HT Electronic Systems insolvent: Reaktionen aus der Politik

Neudörfler Unternehmen

Die Robust Industry GmbH in Krems, die Robust Plastics GmbH und AKG Plastics GmbH in Wien sowie HT Electronic Systems GmbH aus Neudörfl – vier Gesellschaften der insolvent geratenen Höhrhan-Gruppe – haben am Donnerstag am Landesgericht Krems Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt.

Von BVZ Redaktion

63 Beschäftigte des Neudörfler Unternehmens HT Electronic Systems sind von der Insolvenz betroffen. ÖVP-Bezirksparteiobmann Landtagsabgeordneter Christian Sagartz fordert rasches Handeln.

63 Beschäftigte des Neudörfler Unternehmens HT Electronic Systems sind von der Insolvenz betroffen. ÖVP-Bezirksparteiobmann Landtagsabgeordneter Christian Sagartz fordert rasches Handeln.

© https://ht-elt.at/

Die Insolvenz der HT Electronic Systems GmbH in Neudörfl mit 63 Beschäftigten ist ein schwerer Schlag für die regionale Wirtschaft, sagt ÖVP-Bezirksparteiobmann LAbg. Christian Sagartz. „Besonders dramatisch: Teile der Löhne und Gehälter sind laut Medienberichten seit Monaten offen, die Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 7,2 Millionen Euro.“

„Es braucht jetzt einen fairen Sozialplan und konkrete Unterstützung durch das Land“

HT Electronic Systems insolvent: Reaktionen aus der Politik

© Wolfgang Millendorfer

Christian Sagartz fordert ein rasches Handeln: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen nicht die Leidtragenden dieser Pleite sein. Es braucht jetzt einen fairen Sozialplan und vor allem konkrete Unterstützung durch das Land. Statt nur in den Medien aufzutreten, lade ich die Kollegen der SPÖ ein, tatsächlich einen Beitrag für die betroffenen Menschen in Neudörfl und im Bezirk zu leisten. Darüber hinaus braucht es aber auch einen Rettungsplan für das Unternehmen, damit eine Fortführung und Arbeitsplätze im Bezirk möglich bleiben.“

HT Electronic Systems ist seit vielen Jahren ein wichtiger Arbeitgeber

Auch der ÖVP-Gemeindeparteiobmann von Neudörfl, Dominik Strümpf, unterstreicht die Dringlichkeit: „HT Electronic Systems ist seit vielen Jahren ein wichtiger Arbeitgeber in unserer Gemeinde. Wir stehen an der Seite der Beschäftigten und ihrer Familien – und erwarten uns, dass das Land alles daransetzt, um den Standort zu sichern und eine Zukunft für das Unternehmen zu ermöglichen.“

Sagartz betont abschließend, dass die Politik in der Verantwortung stehe, schnelle Hilfe zu organisieren: „Die SPÖ regiert im Land – sie muss jetzt beweisen, dass sie an der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steht. Für Schlagzeilen ist keine Zeit, es geht um Existenzen.“

„Betroffene wissen, wer auch in schwierigen Zeiten an ihrer Seite steht“

HT Electronic Systems insolvent: Reaktionen aus der Politik

© Gemeinde

Bürgermeister Dieter Posch (SPÖ) antwortet darauf in einer schriftlichen Stellungnahme: „Im Gegensatz zu Sagartz kenne ich das Unternehmen nicht nur vom Vorbeifahren. Schon vor Jahren sollte der Standort vom damaligen Eigentümer geopfert werden, um seine anderen Produktionsstätten zu retten.“

In einer gemeinsamen Kraftanstrengung und aufreibenden Verhandlungen konnte dies mit einer entschlossenen Belegschaft, dem Land Burgenland und der Gemeinde verhindert werden, so der Bürgermeister. „Mehrmals haben seither die Eigentümer gewechselt, der ständige vertrauensvolle Austausch zwischen Betriebsräten, Geschäftsführung und Bürgermeister hingegen ist eine Konstante geblieben. Dem ÖVP-Bezirksobmann und seinem Ortsparteiobmann halte ich deshalb einfach einen Spiegel vor, wenn sie von der SPÖ fordern, 'statt nur in Medien aufzutreten tatsächlich einen Beitrag für die betroffenen Menschen zu leisten'. Betroffene ArbeiterInnen und Angestellte und deren Betriebsräte wissen, wer auch in schwierigen Zeiten an ihrer Seite steht – nämlich ein SPÖ-Bürgermeister. Und zwar auch jetzt, wo die Fortführung der Produktion angestrebt wird.

Dass die ehemalige Wirtschaftspartei bei jeder Intervention des Landes aufschreit und von Verstaatlichung spricht - im gegenständlichen Fall aber sofort ein Einschreiten des Landes fordert, richtet sich von selbst. Die Menschen in unseren Betrieben haben genau gar nichts davon, wenn sie von der ÖVP erst nach der Eröffnung eines Sanierungsverfahrens bemerkt werden. Und zwar von genau jener ÖVP, unter deren Regierungsverantwortung unsere Republik in eine lange Rezession geraten ist, die letztlich auch zur Schieflage dieses Unternehmens beigetragen hat.“

Kritik an der Umwidmung des Grundstücks bleibt aufrecht

Auch der Vermieter der Immobilie, KommR MMst. Tibor Teldjesi, Geschäftsführer der Neudörfler Bau- und Siedlungsgesellschaft, meldet sich zu Wort. Er hat vor rund einem Jahr die Umwidmung des Grundstücks, auf dem sich das Unternehmen befindet, von Seiten der Gemeinde in Bauland-Betriebsgebiet kritisiert und von einem nicht gerechtfertigten Eingriff in das Eigentumsrecht gesprochen (die BVZ berichtete). Durch die Umwidmung kann diese Fläche nur mehr ausschließlich für gewerbliche Betriebsanlagen sowie für betriebsnotwendige Verwaltungs- und Wohngebäude genutzt werden. Teldjesi fühlt sich durch die aktuellen Entwicklungen in seiner damaligen Kritik bestätigt. „Der Bürgermeister hat die Umwidmung damals damit begründet, dass der Fortbestand des Betriebs gewährleistet werden soll. Jetzt trifft aber genau das Gegenteil ein. Für mich als Vermieter entsteht dadurch ebenfalls ein großer zusätzlicher Schaden." Erst im Dezember 2024 wurde eine neue Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudekomplexes in Betrieb genommen.