesehen werden. Es ist wie ein „Dankeschön“. Die meisten Funktionäre sind schon zufrieden, wenn man ein Lächeln und ein freundliches Grüßen durch den Bürgermeister und Gemeindevorstand erhält. Aber auch ein Zugehen auf die Vereinsfunktionäre mit Informationsweitergabe kann vermutlich viel Positives bewirken. Ein Negativ-Beispiel will ich anführen von einer Gemeinde: Informationseinholung für die Vereine ist eine „Hol-Schuld“, hieß es, und nicht eine „Bring-Schuld“. Hier geht die Gemeinde nicht auf den Verein zu. Wen sich die Funktionäre nicht kümmern, so erhalten sie eben keine Informationen. In den meisten Vereinen funktioniert es zum Glück sehr gut.

Manfred Püchl im Interview: „Ein Hoch auf das Ehrenamt“

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Ist es Ihrer Ansicht nach heute schwieriger, Familie, Beruf, Freizeit und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen als früher?

Ja, weil sich die Prioritäten im Freizeitbereich durch z.B. „Social-Media-Angebote“ geändert haben. Weiters sind die Väter aktiver in der Kindererziehung und im Haushalt eingebunden. Früher gab es mehr Schichtarbeiter und einen höheren Anteil an landwirtschaftlichen Selbstständigen, die teilweise tagsüber zu Vorbereitungen herangezogen werden konnten. Heute verzeichnen wir einen hohen Pendleranteil in Richtung Wien oder andere Großstädte und auch eine höhere Anzahl an auswärtig Studierenden, die großteils Wohnungen in Wien haben und nur am Wochenende in die Regionen zurückkehren.

Mehr als 100.000 Burgenländerinnen und Burgenländer sind laut Angaben vom Land Burgenland ehrenamtlich aktiv, fast jeder Dritte.

Diese Angabe zeichnet das Burgenland aus. Wir Burgenländer leben nicht in der Anonymität, wir sind gesellig, wollen uns treffen und gemeinsam etwas umsetzen. Das Motto lautet: Gemeinsam erreichen wir mehr und gemeinsame Freude ist „doppelte“ Freude. Weiters sind wir Burgenländer sehr stolz auf unser Brauchtum. Als Vereins-Beispiele führe ich die Landjugend, die Gesangsvereine, die Volkstanzgruppen, Theater-Spielgruppen, etc. Nicht vergessen dürfen wir die Sportvereine, denn die körperliche Ertüchtigung ist wichtig für unsere Gesundheit. Aber auch die Rettungsorganisationen – Rotes Kreuz, Samariter-Bund, bis hin zu Freiwilligen Feuerwehren, etc. – sind wichtige Institutionen, wo man für sein soziales Gewissen und für den Dienst am Mitmenschen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten kann. Auch die religiöse Vereinstätigkeit ist ein wichtiger Bestandteil in unserer Gesellschaft. Hier gibt es die Katholische Jugend, die verschiedenen Männer- und Frauen-Bewegungen. Durch all die vielen Veranstaltungen werden Spendeneinnahmen erzielt, die wiederum Investitionen umsetzen und so zum Gemeinwohl beitragen.

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Manfred Püchl im Interview: „Ein Hoch auf das Ehrenamt“
Manfred Püchl kommt selten mit leeren Händen zu den Veranstaltungen. Hier überreicht er die „Jubiläums-Weinflasche“ an Conferencier Emmerich „Emmi“ Fekete (Pöttsching)

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Manfred Püchl im Interview: „Ein Hoch auf das Ehrenamt“
Manfred Püchl übergibt die „Jubiläums-Fest-Flasche“ Wein an den musikalischen Leiter Mag. Bürger (MV Fürst Bismarck).

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Trotz dieser doch sehr hohen Anzahl an Ehrenamtlichen hört man von Vereinen häufig, dass der Nachwuchs fehlt. Macht Ihnen das Sorgen?

Eines vorweg: Ohne Nachwuchs – sprich der Jugend – wird jeder Verein irgendwann aufhören und die Arbeit einstellen. Daher sehe ich meine Aufgabe, der Jugendarbeit einen wichtigen Fokus zu geben. Doch wie kommt man zur Jugend? Sehr schwer! Bei der Musik ist es so, dass die Kinder in jungen Jahren großes Interesse haben, ein Instrument zu lernen. Es gibt die Musikschulen, und schnell erlernt man das gewünschte Instrument. Doch dann gibt es bürokratische Hürden! Beispielsweise das Datenschutzgesetz. Ein Musikverein bekommt keine Liste, welches Kind welches Instrument spielt und wie die Kontaktdaten der Eltern lauten. Hier fehlt leider eine Brücke zum örtlichen Musikverein. Klarerweise gehört die musikalische Erziehung in fachgerechte Hände, sprich Musikschulen. Doch wichtig ist aus meiner Sicht, dass man das Gelernte auch beginnt, in einem Musikverein zu festigen. Eine gemeinsame Probe ist viel angenehmer und lustiger, als wenn man nur alleine zu Hause übt. Weiters bietet der Musikverein eine Fülle von Auftritten und das spornt die Jugendlichen wiederum an, regelmäßig zu üben. Da brauchen wir eben die Zustimmung der Eltern, welche die Kinder zum Musikverein bringen. Das gestaltet sich leider Gottes sehr mühsam und das gehört aus meiner Sicht verbessert. Die Musikvereine haben sich schon überlegt, dass sie zum Teil die Kosten der Musikschulausbildung oder den Instrumentenankauf übernehmen, wenn sie dem Musikverein beitreten und regelmäßig zur Probe kommen. Das motiviert wiederum die Eltern und so kann man sehr schnell ein „Jugend-Orchester“ zusammenstellen.

Auch Funktionäre für die verschiedenen Positionen innerhalb der Vereine, sei es in der Führungsposition oder auch als Schriftführer oder Kassier, zu finden, gestaltet sich offenbar zunehmend schwieriger, weil es viel Arbeit bedeutet. Sie sind Obmann beim Pöttschinger Musikverein und Bezirksobmann von Mattersburg im Blasmusikverband Burgenland. Was sind hier zum Beispiel ihre Aufgaben?

Ich bin Verbindungsstelle zwischen Landesverband und örtlichem Musikverein, zuständig für Pflege und Erhaltung der Blasmusikkultur, für künstlerische und wirtschaftliche Förderung der Mitglieder, Hilfestellung bei organisatorischen und vereinstechnischen Fragen, Ausbau der musikalischen Qualität durch Vorträge und Weiterbildungsmaßnahmen, Durchführung von Wertungsspielen und Blasmusiker-Treffen mit Marschbewertung, Motivation durch Ehrung verdienter Persönlichkeiten für langjährige Mitgliedschaft und vorbildliche Tätigkeiten, Festigung der Kameradschaft und gegenseitige Achtung, Durchführung von Bezirksvorstandssitzungen und einer jährlichen Bezirksversammlung, Organisation und Durchführung von gemeinsamen Veranstaltungen wie „Bezirksmusiker-Ball“. Der findet übrigens am Samstag, dem 24. Mai im „Fürstenstadl“ in Rohrbach statt.

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Manfred Püchl im Interview: „Ein Hoch auf das Ehrenamt“
Spezielle Ehrungen verdienter Mitglieder gehören zu den vielfältigen Aufgaben eines Obmanns. Manfred Püchl ehrt hier den langjährigen Kapellmeister Franz Endler vom Musikverein Pöttsching.

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Manfred Püchl im Interview: „Ein Hoch auf das Ehrenamt“
Manfred Püchl überreicht das Ehrenzeichen für langjährige Mitgliedschaft an Obmann-Stellvertreter Christian Fekete.

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Das hört sich nach einer Menge Arbeit an. Weil Sie Ehrungen verdienter Mitglieder angesprochen haben: Häufig werden bei Ehrungen, wie unlängst beim Adventkonzert des Musikvereins Rohrbach, neben den zu Ehrenden auch deren Partnern, Ehemännern, Ehefrauen Geschenke überreicht und ihnen Dank ausgesprochen. Wie wichtig ist die Unterstützung aus der Familie für Personen, die sich in Vereinen engagieren?

Selbstverständlich darf man den/die Partner*in eines Vereinsfunktionärs nicht vergessen. Denn durch die vielen freiwilligen Stunden fehlt man einerseits zu Hause, sei es in der Hausarbeit, in der Kindererziehung oder bei den gemeinsamen Hobbys. Andererseits helfen die Partner oft mit, um für die Veranstaltungen Mehlspeisen zu backen, Wurst-/Käse-Salzstangerl vorzubereiten oder den Festplatz zu reinigen und mit Blumen und Girlanden zu dekorieren. Daher gebührt der gesamten Funktionärsfamilie Dank und Anerkennung!

Wenn die persönliche Fragen erlaubt ist: Gab es bei Ihnen zuhause je Streit wegen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

Bei uns zu Hause gab es keinen Streit, da ich meine Frau und meine Tochter von Haus aus in die Entscheidung, ob ich Vereinsfunktionen annehme, eingebunden habe. Weiters kläre ich rechtzeitig die Termine familienintern ab, damit wir auch – wo es möglich ist – zu zweit unterwegs sein können. Von anderen Funktionären kenne ich sehr wohl Aussagen, wo es geheißen hat, wenn Du den Obmann annimmst, dann lasse ich mich scheiden!

Sie kommen durch Ihre Tätigkeit als Bezirksobmann natürlich sehr viel in Kontakt mit Leuten. Lernen Sie auch manchmal welche kennen, die aus Vereinen ausgetreten sind?Wenn ja, was sind die Gründe, die Ihnen dafür genannt werden?

Ich habe den Ausspruch noch im Ohr von meiner Freiwilligen Feuerwehr: Der Eintritt und der Austritt sind freiwillig, alles andere ist Pflicht. Bei einem Musikverein oder einem anderen Verein wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht. Aber: die moralische „Verpflichtung“ verlässlich mitzuarbeiten, besteht dennoch. Austritte in der Vergangenheit haben diverse Gründe wie z.B. neuer Lebensmittelpunkt, neuer Job mit höherer Verantwortung, Hausbau, Kindererziehung oder neues Hobby.

Manfred Püchl im Interview: „Ein Hoch auf das Ehrenamt“

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Sie sprechen sich auch für ein – wenn man es so nennen mag – Projekt für „Wiedereinsteiger-Musiker“ aus. Was verstehen Sie darunter?

Ich wünsche mir, dass in einigen Musikvereinen - so wie es eine „Jungmusiker“-Gruppe gibt – auch eine Gruppe von „Wiedereinsteiger-Musiker“ ins Leben gerufen wird. Denn im Lebenszyklus kann es durchaus vorkommen, dass man irgendwann sein Musikinstrument an den Nagel hängt, aber nach einigen Jahren gerne wieder zu einem Verein kommen möchte. Natürlich fehlt die Übungspraxis und die musikalische Fertigkeit. Daher soll mit dem örtlichen Musikverein Kontakt aufgenommen werden und keine Scheu bestehen, anzufragen. Die Funktionäre freuen sich garantiert und nach einigen Gruppenproben hat man schnell den Anschluss in den großen Musikverein wieder gefunden.

Am 17. Dezember 2024 fand im Parlament in Wien ein Blasmusikkonzert für das Ehrenamt statt. Wie muss man sich das vorstellen undwelche Eindrücke haben Sie von dort mitgenommen?

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Das Konzert im Reichsratssitzungssaal des Parlaments in Wien für die ehrenamtlich Tätigen erfolgte über Einladung des Nationalratspräsidenten. Dabei wird ein Zeichen gesetzt und an den internationalen „Tag des Ehrenamtes“ gedacht, der jährlich am 5. Dezember stattfindet. Die Musiker*innen werden abwechselnd von einem Bundesland besetzt. 2023 war Niederösterreich an der Reihe, 2024 spielten die Kolleg*innen aus OÖ. Als Kapellmeister fungiert im Normalfall der jeweilige Landeskapellmeister. Nach den Festansprachen und dem Konzert lädt der Nationalrats-Präsident zu einem Imbiss in die Säulenhalle des Parlaments ein. Vertreten sind höchstrangige Vereinsfunktionäre. Vom Blasmusikverband war Bundesobmann Erich Riegler (Steiermark) anwesend, aus dem Burgenland Landesobmann Peter Reichstädter, die Landeskapellmeister Hans Kausz und Johannes Biegler, Landesstabführer Andreas Blutmager sowie mein Bezirksobmann-Kollege von Oberpullendorf Richard Wolfram und meine Person. Mitgenommen habe ich von der Veranstaltung die Wertschätzung sowie den Dank und die Anerkennung der „hohen“ Politik, dass unsere Arbeit sehr wohl geschätzt wird. Und diesen Dank möchte ich gerne an alle Ehrenamtlichen weitergeben.

2025 feiert der Blasmusikverband Burgenland das „60-Jahr-Jubiläum“ und präsentiert dazu folgende Termine: 05.04.2025, 19:00 Uhr: Gala-Konzert „60-Jahre“ in Raiding mit der Militärmusik Burgenland 23.08.2025, 19:30 Uhr: Feuerwerk der Blasmusik in Mörbisch (See-Bühne)

Weitere Termine und Veranstaltungen in den Bezirken findet man auf der Homepage www.blasmusik-burgenland.at