Michaela Eitzenberger feierte kürzlich ihr zehnjähriges Betriebsjubiläum. Mit Cranio Sacraler Körperarbeit, Aromaberatung und ihrer Natur-Boutique hat sich die Neudörflerin ihren eigenen beruflichen Weg geschaffen. Auch für die Zukunft hat sie noch viele Ideen.
Spatenstich für Laichgewässer auf der Neudörfler Lazawiese
Schutz für Amphibien
Vergangenen Dienstag trafen sich die Mitglieder des Umweltausschusses auf der Lazawiese, wo in den kommenden Wochen ein Laichgewässer für Amphibien und Reptilien entstehen soll. Mit vor Ort war auch Christian Proy. Er ist Lehrer für Biologie und Mathematik und Mitglied der ÖGH, der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie, die sich mit Reptilien und Amphibienkunde beschäftigt.
Die Mitglieder des Umweltausschusses mit Leiterin und Gemeindevorständin Sabine Schügerl (5. v. r.) beim Lokalaugenschein direkt auf der Lazawiese, wo das Laichgewässer entstehen soll. Mit dabei waren auch Christian Proy (r.) von der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie, der Neudörfler Ökologe Stephan Ettmar (2. v. r.) mit seinen beiden Kindern und Hannes Steiger, Vertreter der Neudörfler Jagdgesellschaft (6. v. r.).
© Artner
Im vorigen Jahr hat der Neudörfler Biologe Stephan Ettmar auf einen groben Missstand bei der S4-Auffahrt in Neudörfl aufmerksam gemacht. Zahlreiche Kröten sind dort verendet (die BVZ berichtete, sein Bericht ist am Ende verlinkt). Daraufhin hat er sich mit Sabine Schügerl, Grün-Gemeindevorständin und Umweltausschussvorsitzender, in Verbindung gesetzt, die gemeinsam schließlich Christian Proy mit ins Boot holten. Proy war lange Zeit ehrenamtlicher Generalsekretär und wissenschaftlicher Beirat für Amphibien bei der ÖGH, die im Naturhistorischen Museum Wien angesiedelt ist. Innerhalb der ÖGH hat sich im März 2019 die „Initiative Schaufelteich“ gegründet, die zum Ziel die Schaffung und Wiederherstellung von Laichgewässern hat, in denen Amphibien beste Bedingungen vorfinden, um zu leben und zu laichen. Bei über hundert solcher Gewässer war Christian Proy federführend als Experte beteiligt; der Neudörfler Teich wird bereits sein 129. sein.
Größe des Laichgewässers wird ungefähr 24 mal 12 Meter sein
Zuerst wird mit einem Bagger eine Grube ausgehoben, erklärt Proy, wie man sich die Vorgehensweise vorzustellen hat. Die Abmessungen des Teiches werden etwa 24 mal 12 Meter betragen. An der tiefsten Stelle wird das Gewässer nicht mehr als 80 Zentimeter vorweisen. Der seichte Teil, das Südufer, wird höchsten 20 Zentimeter tief sein. „Das ist deswegen wichtig, damit sich dort das Wasser gut erwärmen kann“, so Proy. „Es gibt Arten, die mögen es lieber warm. Die werden an der Südseite laichen. Und es gibt Arten, die es lieber schattig und kühl bevorzugen. Die wird man vor allem im Bereich, der dem Wald näher liegt, vorfinden.“
In die ausgehobene Grube wird anschließend ein Vlies verlegt, darüber eine Folie bereitet und schließlich noch einmal ein Vlies mit längeren Fasern. Darauf kommt eine dünne Schicht Beton, der sich mit den Fasern des Vlieses verkrallt. So wird sicher gestellt, dass der Beton zur Not auch wieder entfernt werden kann. Der Beton schützt vor allem die Folie vor Wildschäden. „Es gibt hier nämlich auch sehr viele Wildschweine“, sagt Christian Proy. In die Betonschicht werden Rillen gezogen. Diese dienen zum einen dazu, dass das Wild, falls es in den Teich hinein spaziert, einen besseren Halt vorfindet. Zwischen den Rillen lagern sich zum anderen aber auch Laub und Lehm ab, der in einer dünnen Schicht ebenfalls ins Wasser gegeben wird. Lehm hat den Vorteil, erklärt Christian Proy, dass er sehr gut Nährstoffe bindet – wichtig für ein funktionierendes Ökosystem. Wasserpflanzen werden nur wenige durch Menschenhand in den Teich gesetzt. „Die Initialbepflanzung wird gering ausfallen. Für Amphibien reicht das.“ Die Natur wird ohnehin für eine Begrünung sorgen, zum Beispiel können unter anderem Enten Pflanzensamen mit in den Teich bringen. Ein weiterer Vorteil einer sparsamen Bepflanzung: Der Teich wuchert nicht zu, es muss gegebenenfalls nichts eigens daraus entfernt werden.
Danach füllt sich der Teich mit Wasser. Diese Aufgabe erfüllt der flache Teilbereich, der anfangs als „Niederschlags-Sammler“ Wasser in den tiefen Teilbereich ableitet und die Basis-Wasserversorgung sichert. Erst bei Starkregen-Ereignissen werden sich auch die Flachwasserzonen füllen.
Mehrere hundert verschiedene Lebewesen leben in und rund um ein Laichgewässer
Verschiedene Amphibien- und Reptilienarten werden in dem Laichgewässer anzufinden sein, geht Christian Proy stark davon aus: „So zum Beispiel die Wechselkröte, der Laubfrosch, der Springfrosch, die Gelbbauchunke, vielleicht der Teichmolch oder der große Kammmolch – mit drei „M“ geschrieben. Der sieht sehr bizarr aus, wie ein kleiner Drache.“ Die meisten dieser Arten haben den höchsten Schutzstatus, den es in Österreich und innerhalb der EU gibt, sind also besonders schützenswerte Tiere. In der Wissenschaft werden Amphibien auch als Bioindikatoren für eine Landschaft „genutzt“. Grob gesagt: Fühlen sich die Tierchen in einer Gegend wohl, ist der natürliche Raum dort in Ordnung. „Eine Landschaft, in der viele Amphibien sind, die muss erstklassig sein“, sagt Christian Proy, „sonst könnten sie dort gar nicht leben. Sie brauchen eine vielfältige Struktur mit Hecken, Laubhaufen, mit Sonnenseiten und Schattenseiten, mit einem Gewässer und feuchten sowie trockenen Stellen. Wenn das nicht vorhanden ist, sind sie nicht so häufig anzufinden. Und dann brauchen sie als Nahrungsgrundlage natürlich Insekten.“ Diese wiederum benötigen blütenreiche Wiesen. Und so hängt eines am anderem. Mit dem Laichgewässer wird somit nicht nur ein Lebensraum für Frösche, Kröten und Molche entstehen, sondern in Wahrheit ein ganzes Ökosystem. Christian Proy sagt, dass mehrere hundert verschiedener Lebewesen in und rund um so ein Gewässer siedeln.
Es freut mich besonders, dass das Bewusstsein parteiübergreifend vorhanden ist und unser Projekt auch von der Neudörfler Jagdgesellschaft unterstützt wird. Wenn das Laichgewässer fertig ist, wird es nicht nur die Funktion seiner Bestimmung erfüllen, sondern auch eine wichtige Wasserquelle für Wildtiere sein und das Ökosystem auf der Lazawiese entsprechend aufwerten." Sabine Schügerl, Leiterin des Umweltausschusses

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Davon waren auch die Mitglieder des Umweltausschusses, mit Gemeindevorständin Sabine Schügerl an der Spitze, fasziniert. Hannes Steiger, als Vertreter der Neudörfler Jagdgesellschaft, und der Neudörfler Ökologe Stephan Ettmar, der die Initialzündung zur Schaffung des Gewässers gab, waren am vergangenen Dienstag ebenfalls beim Lokalaugenschein bei der Lazawiese anwesend. (Wer die Gegend dort nicht kennt: Man erreicht sie über die Bahnkreuzung hinweg, links hinauf zur G’fang, weiter entlang dem Schleichweg hinter der Brücke gelegen.)
Sabine Schügerl unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, Amphibien, die streng geschützt sind, einen Lebensraum zu schaffen: „Es freut mich besonders, dass das Bewusstsein parteiübergreifend vorhanden ist und unser Projekt auch von der Neudörfler Jagdgesellschaft unterstützt wird. Wenn das Laichgewässer fertig ist, wird es nicht nur die Funktion seiner Bestimmung erfüllen, sondern auch eine wichtige Wasserquelle für Wildtiere sein und das Ökosystem auf der Lazawiese entsprechend aufwerten."
Beteiligung aus der Bevölkerung erlaubt und erwünscht
Die Kosten für die Gemeinde halten sich in Grenzen, da beispielsweise Vlies, Folie und Bepflanzung von der ÖGH zur Gänze getragen werden. Einzig die Aushub- und Betonarbeiten sind zu finanzieren. „Dazu sei erwähnt, dass Neudörfl kürzlich der KLAR-Region beigetreten ist und das Laichgewässer bereits in das dortige Förderprogramm aufgenommen wurde," erläutert Schügerl abschließend. Geplant ist die Fertigstellung bis zum Sommer.

© Artner
Eine Beteiligung an den Arbeiten durch Neudörfler und Neudörflerinnen ist dabei durchaus erwünscht, sagt Christian Proy (über die Emailadresse hyla@gmx.at kann man sich vormerken lassen, falls man Interesse hat). Nicht nur Erwachsene, auch für Kinder lassen sich einfachere Arbeiten finden. Damit werde die Identifikation mit dem Projekt gestärkt. Das findet Proy wichtig. Zur „Eröffnung“ soll es eine Art Ausstellung geben.
Weiterführende Quellen
Hier können Sie die Fallstudie zum Amphibiensterben bei der S4 Schnellstraße von Stephan Ettmar lesen. (Seite 19ff.)
Und hier gibt es Infos zu den Amphibien des Jahres, erstellt von der ÖGH.