Bauwirtschaft: „Die Situation geht nun wieder deutlich aufwärts“

OSG / Neue Eisenstädter

Die heimische Bauwirtschaft hat eine große volkswirtschaftliche Bedeutung. Sie trägt wesentlich zur Wertschöpfung bei und ist ein großer Arbeitgeber. Alfred Kollar, (Geschäftsführer der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft) sowie Bernd Gerdenitsch und Hans Ludwig Diexer (beide Geschäftsführer der Neuen Eisenstädter), sehen nach den schwierigen Jahren 2022 und 2023 wieder einen positiven Trend.

Von Richard Vogler

OSG-Chef Alfred Kollar (4.v.r.) beim Spatenstich von Reihenhäusern in Wiesen. Foto: zVg

OSG-Chef Alfred Kollar (4.v.r.) beim Spatenstich von Reihenhäusern in Wiesen. Foto: zVg

© Richard Vogler

Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft ist der größte gemeinnützige Wohnbauträger im Burgenland und verwaltet rund 17.000 Wohnungen und Reihenhäuser. „Das Bauvolumen während der Jahre 2022 und 2023 war außerordentlich hoch, fast schon ungut hoch. 2024 und 2025 war die Bauwirtschaft definitiv in einer Konsolidierungsphase. Die Situation geht nun wieder deutlich aufwärts“, berichtet OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar, um weiter auszuführen: „Eine Komponente ist die Stabilisierung der Baupreise. Von 2020 weg, mit Beginn von Covid, gingen die Baupreise durch die Decke, dies war regelrecht eine Explosion. Von einer Ausschreibung zur nächsten sind die Kosten gestiegen. Von 2020 bis 2025 hat es eine Baupreissteigerung von 30 bis 35 Prozent gegeben. Dies hat sich nun stabilisiert.“

Eine weitere Komponente sind die Fremdfinanzierungskosten. „Hier spielt der Euribor eine große Rolle. Dies hat sich in letzter Zeit gebessert. Ich würde mir wünschen, dass dieser noch weiter runtergeht. Aber die Zinsen sind nun in einer Dimension, wo man betreffend Fremd-/ Bankenfinanzierung doch einigermaßen wirtschaftlich arbeiten kann“, so Kollar. Bei der OSG ist die Nachfrage da, speziell im Norden des Burgenlandes. „In Hirm zum Beispiel waren zwölf von 13 Reihenhäusern auf Anhieb weg.“

Die OSG wurde erst kürzlich mit dem Erdreich-Preis für vorbildhaftes Flächenrecycling ausgezeichnet. In Mattersburg hat man zum Beispiel bereits vor einigen Jahren das Areal der ehemaligen Martinischenke samt bebautem Nachbargrundstück gekauft und hat dort einen Komplex mit Wohnungen und Geschäftslokalen errichtet. Im Stadtzentrum der Bezirkshauptstadt erwarb die OSG 2018 das ehemalige MEZ und baute es groß um. Nach dem Abschluss des Projektes im Jahre 2024 wird auch das angrenzende Nachbargrundstück samt Häusern „verwertet“. Dieses Frühjahr erfolgt der Spatenstich für 22 Wohneinheiten, die Geschäftslokale beim Hauptplatz werden neu gebaut.

Und in Mattersburg steckt man mitten in der Vorbereitung für das nächste Projekt. „Für Wohnungen am Mörz-Areal befinden wir uns in der bereits fortgeschrittenen Planungsphase und haben vor, im zweiten Halbjahr mit dem Bau zu beginnen“, berichtet Kollar.

In der zweitgrößten Gemeinde des Bezirks ist ebenso ein „Projekt am Laufen“. „In Neudörfl war einige Zeit Pause. Nun haben wir ein Grundstück im Nahbereich der 'Neudörfler Büromöbel' bekommen, wir planen dort 23 Wohnungen. Im Laufe des Frühjahrs wollen wir mit dem Bau beginnen.“

In Zemendorf gibt es bislang (noch) keine Wohnungen oder Reihenhäuser der OSG. „Wir freuen uns, dass wir nun in dieser Gemeinde 'reingekommen' sind. Bürgermeister Herbert Pinter hat uns die Wege geebnet.“ Im konkreten handelt es sich in Zemendorf um die ehemalige Tischlerei an der Hauptstraße. Dort werden 14 Wohnungen und zwei Reihenhäuser errichtet. „Der Abbruch ist im Laufen. Im Frühjahr wird der Baubeginn erfolgen. Das Interesse ist sehr groß. Vorgesehen sind kleine Einheiten, Start- und Seniorenwohnungen, daneben ein Doppelhaus als Reihenhaus konzipiert.“

In Antau gibt es bei der Ortseinfahrt, in unmittelbarer Nähe zur B50, bereits eine Wohnsiedlung. „Diese 'Siedlung' wird quasi ,erweitert'. Gemeinsam mit Hans Peter Schöll und seiner Firma 'Casa Immobilien' wird auf einem Grundstück, das einst Esterhazy gehörte, eine Kombination von Wohnungen und Reihenhäusern entstehen. Hier laufen aktuell die Umwidmungsverfahren.

Und weitere Projekte der OSG stehen an: In Bad Sauerbrunn werden am Buchinger-Weg Reihenhäuser kommen, in Pöttelsdorf ist eine Reihenhausanlage in Vorbereitung, in Draßburg wird ein ehemaliges Gasthaus umgebaut. „In Schattendorf werden gerade Wohnungen gebaut, im Frühjahr starten wir mit sieben Reihenäusern, die bereits sehr gut in der Vergabe sind. In Loipersbach sind Reihenhäuser und Bungalows in Bau, eine Ordination und Wohnungen werden dort ebenso entstehen. In Rohrbach ist eine Anlage mit sechs Reihenhäusern in Bauvorbereitung“, erläutert Kollar.

Auch bei der „Neuen Eisenstädter“ erkennt man einen Trend, der bei der Bauwirtschaft wieder in die richtige Richtung geht.

„Nach einem sehr starken Jahr 2022 haben auch im Burgenland die stark gestiegenen Baukosten und das hohe Zinsniveau in den Jahren 2023 und 2024 zu einer spürbaren Zurückhaltung geführt. 2025 zeigt sich nun eine klare Trendwende: Daher konnten wir sowohl unsere Verwertungsziele übertreffen als auch das geplante Bauvolumen. Das unterstreicht nicht nur den anhaltenden Wohnbedarf in der Region, sondern bestätigt auch, dass langfristig orientierter, gemeinnütziger Wohnbau im Burgenland eine zentrale Rolle für die Zukunft des Wohnens spielt“, berichten die beiden Geschäftsführer Bernd Gerdenitsch und Hans Ludwig Diexer.

In der herausfordernden Phase der Jahre 2022 und 2023 musste man „einzelne Projekte neu priorisieren und teilweise zeitlich umplanen. Gleichzeitig gehörten wir zu den wenigen Bauträgern in der Ostregion, die ihre Bautätigkeit konsequent fortgesetzt haben. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es entscheidend, vorausschauend zu handeln und nicht stillzustehen. Dieses kontinuierliche Bauen ermöglicht es uns heute, rasch auf die wieder anziehende Nachfrage zu reagieren und Wohnraum bereitzustellen“, so Gerdenitsch und Diexer unisono.

Bei der Neuen Eisenstädter geht man für 2026 bei der Verwertungsentwicklung von einer stabilen Entwicklung auf dem Niveau von 2025 aus. „Eine der größten Herausforderungen bleibt die Verfügbarkeit leistbarer Grundstücke, denn nur so können auch künftig leistbare Wohnungen und Reihenhäuser angeboten werden. Bei der weiteren Entwicklung von Zinsen und Preisen sind Prognosen naturgemäß schwierig – eine nachhaltige, stabile Entwicklung wäre jedoch im Sinne des gemeinnützigen Wohnbaus und vor allem der Wohnungssuchenden sehr wünschenswert.“

Die aktuelle Bautätigkeit der Neuen Eisenstädter zeigt einen klaren Trend: Rund 80 Prozent auf Reihen- und Doppelhäuser, was den anhaltend hohen Bedarf an familiengerechtem Wohnraum widerspiegelt. „Gleichzeitig zeigt sich aber auch eine starke Nachfrage nach kompakteren Wohnungen mit zwei Schlafzimmern. Gründe dafür sind veränderte Lebensmodelle, Homeoffice-Nutzung und der Wunsch nach leistbarem, gut geschnittenem Wohnraum. Der Trend geht daher in beide Richtungen – je nach Lebensphase und individuellen Bedürfnissen.“

Das jüngste Projekt der Neuen Eisenstädter im Bezirk Mattersburg befindet sich noch im Anfangsstadium beim Bau. In der Schubertstraße in Mattersburg ging am 4. November 2025 der Spatenstich über die Bühne. Bis Frühjahr 2027 entstehen hier zehn moderne Wohnungen, die sowohl im Mietkauf als auch im Soforteigentum angeboten werden.

Das Projekt umfasst drei Stiegen mit Wohnungen zwischen 55 und 75 Quadratmetern Wohnfläche. Jede Einheit verfügt über einen Balkon oder eine Terrasse, die Erdgeschosswohnungen zusätzlich über eigene Gärten. Auch an die Mobilität der Zukunft wurde gedacht: Es entstehen Pkw-Stellplätze mit vorgerichteten E-Ladestationen, ein barrierefreier Stellplatz sowie überdachte Fahrradstellplätze.

Projekte der OSG und NE

MATTERSBURG: An der Hochstraße werden auf dem (dem H3 benachbarten) Grundstück Morawitz 22 Wohnungen gebaut, samt einem Garagenkomplex. Ein weiterers Wohnprojekt ist am ehemaligen Mörz-Areal in Planung.

NEUDÖRFL: Im Frühjahr erfolgt der Baustart von 23 Wohnungen an der Hauptstraße 117 (Höhe Kreuzung Pöttschinger Straße).

BAD SAUERBRUNN Am Buchingerweg (Ortsausfahrt Richtung Neudörfl) werden 10 Reihenhäuser erreichtet, ebenfalls mit Start im Frühjahr.

ZEMENDORF In unmittelbarer Nähe vom Gemeindeamt wird die ehemalige Tischlerei Neubauer abgetragen, 14 Wohnungen und 2 Reihenhäuser werden entstehen. Der Abbruch startet jetzt unmittelbar.

PÖTTELSDORF Der Baubeginn für 8 Reihenhäuser steht unmittelbar bevor. Es gibt bereits eine Planung für Senioren-und Startwohnungen im Zentrum, mit geplantem Baubeginn im Herbst.

ANTAU: Gemeinsam mit CASA-Immobilien von Hans Peter Schöll werden Wohnungen und Reihenhäuser gebaut.

ROHRBACH: Dort startet man an der Loipersbacher Straße mit dem Bau von 6 Reihenhäusern.

LOIPERSBACH: Es befinden sich 8 Reihenhäuser in Bau, mit dem Bau einer Ordination und von weiteren Wohnungen soll im Frühjahr begonnen werden.

SCHATTENDORF: Beim Sportplatz werden aktuell 17 Wohnungen gebaut. Mit der Errichtung von 7 Reihenhäusern wird im Frühjahr begonnen.

DRASSBURG: Beim Bahnhof entsteht eine Wohnhausanlage mit 16 Wohnungen, die im Herbst fertiggestellt werden.

WIESEN: In der Martinsgasse befinden sich 18 Reihenhäuser in Bau, die im Herbst 2026 übergeben werden.

KRENSDORF / SIGLESS: In beiden Gemeinden sind Reihenhausprojekte in Planung.

MATTERSBURG: In der Schuberstraße entstehen zehn Wohnungen.

BAD SAUERBRUNN: Doppelhaushälften in der Wiesener Straße und dem Hyrtlweg sind seit Kurzem verfügbar.

ROHRBACH: Wohnungen und Doppelhäuser sind in der Birkensiedlung seit Kurzem verfügbar.