Kriminalitäts-Steigerung um zehn Prozent im Burgenland

Statistik 2023

Lässt man die Schlepperkriminalität unberücksichtigt, so stieg die Kriminalität im Vorjahr im Burgenland um 10%. Bei der Eigentumskriminalität gab es sogar eine Zunahme um ein Drittel.

Von Elisabeth Kirchmeir

Werner Fasching und Thomas Fasching präsentierten die Anzeigenstatistik des Vorjahres.

Werner Fasching und Thomas Fasching präsentierten die Anzeigenstatistik des Vorjahres.

© BVZ/Kirchmeir

Nachdem am 25. März 2024 am Vormittag Innenminister Gerhard Karner die gesamtösterreichische Kriminalitätsstatistik präsentiert hatte, folgten am Nachmittag die Zahlen für das Burgenland. Werner Fasching als stellvertretender Landespolizeidirektor und sein Sohn Thomas Fasching in der Funktion des stellvertretenden Leiters des Landeskriminalamtes blickten auf die Straftaten des Vorjahres zurück.

Mit 2,6% der Gesamtkriminalität hat das Burgenland im Vorjahr am wenigsten zu den österreichweit insgesamt 528.000 angezeigten Delikten beigetragen.

13.575 Strafanzeigen wurden im Vorjahr im Burgenland erstattet, davon betrafen 3.054 die Schlepperkriminalität.

Diese Tatsache kommentierte Werner Fasching mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“: Insgesamt betrachtet, ging die Kriminalität im Burgenland im Vergleich zu 2022 um 18% zurück, das liegt aber nur am deutlichen Sinken der Schlepperkriminalität.

Rechnet man die Schlepperzahlen heraus, so stieg die Kriminalität im Burgenland im Vorjahr um 10%.

Um 4.000 Schlepperdelikte weniger als 2022

„Die Schlepperkriminalität ging um 4.000 Delikte zurück, das ist ein Minus von 57%", informierte Werner Fasching. Wurden im Jahr 2021 knapp 20.000 unrechtmäßig Aufhältige im Burgenland aufgegriffen, so waren es 2022 knapp 81.000 und im Vorjahr knapp 30.000.

Der Rückgang der Schlepperkriminalität sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen. So stellte Serbien nach Appellen österreichischer und ungarischer Politiker die Visafreiheit für Inder und Tunesier ein. Die gemeinsamen Kontrollen österreichischer und ungarischer Polizeikräfte auf ungarischem Hoheitsgebiet (Operation Fox) zeige Wirkung.

Und schließlich habe Serbien mit strengen Kontrollen auf eine Schießerei an der serbisch-ungarischen Grenze reagiert, die den Tod von Flüchtlingen zur Folge gehabt hatte. „Es ergab sich eine Ausweichroute der Flüchtlinge über die Slowakei, Tschechien und Polen in Richtung Deutschland“, schilderte Werner Fasching die Auswirkungen.

Anzeigen nach Bezirken

In den stark von Schlepperkriminalität betroffenen Bezirken Neusiedl und Oberpullendorf ging die Gesamtkriminalität im Vorjahr stark zurück, allerdings kam es in allen Bezirken mit Ausnahme vom Bezirk Güssing zu einem Anstieg der sonstigen Kriminalitätsfälle.

  • Neusiedl am See: Anzeigen 2023 insgesamt 5.342 (2022: 6326), ohne Schlepperei 3.296 (2022: 2.868)
  • Eisenstadt Umgebung: Anzeigen insgesamt 1.105 (2022: 1.063), ohne Schlepperei 1.082 (2022: 976)
  • Eisenstadt: Anzeigen insgesamt 1.164 (2022: 1.166), ohne Schlepperei 1.157 (2022: 1.087)
  • Mattersburg: Anzeigen insgesamt 1.286 (2022: 1.238), ohne Schlepperei 1.239 (2022: 1.116)
  • Oberpullendorf: Anzeigen insgesamt 1.660 (2022: 3.566), ohne Schlepperei 945 (2022: 846)
  • Oberwart: Anzeigen insgesamt 1.843 (2022: 1.879), ohne Schlepperei 1.728 (2022: 1.502)
  • Güssing: Anzeigen insgesamt 601 (2022: 850), ohne Schlepperei 552 (2022: 613)
  • Jennersdorf: Anzeigen insgesamt 547 (2022: 443), ohne Schlepperei 522 (2022: 420)
Kriminalitäts-Steigerung um zehn Prozent im Burgenland

© Landespolizeidirektion Burgenland

Die Aufklärungsquote lag 2023 % inklusive Schlepperkriminalität bei 45% und bei 55%, wenn man nur die sonstigen Delikte betrachtet. „Das ist eine um drei Prozent höhere Aufklärungsquote als österreichweit“, freute sich Werner Fasching.

Eine besonders hohe Aufklärungsquote konnte mit 86% bei den Gewaltdelikten verzeichnet werden. Die Zahl der angezeigten Gewalttaten stieg von 1.344 im Jahr 2022 auf 1.408 im Vorjahr. 431 dieser Gewalttaten ereigneten sich in der Privatsphäre.

Um 35% mehr Betretungsverbote als 2022

Die Polizei sprach 456 Betretungs- und Annäherungsverbote aus, das ist ein Anstieg von 35% im Vergleich zu 2022.

Thomas Fasching verwies auf verstärkte Gewaltschutzmaßnahmen, beispielsweise durch enge Zusammenarbeit der Polizei mit dem Gewaltschutzzentrum und sonstigen Beratungsstellen, durch speziell ausgebildete Präventionsbeamte und die Durchführung von sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen, die dem Austausch zwischen Behörden und Institutionen zu gefährdenden Personen dienen.

3.408 Eigentumsdelikte wurden angezeigt

Die Eigentumskriminalität stieg im Vorjahr um 33,4% auf 3.408 angezeigte Delikte. Die Arbeit der Kriminalpolizei zeigte Erfolge, so konnten, wie Thomas Fasching berichtete, 27 Einbrüche in Kirchen und Gebetshäuser und 32 Baustellen-Einbrüche (diese allein im Bezirk Mattersburg!) aufklärt werden.

Mit 137 Einbrüchen in Wohnhäuser sei das Niveau vor der Covid-19-Pandemie erreicht worden. Wichtig sei es, appellierte Thomas Fasching an die Burgenländer, die Präventionstipps zu beachten, um sich vor Einbrechern zu schützen.

Um 50% mehr Fahrraddiebstähle!

Der Anstieg bei den angezeigten Fahrraddiebstählen belief sich auf knapp 50%. 482 gestohlene Fahrräder wurden gemeldet, 2022 waren es 323 gewesen.

Die Polizei führte in Kooperation mit allen burgenländischen Siedlungsgenossenschaften ein Präventionsprojekt durch und verteilte Infoflyer an die Haushalte in Wohnhausanlagen. Ziel sei es, den Diebstahl von E-Bikes und anderen Fahrrädern aus Kellern und von Abstellplätzen zu vermeiden.

Die Polizei empfiehlt die Verwendung von hochwertige Fahrrdschlössern und das Notieren von Fahrraddaten. Bei E-Bikes sollte man beim Abstellen den Akku abnehme, besonders hochpreisige Bikes können auch mit Trackingsystemen ausgestattet werden.

Ladendiebstähle: Zahl verdoppelt

Bei den Ladendiebstählen gab es einen Anstieg um 101% im Vergleich zu 2022, 570 Anzeigen wurden im Vorjahr erstattet. Fast immer handle es sich um reisende Tätergruppierungen aus den Nachbarländern, die Aufklärungsquote liegt bei 88,8%.

Bei der Internetkriminalität konnte erstmals der Aufwärtstrend gestoppt werden: 1.301 Delikte wurden im Vorjahr erfasst, das sind um vier weniger als 2022.

Die Aufklärungsquote liegt hier wegen der schwierigen Ermittlungen bei nur 35%.

Seit 2015 steige, so Thomas Fasching, die Wirtschaftskriminalität. 2023 wurden 2.158 Delikte angezeigt, das ist eine Zunahme um 9,8% im Vergleich zu 2022 und um 155,5% im Vergleich zu 2015.

„Falsche Polizisten“ lockten 600.000 Euro heraus

1.574 dieser Delikte betrafen Betrugshandlungen, zum Beispiel durch Täter, die sich als Polizisten ausgaben, um Opfern Geld herauszulocken. 75 Anzeigen betrafen im Vorjahr dieses Betrugsszenario, das ist ein Anstieg um 19 im Vergleich zu 2022.

„Neun dieser Straftaten wurden vollendet, der Schaden betrug 600.000 Euro“, informierte Thomas Fasching. 2022 hatten zehn „falsche Polizisten“ im Burgenland einen Schaden von 360.000 Euro verursacht.

Erfolgreich war die Polizei dank der geistesgegenwärtigen Reaktion einer Frau, die von einem Täter angerufen wurde, der sie darüber informierte, dass ihre Tochter einen Unfall gehabt habe und eine Kautionszahlung von 86.000 Euro fällig sei.

„Die Frau hatte aber gar keine Tochter. Sie hielt den Kontakt aufrecht und informierte daneben die Polizei. Drei polnische Staatsbürger konnten festgenommen werden“, berichtete Thomas Fasching.

242 Straftaten von Kindern begangen

242 Straftaten wurden im Vorjahr im Burgenland von nicht strafmündigen Personen im Alter unter 14 Jahren begangen, davon 21 von unter Zehnjährigen. „Damit sind 2,3% der Straftaten auf Jugendkriminalität zurückzuführen“, sagte Thomas Fasching. Diese sei somit „keine große Problematik im Burgenland“, was unter anderem am Fehlen großer städtischer Ballungsräume liege.

Dennoch werde im Burgenland wie in allen Landespolizeidirektionen eine Einsatzgruppe Jugendkriminalität eingerichtet. „Dazu wird die Einsatzgruppe Straßenkriminalität um zwölf Personen aufgestockt“, kündigte Thomas Fasching an.