Ärztemangel in Güssing: Kommt jetzt ein Gesundheitsgipfel?

Medizinische Versorgung

Die Suche nach einer dritten Kassenarztstelle geht weiter. Eine neue Ärztin sollte im Juni ihre Praxis beziehen, sagte aber trotz zugesagter Förderungen von 320.000 Euro völlig überraschend ab. Die Ausschreibung der Ärztekammer läuft, Bewerber gibt es keinen und jetzt sind alle gefragt.

Von Bertie Unger

Die medizinische Versorgung in Güssing muss auf drei Ärzt:innen verteilt werden.

Die medizinische Versorgung in Güssing muss auf drei Ärzt:innen verteilt werden.

© pexels.com

Die erste Ausschreibung nach Absage der bereits fix geglaubten Ärztin läuft noch bis 20. Juni. Aber ohne Erfolg. „Das stimmt“, sagt Thomas Bauer von der Ärztekammer Burgenland. „Das ist momentan sehr mau, aber wir geben die Hoffnung nicht auf. Wir hatten mit der Bewerberin auch nicht gerechnet. Dass sie wieder absagt hat, habe ich auch nur den Medien entnommen, wir hatten mit ihr nicht gesprochen. Es war ihr Entschluss, da kann man nichts machen“, sagt Thomas Bauer.

Gesundheitsgipfel als wirksames Rezept?

Die ÖVP Güssing will nun einen Gesundheitsgipfel und auf Fachexpertisen zurückgreifen. „Wir denken da an einen Gipfel mit den jetzt ansässigen Allgemeinmedizinern, vielleicht auch mit denen, die bereits im Ruhestand sind. Dazu Physiotherapeut:innen, Apotheker:innen, um zu eruieren, wie das grundsätzlich mit Hausapotheken aussieht“, sagt ÖVP Stadtparteiobmann Philip Krobath. „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, wir müssen auf Fachexpertise zurück greifen können“, sagt Krobath.

„Da spricht nichts dagegen, da werde ich sicher gerne dabei sein“, betont Bürgermeister Vinzenz Knor. „Die Initiative muss aber von der ÖVP kommen. Wenn die ÖVP initiativ wird, können wir das gemeinsam machen. Man darf nicht immer versuchen, den Ball jemand anderem zuzuspielen. Das Angebot der Gemeinde steht, aber einen Arzt auf Knopfdruck zu bekommen, ist nicht möglich. Das kann man auch nicht so vermitteln“, sagt Güssings Stadtchef.

Lösungsvorschlag schon gemacht

„Wir haben einen Lösungsvorschlag mit einem Ärztezentrum im Bereich der alten Volksschule gemacht und auch an den Bürgermeister gesendet“, kontert Philip Krobath.

„Bis jetzt gab es keine Maßnahmen und keine Einladung, die nächste Gemeinderatssitzung haben wir am 17. Juni, da können wir gerne darüber sprechen“, so Krobath. „Unser Ansatz mit dem Gesundheitsgipfel ist zweckmäßig. Aber ist das eine Lösung? Reicht es, wenn wir ein Gebäude zur Verfügung stellen? Kann das die alte Schule sein? Da müssen wir drüber reden, die ärztliche Versorgung muss sicher sein“, so Krobath, der den Bürgermeister in die Pflicht nimmt.

„Wir haben diesen Lösungsvorschlag übergeben, aber wenn ich die Mehrheit habe und den Bürgermeister stelle, muss ich auch Verantwortung übernehmen. Wir sind kooperativ, aber die Verantwortung liegt woanders, und dieser Verantwortung muss man sich auch stellen. Wir sind dabei“, sagt Philip Krobath in Vertretung seiner Fraktion.

Bürgermeister nimmt den Bund in die Pflicht

„Der Bund muss auch munter werden, die ÖGK muss endlich dafür sorgen, dass alle Kassenärzte österreichweit gleich bezzahlt werden. (Das Burgenland matcht sich mit der Steiermark um den letzten Platz – Anm. d. Redaktion). Gleiche Gehälter sind das erste, alles andere muss mit der Ärztekammer geklärt werden. Dort gehört endlich ein runder Tisch gemacht“, fordert Vinzenz Knor.

Gemeinde garantiert weiter hohe Förderungen

Am Förderungspaket der Stadtgemeinde Güssing ändert sich nichts. Die Stadtgemeinde wird die Förderung des Landes verdoppeln, wodurch für die Ordinationsgründung eine Förderung von 120.000 Euro bereitsteht. Dazu kommt der Startbonus in Höhe von 100.000 Euro aus dem Gesundheitsreform-Paket des Bundes. Ein zusätzliches Einkommen als Schul- und Gemeindeärzt:in wird vertraglich fixiert. Und dann sagt die Stadtgemeinde noch einen Mietzuschuss in der Höhe von 20.000 Euro pro Jahr auf die Dauer von fünf Jahren zu. In Summe ergibt das 320.000 Euro.