Bontus: „Wenn alles gut läuft, kann ich eine Medaille machen“

Olympische Spiele

Für Valentin Bontus vom Yachtclub Podersdorf beginnt das Abenteuer Olympische Spiele am Sonntag. Der Formula Kite-Athlet zählt zu einem Podestplatz-Anwärter.

Von Von Martin Ivansich

Valentin Bontus fiebert seinem Olympia-Auftritt längst entgegen.

Valentin Bontus fiebert seinem Olympia-Auftritt längst entgegen.

© OeSV/Dominik Matesa

Valentin Bontus ist erstmals bei Olympischen Spielen im Einsatz. Er feiert damit genauso eine Premiere wie die Sportart selbst. Mit der Formula Kite-Klasse debütiert das Kitesurfen 2024 bei den Olympischen Spielen. Die letzten Trainingstage in Hyeres bezeichnet Bontus nach zehn Tagen Regeneration „als nicht schlecht, bei den Starts war ich noch ein wenig eingerostet.“

Aber: „Der Speed war voll da, ich war sehr schnell – und damit bin ich sehr zufrieden. Wir hatten einmal Starkwind, einmal Leichtwind – auch bei wenig Wind, was nicht ganz meine Stärke ist, konnte ich gut mithalten. Jetzt schauen wir, dass wir die nächsten Tage hier noch ein paar Einheiten am Wasser zusammenbekommen. Aber ich bin so weit zufrieden.“ Und dass der Yachtclub Podersdorf-Athlet bei Großevents punktgenau da sein kann, bewies er im Mai. Bontus gewann dort, wo er nun trainiert – vor Hyeres – Bronze bei der Weltmeisterschaft.

„Wie ein Dieselmotor: Ich brauche, bis ich anstarte“

Die Tage vor dem ersten Start am Sonntag in den Gewässern vor Marseille nutzt der 23-Jährige für weitere Trainingseinheiten: „Die Trainingszeiten sind sehr limitiert - aber ich habe vor, an vier der fünf Tage noch auf das Wasser zu gehen. Ich will am Wasser im 'Flow' bleiben. Bei mir ist das vergleichbar mit einem Dieselmotor: ich brauche ein paar Tage, bis ich anstarte. Wir werden den Fokus auf qualitativ hochwertige Sessions legen.“

Der aus Perchtoldsdorf stammende Kitesurfer will jedenfalls seinen Flow in den Bewerb mit reinbringen: „Es ist nicht einfach - vor allem wenn man zu den Olympischen Spielen kommt, wo jeder sagt, mach alles so, wie immer. Die Regatta bei den Spielen ist aber anders, weil sie viel größer ist. Ich versuche einfach, meinen Ablauf so zu gestalten, dass er ähnlich bleibt zu anderen Regatten. Ich habe meine Routinen und die spiele ich hier auch durch. Viele Dinge laufen hier aber doch anders ab, deswegen versuche ich, das auch auszublenden. Ich will mein Ding durchziehen – und das gelingt mir auch gut.“

Als Rezept für eine erfolgreiche Olympia-Reise sieht Bontus auch Lockerheit: „Ich mache mir keinen großen Stress. Klar, es ist Druck da – aber den hat jeder, es sind die Olympischen Spiele. Ich glaube, ich habe für mich in diesem Jahr schon alles erreicht, was ich erreichen hätte müssen. Wenn wir hier mit einem Top-Resultat rausgehen, bin ich natürlich sehr froh. Wenn nicht, kann ich es auch nicht ändern. Das wird dann zwar mühsam werden, weil man an sich doch eine gewisse Erwartungshaltung hat. Ich bin einfach schon extrem happy, dass ich hier sein darf. Ich versuche immer, gut drauf zu sein und auch die anderen aufzuheitern.“

Bontus: „Wenn alles gut läuft, kann ich eine Medaille machen“

© IKA Media

„Will nicht Vierter werden, das war ich oft genug“

Wer bei einer WM kurz vor Olympia eine Medaille macht, der zählt auch zu den Anwärtern auf olympisches Edelmetall. Über seine Rolle meint er: „Ich bin in der Position, wenn alles gut läuft, dass ich eine Medaille machen kann – aber es gibt fünf, sechs Nationen, die vorne dabei sind, die es machen sollten. Die haben auf jeden Fall mehr Druck. Ich bin genau dahinter, hänge an deren Schultern und wenn sich die Möglichkeit ergibt, dann werde ich sie nehmen. Ich werde schauen, dass ich wie ein Panzer die ganze Woche gleich und stark fahre, und dann schauen wir, was möglich ist.“

Das Vorhaben in Frankreich ist für den unter rot-goldener Flagge startenden Sportler so definiert: „Das größte Ziel ist, dass ich Spaß habe und das Ganze genieße - das ist einer der wichtigsten Punkte. Ich möchte nachher nicht rausgehen und sagen, ich habe es nicht genossen. Von den Ergebnissen her will ich einen Platz in den Top-Acht schaffen, um ein olympisches Diplom zu bekommen. Und dann möchte ich noch die Chancen auf eine Medaille so lange wie möglich hochhalten.“ Nachsatz: „Und ich will nicht Vierter werden, das war ich schon oft genug.“