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Pensionisten züchteten und verkauften Cannabis
Plantage in Privathaus
Eine Nachbarin hatte in Neusiedl am See Cannabisgeruch und Ventilatorengeräusche wahrgenommen. Es folgte eine gerichtlich angeordnete Observation. Drei verhaftete Pensionisten standen am Dienstag, 2. Juni 2026, in Eisenstadt vor Gericht.
Drei Pensionisten nahmen am Dienstag auf den Anklagebänken im Schwurgerichtssaal Platz.
© BVZ/Kirchmeir
Am 1. Dezember 2025 hatte die Polizei nach wochenlanger Beobachtung an der Wohnadresse eines 61-jährigen Pensionisten in Neusiedl am See eine Hausdurchsuchung durchgeführt und eine Indoorplantage mit 723 Cannabispflanzen sowie zum Trocknen aufgehängte Hanfpflanzen entdeckt.
Der 61-Jährige und ein 67-jähriger Komplize aus Wien wurden verhaftet, der 66-jährige Betreiber eines CBD-Shops in Wien war vorerst verschwunden und konnte erst Mitte Jänner 2026 festgenommen werden. In einer Tasche führte er damals einen Kilo Cannabisblüten mit sich.
Enormer Stromverbrauch gemessen
Die Polizei hatte engmaschig ermittelt. Eine Woche lang wurde gemessen, wie viel Strom der Einpersonenhaushalt in Neusiedl am See verbrauchte. Es waren beachtliche 2.400 Kilowattsstunden. Laut Stromzähler wurden innerhalb von zwei Monaten aber nur 503 Kilowattstunden verbraucht, den Rest zapften die Drogenproduzenten illegal aus dem Netz der Burgenland Energie ab. Mehr als 87.000 Euro macht der Stromversorger jetzt gegenüber den Angeklagten dafür geltend.
Das rege Treiben um und in dem Haus wurde mit Drohnen und Wärmebildkameras überwacht. Als die beiden Wiener Komplizen in einer Pizzeria in Neusiedl am See mittagaßen, saßen Kriminalbeamte in Zivil am Nebentisch und hörten mit. Es ging um die Lieferung von Pflanzen, ums Schneiden und „Liegenlassen“. „Wir machen unseren Plan weiter, wir müssen ja alles zahlen“, war zu hören.
Der 61-Jährige aus Neusiedl am See hatte bei der Polizei „ausgepackt“ und die Mitangeklagten belastet, was ihm vor Gericht sichtlich unangenehm war. 2023 und 2024 hatte er bereits auf eigene Faust Cannabis angebaut und insgesamt sechs Kilo geerntet - so seine Aussage vor der Polizei.
Plantagenbetreiber relativierte Aussage
„Ich hatte Missernten, die Qualität war nichts“, behauptete er jetzt vor Gericht. Maximal drei Kilo Cannabis habe er geerntet. „So wie ich es jetzt sage, habe ich es auch bei der Polizei gesagt“, behauptete der 61-Jährige. „Aha“, wunderte sich die Richterin. „Es wurde falsch protokolliert?“
Sieben Vorstrafen sind im Strafregister des 61-Jährigen eingetragen, davon drei nach dem Suchtmittelgesetz. Ihm drohe, wenn er der Polizei falsche Vorwürfe mache, eine weitere Anklage wegen Verleumdung, warnten ihn die Richterinnen. Dann könnte zur Strafe wegen Drogenhandels noch eine weitere dazukommen.
2025 sollen die beiden Wiener in die Suchtgiftproduktion eingestiegen sein. 2.100 Cannabispflanzen sollen in drei Durchgängen gepflanzt, mehr als 60 Kilo Cannabis geerntet worden sein. So erzählte es der 61-Jährige bei der Polizei. 1.000 Euro habe er monatlich dafür bekommen, dass er sein Haus zur Verfügung stellte. Offen sei darüber gesprochen worden, dass die Mittäter das geerntete Cannabis in Wien um 40 bis 50 Euro pro Dekagramm verkauften.
Bis zu 300.000 Euro durch Verkauf erzielt?
Bei 60 Kilo wäre das ein Ertrag von bis zu 300.000 Euro.
„Wir haben gemeinsam die Plantage betrieben“, hatte der 61-Jährige bei der Polizei zugegeben. „Haben Sie dort gelogen?“, fragte die Richterin. „Im Wesentlichen nicht“, sagte der Angeklagte. „Wir haben alle verkauft“, belastete er seine Mitangeklagten nun auch vor Gericht.
Diese bestritten, an der Suchtmittelproduktion mitgewirkt zu haben. Der CBD-Shop-Betreiber behauptete, er habe dem 61-Jährigen Pflanzenstecklinge gebracht, damit dieser sie umtopfen und selber weiterverkaufen könne.
„Nur Setzlinge umgetopft“
Der 67-jährige gab zwar zu, von der Plantage im Haus in Neusiedl am See gewusst zu haben, er habe aber gedacht, dass der 61-Jährige, ein langjähriger Freund, dort nur für den Eigengebrauch anbaute. Er selbst habe auch nur Setzlinge umgetopft.
240 Gramm Cannabis hatte die Polizei in der Wohnung des 67-Jährigen gefunden. Das habe er schon vor Jahren besorgt und einfach zuhause aufgehoben, meinte der Angeklagte. Er selbst habe Cannabis probiert, dieses dann aber nicht weitergenommen, weil es bei ihm „keine Wirkung“ gezeigt habe. Er gab nur zu, der Tochter eines Freundes eine kleine Menge Cannabis verkauft zu haben, dieses habe aber nicht aus Neusiedl am See gestammt.
Keine Blüten, nur Samen?
Der CBD-Shop-Betreiber bekannte sich generell nicht schuldig. Er habe dem 61-Jährigen beim Entrümpeln geholfen und ihm „Pflanzen für den Weiterverkauf“ besorgt. Insgesamt 800 Stecklinge habe er geliefert. In der Tasche habe er „Cannabis-Samen“ gehabt, die habe man nicht rauchen können, behauptete er. „Es wurde vom Bundeskriminalamt untersucht“, hielt ihm die Richterin vor.
Der Schöffensenat glaubte der Verantwortung der beiden Wiener nicht. Der weitgehend geständige 61-Jährige wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, der bislang unbescholtene 67-Jährige zu drei Jahren und der vierfach vorbestrafte 66-Jährige zu vier Jahren Haft. Letzterer kündigte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, die beiden anderen Angeklagten nahmen das Urteil an. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung.