Trauer um Rotweinpionier Heribert Bayer

Nachruf

Heribert Bayer, einer der ersten Önologen Österreichs und zugleich Pionier der modernen österreichischen Rotweinproduktion, ist im Alter von 83 Jahren von uns gegangen. Zunächst als önologischer Berater für zahlreiche namhafte burgenländische Winzer tätig, ging er später selbst unter die Weinproduzenten.

Von BVZ Redaktion

Heribert Bayer ist am 28. März im 84. Lebensjahr verstorben.

Heribert Bayer ist am 28. März im 84. Lebensjahr verstorben.

© zVg/Kellerei In Signo Leonis GmbH

„In Signo Leonis“ - diesen Namen trägt nicht nur die von Heribert Bayer kreierte Paradecuvée, sondern auch die Kellerei in Neckenmarkt, wurde Heribert Bayer doch am 4. August 1941 in Mödling im Sternzeichen des Löwen - eben „In Signo Leonis“ geboren. Seine Eltern zog es in seiner Jugend nach Mailand, wo er seine Leidenschaft für den Wein zu entwickeln begann.

Nach seinem Studium der Chemie in Mailand, kehrte Heribert Bayer nach Österreich zurück, wo er in unterschiedlichen Managerpositionen internationaler Chemiekonzerne tätig war. Dabei nutzte er auf seinen internationalen Geschäftsreisen stets jede freie Minute, um sich seinem Hobby, dem Wein, zu widmen. So studierte er im Selbststudium die kalifornische, italienische und österreichische Weinlehre.

Insbesondere die Frage, wieso seine internationalen Geschäftspartner beim gemeinsamen Business-Essen den österreichischen Rotwein vehement ablehnten, ließ Bayer keine Ruhe und so tauchte er tiefer in die Materie der Rotweinproduktion ein. Dabei erkannte er schnell, dass es zwischen der österreichischen und sonst gängigen Lehrmeinung aus den USA, Italien und Frankreich einen wesentlichen Unterschied bei der Rotweinherstellung gab. Auf Basis dessen entwickelte Heribert Bayer seine eigene Vorstellung vom österreichischen Rotwein.

Vorreiter der modernen Weinproduktion

Mit der Anwendung der malolaktischen Gärung und dem Einsatz von kleinen französischen Eichenfässern gehörte Bayer zu den Vorreitern der modernen Rotweinproduktion. Dank seiner Ansätze und seiner Winzerfreunde, die ihm vertrauten und diesen neuen Weg des Rotweinschaffens unterstützten, hat sich der österreichische Rotwein sowohl geschmacklich als auch qualitativ weiterentwickelt.

Neckenmarkt als Wein-Wahlheimat

1994 war schließlich die Zeit für den Wein unter eigenem Namen gekommen. Sein Weingut nannte Heribert Bayer„In Signo Leonis“. Damals als Hobby mit zirka 1.800 Flaschen begonnen, begab sich Heribert Bayer kurz darauf auf dreijährige Suche nach der für ihn perfekten Rotwein-Heimat und landete 1997 am Neckenmarkter Hochberg. Dank seiner Freunde, der Winzergenossenschaft Neckenmarkt, erhielt er dort Zugriff auf jene alten Rebanlagen, die er als Fundament für das Schaffen großartiger Weine ansah. Noch im selben Jahr entstand dann auch erstmals die Cuvée „In Signo Leonis“. Ein halbes Jahr nach Heribert Bayers 60. Geburtstag eröffnete die Kellerei in Neckenmarkt.

Bayers Rotweinphilosophie, die er nach dem Weinskandal als önologischer Berater aufstrebender burgenländischer Rotweinwinzer gemeinsam mit Winzerfreunden in die Tat umzusetzen konnte, prägt bis heute das Geschmacksbild vom österreichischen Rotwein.