Schlagen, drohen, stehlen: 26-Jähriger angeklagt

Mattersburg/Ebreichsdorf

„Ich hörte sie kreischen, schreien, brüllen, wimmern“, erinnerte sich eine Mattersburgerin an die Geräusche aus der Wohnung über ihr. Ein 26-Jähriger soll dort seine damalige Freundin geschlagen und getreten haben.

Von Elisabeth Kirchmeir

Der 26-Jährige soll gegenüber seiner Ex-Freundin gewalttätig geworden sein.

Der 26-Jährige soll gegenüber seiner Ex-Freundin gewalttätig geworden sein.

© BVZ/Kirchmeir

Am 9. Jänner 2024 wurde der 26-Jährige von zwei Justizwachebeamten in den Verhandlungssaal am Landesgericht Eisenstadt gebracht. Der ungarische Staatsbürger gab an, bis zu seiner Verhaftung als Autohändler tätig gewesen zu sein und 50.000 Euro im Jahr verdient zu haben.

Als ihn Richterin Doris Halper-Praunias darauf hinwies, dass er bei der Haft- und Rechtsschutzrichterin ein monatliches Einkommen von 1.300 Euro als Angestellter angegeben habe, meinte er, bei den 50.000 Euro handle es sich um den Umsatz, es sei ein Bruttobetrag.

Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten mehrere Straftaten vor.

Alle paar Tage mit Hand und Faust zugeschlagen?

Der 26-Jährige soll von Sommer 2022 bis April 2023 seine Freundin alle paar Tage durch Schläge mit der Hand und der Faust misshandelt und verletzt haben. Auch soll er der Frau gedroht haben, er werde sie und ihren Bruder „aufhängen“. Bedroht soll er auch die Eltern seiner Freundin haben.

Als das Mietverhältnis für die vom Angeklagten und seiner Freundin bewohnte Wohnung in Mattersburg aufgelöst wurde, soll der Ungar rabiat gegenüber dem Vermieter und dessen Vater geworden sein.

Aufgrund von Beschädigungen, die sich nach Schätzungen der Hausbesitzer auf 4.800 Euro beliefen, wollte man dem Ungarn nur mehr einen Teil der geleisteten Kaution zurückgeben. Daraufhin drohte der 26-Jährige, er werde den Vermieter und dessen Vater „zusammenschlagen“.

In Tenniscenter eingebrochen?

Im Juli 2023 soll der Angeklagte bei zwei ehemaligen Arbeitgebern Diebstähle begangen haben. Er soll zweimal mit Mittätern in ein Tenniscenter in Ebreichsdorf eingedrungen sein. Dort versuchten die Täter, einen Tresor zu öffnen. Ein zum Zweck dieser Taten in Sigleß gestohlener LKW soll in der Nähe des Tenniscenters in Brand gesteckt worden sein.

In Rust, wo der Ungar zirka zwei Wochen lang in einem Restaurant gearbeitet hatte, soll er zum Abschied zwei Kuverts mit der Tageslosung in der Höhe von 5.300 Euro gestohlen haben.

Verteidiger Andreas Jeidler relativierte die Vorwürfe. Seinem Mandanten könne keine fortgesetzte Gewaltausübung vorgeworfen werden, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, weil es nur „zwei bis drei Gelegenheiten über einen längeren Zeitraum verteilt“ gegeben habe.

Verteidiger: Ex-Freundin liebt den Angeklagten immer noch

Außerdem schicke die Ex-Freundin dem Angeklagten weiterhin Briefe, sagte der Verteidiger, und legte der Richterin sechs dieser Schreiben vor. Einmal sei, sagte der Anwalt, ein „Kussmund“ drauf. Aus den Briefen gehe hervor, dass die Frau den Angeklagten immer noch liebe und mit ihm eine Familie gründen wolle.

Die Eltern der Ex-Freundin habe er nicht bedroht, hingegen tue es dem Angeklagten leid, dass er gegenüber dem Vermieter und dessen Vater die angeklagten Äußerungen gemacht habe.

Keineswegs sei sein Mandant an den drei Einbruchsdiebstählen in Ebreichsdorf und Rust beteiligt gewesen, sagte der Verteidiger.

LKW für Tat wurde in Sigleß gestohlen

Der Angeklagte berichtete dazu, er sei in Sigleß dabeigewesen, als drei andere Männer dort den LKW holten, der später abgebrannt bei Ebreichsdorf gefunden wurde. Zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh habe er die drei Männer von Sopron nach Sigleß gebracht, gab der Angeklagte an.

Als er dort wartete, sei er von einem Bewohner angesprochen worden. „Er fragte, was ich da mache. Ich sagte, ich rauche da eine Zigarette“, so der Angeklagte.

Am 27. Juli 2023 war er an seinem Arbeitsplatz in Rust aufgetaucht, nachdem er diesen am Tag zuvor nach einem Streit mit seinem Chef verlassen hatte.

„Ich tat so, als würde ich den Müll rausbringen“

„Ich bin reingegangen und tat so, als müsste ich den Müll rausbringen“, berichtete der Angeklagte. „Wieso nahmen Sie die zwei Müllsäcke mit?“, wunderte sich die Richterin. „Ich wollte nicht, dass meine Kollegen denken, ich will gehen.“

Dass in einer Schublade in der Theke die Tageslosung lag, habe er nicht gewusst. „Ich war nicht der Kassier“, sagte der Angeklagte.

Der 26-Jährige habe als Barkeeper an der Schank gearbeitet, berichtete ein ehemaliger Arbeitskollege. Nach der Sperrstunde sei immer abgerechnet und das Geld in der Schublade eingesperrt worden.

Schlagen, drohen, stehlen: 26-Jähriger angeklagt

© BVZ/Kirchmeir

Belegschaft überzeugt, dass Angeklagter der Täter ist

Die gesamte Belegschaft ist der Meinung, dass der kurzfristig beschäftigte Ex-Kollege das Geld genommen hat. Der Angeklagte bestritt aber, der Dieb zu sein.

Über seine Freundin habe er sich geärgert, weil sie Nacktbilder von sich selbst im Internet verkauft habe. Fortgesetzt misshandelt habe er sie nicht, so der Angeklagte.

Die im Bezirk Mattersburg lebenden Eltern der jungen Frau berichteten, dass ihre Tochter über „Vorfälle“ erzählt habe. Die Mutter sagte, sie habe ihre Tochter öfter mit blauen Flecken gesehen. Die Tochter habe erzählt, dass sei von ihrem Freund Ohrfeigen bekommen habe, er habe sie an den Haaren gezogen und gegen ihre Beine getreten.

„Das tat er immer, wenn sie nicht machte, was er wollte“, sagte die Mutter. Aufgrund der Schläge seien ihrer Tochter sogar Zähne abgebrochen worden.

Vater der Freundin mit „Schweineschlachterei“ gedroht

Dem Vater soll der Ungar angekündigt haben, es werde „eine Schweineschlachterei“ geben. „Ich verstand es so, er erledigt mich“, sagte dazu der Vater.

„Mir gegenüber sagte er, dass er mich schlagen wird“, fügte die Mutter hinzu. Das habe sie aber nicht ernstgenommen.

„Warum nicht?“, wunderte sich die Richterin. „Wenn er Ihre Tochter schlägt?“

Verletzungen fielen am Arbeitsplatz auf

An ihrem Arbeitsplatz war aufgefallen, dass die junge Frau immer stark geschminkt war. „Mir fiel ein blauer Fleck an der Lippe auf“, berichtete die Teamleiterin. Auch habe sie blaue Flecken an den Oberarmen der Frau gesehen. „Ich fragte, hat er dich angegriffen?“, erinnerte sich die Kollegin. „Sie zuckte mit den Achseln. Dann sagte sie: Ja, nur das eine Mal.“

„Es war öfter sehr laut“, schilderte die Nachbarin ihre Beobachtungen. Mehrmals im Monat habe sie „Schreien, Weinen und Türenschlagen“ gehört. Einmal sei um viertel drei Uhr früh ein „Mordskrawall“ zu vernehmen gewesen. Die junge Frau habe geweint. „Ich bin rauf und schrie, was los ist“, berichtete die Nachbarin.

„Bitte nicht! Bitte nicht!“, habe die Freundin des Angeklagten geschrieen. Sie habe, so die Nachbarin, bei der Polizei angerufen. „Aber niemand hob ab“, sagte sie. Am nächsten Tag habe sie bei der jungen Frau ein blau unterlaufenes Auge bemerkt. „Sie ist ein junges Mädchen. Ich habe aufgepasst“, betonte die Nachbarin.

„Es waren nur Meinungsverschiedenheiten“

Unter Aufsicht ihres Freundes habe ihr die junge Frau einmal mitgeteilt: „Sie hatten nur Meinungsverschiedenheiten“, sagte die Nachbarin. „Aber von Meinungsverschiedenheiten bekommt man kein blaues Auge.“

„Er wil uns zusammenschlagen, wenn wir ihm die Kaution nicht zurückgeben“, das habe der Angeklagte laut dem Vermieter im April 2023 anlässlich der Wohnungsübergabe in Mattersburg gesagt. „Zuerst sagte er das zu meinem Vater, dann schaute er mich an und sagte: Dich auch.“

Er habe den Notruf gewählt und die Polizei verständigt, sagte der Vermieter. Die folgenden Szenen nahm er auf Video auf. „Man sieht, wie gestritten wird und der Angeklagte seiner Freundin sagt, sie soll ins Auto einsteigen“, schilderte die Richterin die Aufnahme. Noch bevor die Polizei vor Ort war, fuhren der Angeklagte und die junge Frau weg.

Der Prozess wurde vertagt. Unter anderem soll das mutmaßliche Opfer noch einmal ergänzend zur auf Video aufgenommenen, schonenden Einvernahme befragt werden.