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Alfons Haider: „Wir zeigen wieder, was unsere Bühnen alles können!“
Talk der Woche
Als Generalintendant freut sich Alfons Haider schon jetzt auf die Festivalsaison. Nicht nur die Seebühne Mörbisch, auch das Südburgenland und Schloss Tabor sind ihm ans Herz gewachsen, und ebenso der Nachwuchs, wie er im BVZ-Interview erzählt. In Mörbisch wird derzeit das moderne London für „My Fair Lady“ aufgebaut, in Neuhaus am Klausenbach legt man fürs „Weiße Rössl“ einen „kleinen Wolfgangsee“ an ...
Generalintendant Alfons Haider begrüßt im Burgenland: „In Mörbisch haben wir vorsichtig versucht, die Schwelle zu überwinden, bei der manche vor dem Wort „Musical“ Angst hatten. Und auch auf Schloss Tabor weiß das Publikum, dass es uns vertrauen kann.“
© Nina Mayer, Nina Mayer
BVZ: Nur mehr ein paar Wochen, und dann ist wieder Festivalzeit: Wie groß ist die Vorfreude auf der Seebühne Mörbisch?
Alfons Haider:Der Bühnenbau hat schon begonnen, und der Karten-Vorverkauf läuft sensationell. Wir haben uns mindestens 120.000 Besucherinnen und Besucher zum Ziel gesetzt, und das ist durchaus realistisch. Mehr als 80 Prozent der Karten sind schon verkauft oder reserviert.
„Mamma Mia!“ im Vorjahr war ein Jahrhundertereignis, das kann man mit anderen Musicals nur schwer vergleichen. Mit Stücken wie der „West Side Story“ und „The King and I“ wollte ich aber auch schon davor zeigen, wozu diese Bühne imstande ist. Und wir wollen auch die Operettenliebhaber überzeugen.
Die Frage zwischen Operette und Musical, die zu Beginn diskutiert wurde, scheint sich immer seltener zu stellen ...
Wir haben das auch in Zahlen erhoben – viele Gäste von früher sind noch oder wieder an Bord. Wir haben auch vorsichtig versucht, die Schwelle zu überwinden, bei der manche vor dem Wort „Musical“ ein wenig Angst hatten. Das scheint gelungen zu sein, mit „Mamma Mia!“ wurden zugleich jüngere Gäste angesprochen.
Und weil „My Fair Lady“ in modernisierter Fassung gezeigt wird, fühlen sich einerseits die jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauer wohl, und es gilt zugleich fast schon als Operette.
Wie modern darf ein solcher Klassiker letztlich sein?
Das wird mit größtem Respekt bewerkstelligt. Die Figuren und London als Handlungsort wurden an die heutige Zeit angepasst. Doolittle ist beispielsweise Taxifahrer und kein Müllkutscher, Eliza verkauft Rosen statt Veilchen und hat auch ein Handy. Ich glaube aber, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer schon nach zehn Minuten vergessen werden, dass sie im Heute sitzen.
Das Bühnenbild wird ja jedes Jahr ebenfalls mit Spannung in natura erwartet. Wie wird Mörbisch die Erwartungen heuer erfüllen?
Walter Vogelweider entwirft traumhafte Bühnenbilder, und er hat wieder in sämtliche Phantasiekisten gegriffen. Erstmals gibt es in Mörbisch einen Vorhang, so viel kann man schon verraten – der ist 37 Meter breit, elf Meter hoch und wiegt geschätzte 40 Tonnen.
Die erste Szene spielt in der Londoner U-Bahn, und dann geht dieser Vorhang auf, und die Szene erscheint: Das gibt schon in den ersten Minuten ein solch großes Aha-Erlebnis. Später kommt das Licht dazu, es gibt moderne Effekte, 200 wunderbare Kostüme, ganz viel, das dem Publikum geboten wird. Und heuer gibt es auch wieder ein 30-köpfiges Orchester, das Burgenländische Landesorchester. Und es wird auch in den kommenden Jahren bei den Seefestspielen zu hören sein.
Das Publikum wird also wie gehabt auf eine Reise mitgenommen …
In den vergangenen Jahren ist die Reise nach Siam, Bangkok und auf eine griechische Insel gegangen, jetzt geht es eben nach London, und dort wird man mehr als zwei Stunden lang tatsächlich sein. Das ist schon ein Tagesausflug! Über das Programm im nächsten Jahr darf ich noch nichts sagen, aber da sind wir dann wieder an einem ganz anderen Schauplatz. Und es wird wieder ein Welthit!
Apropos Reise – Sie sind ja auch schon längst im Burgenland angekommen.
Ich fühle mich hier wirklich sehr wohl. Zweimal pro Woche fahre ich mit dem Zug aus Wien ins Burgenland. Die Menschen wundern sich dann oft: „Was, Sie fahren mit dem Zug?“ Und ich sage: „Klar, glauben Sie, ich fliege?“ (lacht) Und so rede ich unterwegs viel mit den Leuten, und da höre so viel Positives. Die Begeisterung, die spürt man immer, und auch die Vorfreude!
Was die Vorgänger in Mörbisch gemacht haben, das war natürlich auch sehr gute Unterhaltung, aber jetzt glänzt es wieder anders. Auch mit den Plänen von Landeshauptmann Doskozil, mit den großen Konzerten und Stars wie James Blunt …
© Nina Mayer, Nina Mayer
Und nicht zu vergessen: Ihr Herz schlägt auch für das Südburgenland, wie man weiß! Auf Schloss Tabor geht's ab 1. August mit der nächsten Premiere weiter.
Hier läuft der Vorverkauf ebenfalls, und zwar so gut wie nie zuvor. Jetzt weiß das Publikum auch auf Schloss Tabor, dass es uns vertrauen kann. Das „Weiße Rössl“, das heuer gespielt wird, ist für mich eine Sensation! Auch hier werden wir nur behutsam modernisieren, denn es ist schon alles da.
Mit Stefan Prattes, der das Bühnenbild für das Falco-Musical in Wien entworfen hat, haben wir für Neuhaus am Klausenbach einen tollen Bühnenbildner und Regisseur gefunden. Dazu gibt's bekannte Gesichter – und es wird lustig! Wir haben diesen Sommer nicht nur das Festival auf der Seebühne, sondern ein zweites See-Festival, denn auf Schloss Tabor zeigen wir auch den Wolfgangsee.
Sie leben in Wien, sind oft in Eisenstadt und am See – welchen Kontrast spüren Sie da im Südburgenland
Ich kenne so viele Festspiele weltweit, aber da ist es schon einzigartig: das Schloss wurde funkelnagelneu restauriert und befindet sich ja mitten im Wald, rundherum Bäume, Natur und diese Ruhe! Die Entscheidung, dass auch das Uhudlerlandestheater auf Schloss Tabor spielt, habe ich ebenfalls sehr begrüßt, das passt ausgezeichnet.
Und ich habe mich vor Ort im Südburgenland gleich gut aufgenommen gefühlt. Es heißt immer, der Norden und der Süden liegen so weit auseinander ... Wir wollen das mit dem Kulturangebot auch ein wenig ändern und sozusagen noch ein wenig mehr zusammenführen.
Im Kulturgeschehen des Landes sind Sie ebenso aktiv und unterstützen die Nachwuchsarbeit. Wo bekommen die Jungen eine Chance?
Auf Initiative des Landeshauptmannes führen wir heuer wieder einen großen Orchesterwettbewerb für Nachwuchsmusikerinnen und -musiker durch. Eingeladen werden Studierende der Musikschulen, in Zusammenarbeit mit der Joseph Haydn Privathochschule, dem Institut der Kunstuniversität Graz in Oberschützen und dem Burgenländischen Musikschulwerk.
Da gibt tolle Preise zu gewinnen und Anerkennung für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wir schauen auch darauf, dass Siegerinnen und Sieger und mehr junge Talente aus dem Land im Orchester dabei sein können.
Der Generalintendant ist in Ihrem Verständnis also auch ein Netzwerker, vor allem wenn es um den Nachwuchs geht?
Darum geht es natürlich auch! Wir stellen Kontakte her und führen die Musik mit anderen Veranstaltungen oder aktuellen Ausstellungen zusammen. Burgenländisches Talent soll auf all diesen Ebenen gefördert werden.
Das heißt, Sie machen sich um die musikalische Zukunft keine Sorgen ...
Es gibt immer wieder so viele überraschende Talente im Land, und viele kommen auch hierher, um zu studieren. Mit Musical Güssing haben wir noch eine weitere Plattform für den Nachwuchs. Ich würde mich nicht wundern, wenn es irgendwann einmal eine eigene Musical-Ausbildung im Burgenland gibt. Ich werde das auf jeden Fall unterstützen!

© Seefestpiele Mörbisch, Jerzy Bin, Jerzy Bin
Seefestspiele Mörbisch - alle Events auf einen Blick
„My Fair Lady“ – 11. Juli bis 17. August: mit Anna Rosa Döller, Marc Seibert, Herbert Steinböck, Marika Lichter, Andreas Wolfram, Shlomit Butbul und vielen mehr
Zucchero live – „Overdose d'Amore“ am 15. Juli:der „Italian Bluesman“ kommt mit all seinen Hits auf die Seebühne
James Blunt live – „Who we used to be Tour 2024“: der Pop-Superstar erstmals im Burgenland
Starnacht am Neusiedler See (31. Mai & 1. Juni) und Schlagerparty mit Semino Rossi, Johnny Logan, Michelle und und vielen mehr (16. und 17. Juli)

© KBB, Andreas Hafenscher, Andreas Hafenscher
Festspiele auf Schloss Tabor
Brass-Frühling – das Musikfest am 1. und 2. Juni:Mit regionalen Musikvereinen und Brass-Bands startet das rundum renovierte Schloss in die Saison.
„Im weißen Rössl“ - 1. bis 11. August:mit Dagmar Bernhard, Martin Biermoser, Martin Weinek, Laura Leyh, Markus Störk und vielen mehr; Ralph Benatzkys Operette im frischen Gewand und mit den mitreißenden Gassenhauern.
Uhudlerlandestheater „Der Freyschütze“ – 29. August bis 8. September:Intendant Martin Weinek und viele mehr in der „Freischütz“-Bearbeitung von Erhard Pauer und Eva Weinek