Wein: Tagung im Zeichen der Rotwein-Krise und Antialk-Bewegung

ÖWM-Tag

Die jährliche Tagung des Österreichischen Weinmarketings suchte Gegenstrategien zum globalen Umsatzrückgang bei Rotwein und dem Erstarken einer Anti-Alkoholbewegung. Christian Zechmeister bleibt optimistisch: „Junge Leute werden das Fortgehen nach der Pandemie-Pause wieder lernen.“

Von Markus Kaiser

ÖWM Marktingtag 2025: Die burgenländische und österreischische Weinkönigin Hannah Wetschka alias Hannah I. umringt von den Vortragenden wie ÖWM-Chef Chris Yorke (2.v.l.).

ÖWM Marktingtag 2025: Die burgenländische und österreischische Weinkönigin Hannah Wetschka alias Hannah I. umringt von den Vortragenden wie ÖWM-Chef Chris Yorke (2.v.l.).

© ÖWM / Anna Stöcher, Anna Stoecherwww.schauen.at

„Die jungen Leute trinken ja nix mehr und die Schenkhäuser sperren auch alle zu“, könnte man den weinseeligen Zustand in geraunzter Form zusammenfassen - oder man probiert, dem Zahlen, Fakten und vor allem Lösungen entgegenzuhalten. Letzteres hat das Österreichische Weinmarketing (ÖWM) in der vergangenen Woche am ÖWM-Tag 2025 getan.

Ebenfalls anwesend war natürlich Christian Zechmeister, Geschäftsführer von "Wein Burgenland", er sieht Licht und Schatten bei der Entwicklung am Exportmarkt, berichtet er der BVZ. „Wir sind stark auf den Monopolmärkten wie Kanada oder Skandinavien. Wenn staatliche Behörden zentral den Alkoholimport kontrollieren, sind die österreichischen Parade-Themen wie nachhaltiger und biologischer Anbau natürlich ein großes Plus“, so Zechmeister.

Die Exportzahlen dorthin zeigen daher stark nach oben, während sich unsere Winzerinnen und Winzer in klassischen Märkten wie Deutschland und vor allem der Schweiz schwer tun. Dort habe es in den letzten Jahren einen Wandel weg vom bis dahin dominanten Rotwein gegeben - „Das trifft nicht nur uns, sondern auch Frankreich und Italien.“

Wein: Tagung im Zeichen der Rotwein-Krise und Antialk-Bewegung

© ÖWM/NÖN

Leicht und unkompliziert: Der neue Geschmack

In Österreich ist der Markt für heimischen Wein sogar leicht im Plus. Weißwein, Rosé und prickelnde Weine im Mittel- bis Spitzenklasse-Segment erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Und dort sind 90 Prozent der gekauften Wein aus Österreich.

Steckt also der Rotwein also nicht nur international, sondern auch bei uns in der Krise? Zechmeister sieht es eher so, dass die Konsumgewohnheiten leichter und unkomplizierter geworden sind: Schlanker Körper, wenig Holz, wenig Alkohol. „Auch der Kulinarik-Trend geht zu Gerichten, die besser zu Weißwein passen, wie leichte Sommergerichte.“

Wo es starke Umsatz-Zuwächse gibt, ist bei Wein mit stark reduziertem Alkoholgehalt oder gleich technisch entalkoholisierten Weinen. Gerade letzteres werde sich in den nächsten Jahren als nicht zu vernachlässigende Niesche etablieren, so Zechmeister: „Im Burgenland ist es noch nicht ganz angekommen, aber Winzer wie Vinum Pannonia und Heribert Bayer sind schon gut aufgestellt.“

Weniger Alkoholgehalt macht auch Spaß, ganz verzichten nicht

Größere Bedeutung gewinne der Wein mit niedrigerem Alkoholgehalt, wo auch Biodiversität und nachhaltige Weinbaupraktiken eine zunehmend zentrale Rolle spielen. „Bäume, die Schatten spenden und als Windschutz dienen, fördern die Biodiversität und machen den Weinbau klimafit.“ Wenn Beschattung die immer heißer werdende Sonne phasenweise von den Trauben fernhält, ist natürlich auch der Zuckergrad und damit Alkoholgehalt des Endprodukts niedriger.

Für den Rotwein bleibt Zechmeister dennoch optimistisch: „Er hat den Vorteil der Lagerfähigkeit, wir die Krise überdauern.“ Die Herausforderung besteht darin, jüngere Generationen für Rotweine zu begeistern, da dieser oft als „Altherrengetränk“ wahrgenommen werde, so das Ergebnis einer Studie, die beim ÖWM-Tag präsentiert wurde. Dass diese gar keinen Wein mehr trinken, stimme laut der Studie nicht, im Gegenteil. Die Pandemie war aber natürlich für junge Menschen eine härtere Zäsur, als für die Nachtleben-erprobten Generationen über 30.

Studien ist standen bei der ÖWM auch deswegen im Zentrum, weil mit ebensolchen eine immer rabiater agierende Anti-Alkoholismus-Organisation viel Schindluder treiben würden, wurde bei der ÖWM gewarnt. Die sich mittlerweile „Movendi“ nennenden Jahrhunderte alten „Guttempler“ hätten viel Geld und würden damit Studien anfertigen, die jeden Alkohol kriminalisieren wollen. „Dabei hat Wein - in vernünftigen Mengen - gesundheitsfördernde Funktionen“, verweist Zechmeister auf medizinische Studien. Er warnt: „Diesen Menschen geht es eher darum, gleich alles zu verbieten, was Spaß macht, genussvoll ist und die Menschen an einen Tisch bringt.“