Freundin geschlagen, Chef bestohlen: Ungar verurteilt

Mehrfach kriminell

Er schlug seine Freundin, brach in ein Tenniscenter ein und stahl aus einem Restaurant in Rust die Tageslosung. Jetzt wurde der Täter, ein 26-jähriger Ungar, verurteilt.

Von Elisabeth Kirchmeir

Der Ungar hatte sich zu den meisten Vorwürfen nicht schuldig bekannt, nahm das Urteil dann aber doch an.

Der Ungar hatte sich zu den meisten Vorwürfen nicht schuldig bekannt, nahm das Urteil dann aber doch an.

© BVZ/Kirchmeir

Am ersten Verhandlungstag hatte sich der Angeklagte nur zu einem Faktum schuldig bekannt: Er gab zu, gegenüber seinen Vermietern aggressiv geworden zu sein, als diese ihm aufgrund von Beschädigungen nur einen Teil der Kaution zurückerstatten wollten.

Nicht schuldig bekannte er sich zu den monatelangen Misshandlungen, die er seiner Freundin von Sommer 2022 bis April 2023 zugefügt haben soll. Eine Nachbarin schilderte in ihrer Zeugenaussage vor Gericht, dass sie mehrmals im Monat aus der Wohnung des jungen Paares in Mattersburg „Schreien, Weinen und Türenschlagen“ gehört habe. Auch habe sie bei der Freundin des Angeklagten ein blaues Auge bemerkt.

Dem Ungarn wurde auch vorgeworfen, gemeinsam mit Mittätern zweimal in ein Tenniscenter in Ebreichsdorf eingedrungen zu sein. Offenbar wollte man dort den Tresor bzw. dessen Inhalt stehlen. Dazu kam es aber beide Male nicht.

Mit Tageslosung den Arbeitsplatz verlassen

Nur kurze Zeit hatte der Angeklagte im Juli 2023 in einem Restaurant in Rust gearbeitet. Nach einem Streit mit seinem Chef soll er am Morgen dees 27. Juli überraschend im Lokal aufgetaucht sein und zwei Müllsäcke hinausgebracht haben. Gleich danach fiel auf, dass nicht nur der Müll, sondern auch die Tageslosung vom Vortag in der Höhe von 5.300 Euro fehlte.

Auch diese Tat hatte der 26-Jährige am ersten Verhandlungstag bestritten.

Am 14. Februar wurde der Prozess fortgesetzt.

Befragt wurde ein Obst- und Gemüsegroßhändler aus dem Bezirk Mattersburg, dem bei einer seiner nächtlichen Lieferfahrten am 25. Juli 2023 in Sigleß ein Mercedes mit ungarischem Kennzeichen aufgefallen war. Der Angeklagte sei am Fahrersitz gesessen, wie viele weitere Personen im Auto waren, habe er nicht genau gesehen, so der Zeuge.

„Ich sprach sie an, was sie da suchen“, berichtete der Unternehmer. Der Fahrer habe geantwortet: „Nix.“ Er habe nochmals nachgehakt, so der Zeuge. Da habe der Angeklagte gesagt: „Eine rauchen.“

In Sigleß wurde Klein-LKW gestohlen

Später wurde bei der Polizei von einem Sigleßer Unternehmen der Diebstahl eines Klein-LKW angezeigt.

Mit diesem Klein-LKW hatten die Täter wohl beim Ebreichsdorfer Tenniscenter den Tresor herausziehen wollen: An dem LKW, der später in der Nähe des Tatortes in Brand gesteckt wurde, war eine Kette befestigt.

Die Täter hatten zuvor beim Tenniscenter drei Fenster eingeschlagen und Räume durchsucht. „Den Raum, wo der Tresor drinnen war, haben sie offensichtlich nicht erwischt“, berichtete jener Kriminalbeamte, der dazu die Ermittlungen geführt hatte.

Bereits am 10. Juli 2023 waren die Täter mit einem beim Gebäude hinterlegten Schlüssel in das Tenniscenter eingedrungen. Einer der Mittäter soll früher im Tenniscenter gearbeitet und das Schlüsselversteck gekannt haben. „Vermutlich wurden sie gestört“, erklärte der Kriminalbeamte die Tatsache, dass die Täter damals aus dem geöffneten Tresor nichts mitgnommen hatten.

Ein möglicher Mittäter, der sich wegen anderer Taten in Untersuchungshaft befindet, wurde zu den Einbruchsfakten in Ebreichsdorf als Zeuge befragt. Er kenne den Angeklagten zwar, habe aber keine Straftat begangen und wisse nichts davon, sagte der Mann.

Opfer schickte dem Angeklagten Liebesbriefe

Das 22-jährige Opfer aus dem Bezirk Mattersburg, das monatelang Schläge von dem Angeklagten hatte einstecken müssen, war zu einer Zeugenaussage neuerlich vor Gericht geladen worden. Die Frau hatte bereits bei einer schonend durchgeführten und auf Video aufgezeichneten Befragung ausgesagt, sollte sich nun aber zu Liebesbriefen äußern, die sie dem Angeklagten in die Justizanstalt geschickt hatte.

„Sie schrieben am 4. Oktober 2023: Ich liebe dich sehr und du fehlst mir furchtbar. Ich hoffe, dass alles schnell vorbei ist“, zitierte Richterin Doris Halper-Praunias aus einem der Briefe.

„Warum schreiben Sie solche Briefe, wenn er Sie bedroht und geschlagen hat?“, wollte die Richterin wissen.

„Ich hatte ihn am Anfang des Sommers angezeigt, im September trafen wir uns wieder“, berichtete die 22-Jährige, Mitte September sei der 26-Jährige dann verhaftet worden. „Wir konnten uns nicht mehr aussprechen“, sagte die 22-Jährige. Sie wisse noch nicht, ob eine neuerliche Beziehungsaufnahme mit dem Mann möglich sein werde. „Ich brauche eine Besprechung mit ihm“, sagte die 22-Jährige.

„Diese ambivalenten Gefühle sind schwer zu verstehen“

Die Anwältin des Opfers versuchte die Ambivalenz des Verhaltens ihrer Mandantin zu erklären. „Manche Opfer sind von Schuldgefühlen geplagt oder noch immer abhängig vom Partner“, sagte die Juristin. „Diese ambivalenten Gefühle sind schwer zu verstehen. Das ändert aber nichts daran, dass sie geschlagen wurde.“

Verteidiger Andreas Jeidler verwies darauf, dass die 22-Jährige ihre Vorwürfe in der kontradiktorischen Einvernahme „abgeschwächt“ habe und zu den Einbruchsdiebstählen keine eindeutigen Beweise vorlägen. Und die Tageslosung könnte jemand anderer aus dem Lokal in Rust gestohlen haben: „Restaurant und Lade waren nicht verschlossen“, so der Verteidiger.

Der 26-Jährige wurde schließlich zu den meisten Fakten schuldig gesprochen, darunter zur fortgesetzten Gewaltausübung gegenüber der 22-Jährigen, der Nötigung gegenüber den Vermietern in Mattersburg, zum zweiten Einbruchsdiebstahl in Ebreichsdorf und dem Diebstahl in Rust. Ein Freispruch erfolgte zum ersten Vorfall in Ebreichsdorf am 10. Juli 2023 - damals sei nichts mitgenommen worden, obwohl der Tresor offen war. Das wertete die Richterin als „Rücktritt vom Versuch“.

Nach dem Prozess kam der 26-Jährige frei

Einen Freispruch gab es auch zu einzelnen Drohungen, die der Angeklagte gegenüber den Eltern der 22-Jährige geäußert haben soll - zu anderen Drohungen wurde er schuldig gesprochen.

Die Strafe beläuft sich auf 21 Monate Haft, davon 16 Monate bedingt. An den Ruster Restaurantbesitzer muss der Ungar 5.295 Euro bezahlen. „Wenn ich heute enthaftet werde, nehme ich das Urteil an“, sagte der Angeklagte. Da die fünf Monate unbedingt bereits in der Untersuchungshaft verbüßt wurden, kam er tatsächlich nach Prozessende aus dem Gefängnis frei.

Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab - das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.