Österreichs U20-Frauen: Das WM-Aus und der Stolz

U20-WM

Die Enttäuschung mag groß gewesen sein, dass Österreichs Frauen bei der U20-Weltmeisterschaft im Achtelfinale ausgeschieden ist. Dennoch überwiegt unterm Strich der Stolz, dass Rot-Weiß-Rot beim ersten WM-Antritt eines österreichischen Frauen-Nationalteams in die K.o.-Phase eingezogen ist.

Von Von BVZ Redaktion

Valentina Mädl traf beim 2:5 gegen Nordkorea zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich, am Ende sollte es nicht reichen.

Valentina Mädl traf beim 2:5 gegen Nordkorea zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich, am Ende sollte es nicht reichen.

© Jasmin Walter/ÖFB, Jasmin Walter / ÖFB

Wer im Achtelfinale eines Turniers steht, will auch in die nächste K.o.-Phase einziehen - und weiter klammheimlich nach den Sternen greifen. Österreichs U20-Nationalteam der Frauen hatte in diesem Zusammenhang die schwere Hürde „Nordkorea“ vor Augen, um die Titel-Mitfavoritinnen optimalerweise aus dem Bewerb zu kicken.

Heraus kam eine bittere 2:5-Pleite, in der die Mannschaft von Teamchef Markus Hackl gefühlt permanent eine sportliche Hypothek mit sich herumschleppte. Da wäre einmal das rasche 1:0 der Nordkoreanerinnen in Minute 3, das allerdings bereits acht Minuten später egalisiert werden konnte. Valentina Mädl war es, die eine Freistoßflanke von Nicole Ojekwu im Fünfmeterraum verwandelte. Die Mönchhoferin konnte somit als Stürmerin einmal mehr eine Duftmarke setzen.

Und dann wären in Hälfte eins noch die Gelb-Rote Karte gegen Ojukwu (Unsportlichkeit, 28.), inklusive neuerlicher Nordkorea-Führung durch Hyang Sin in der 37. Minute. Nach Wiederbeginn und dem 3:1 konnte Österreich zwar noch einmal verkürzen - einen weiten Freistoß köpfelte Nordkorea-Verteidigerin Hong Ryon ins eigene Tor -, der zu diesem Zeitpunkt offene Schlagabtausch fand aber kein rot-weiß-rotes Happy End. Zwei Tore (74., 92.) der Mannschaft von Coach Song Ho Ri sorgten für den nordkoreanischen Viertelfinaleinzug, den 1.788 Fans im Estadio Atanasio Girardot von Medellín verfolgten.

Bereits am Freitag geht es retour nach Österreich, dann ist das Abenteuer U20-WM vorbei - nicht aber, ohne entsprechende Bilanz zu ziehen.

Die Stimmen

Torschützin Valentina Mädl unmittelbar nach dem Schlusspfiff: „Im Moment ist die Enttäuschung noch zu groß, aber wir können dennoch stolz sein auf das, was wir erreicht haben und wie wir Österreich vertreten haben. Ich denke, das Ergebnis spiegelt nicht ganz die kämpferische Leistung. Die letzten Tore sind auf Grund des hohen Risikos gefallen, das wir gehen mussten. Ich denke, wir konnten dennoch viele Leute bei diesem Turnier begeistern.“

Teamchef Markus Hackl: „Grundsätzlich muss ich sagen, dass es extrem enttäuschend ist, dass wir heute nichts holen konnten. Gleichzeitig bin ich irrsinnig stolz auf die Spielerinnen, weil sie bis zur letzten Minute alles reingehauen haben, das alles mit rund einer Stunde Unterzahl. Das Spiel dennoch so lange eng zu halten, macht mich auch sehr stolz. Nach dem 2:3-Anschlusstreffer hatten wir auf der Bank einen Plan, wie wir weiter agieren wollen, doch genau in dem Moment ist dann der vierte Treffer gefallen. Die Enttäuschung überwiegt heute, aber ich denke, dass die Spielerinnen in ein paar Tagen realisieren werden, dass es gleichzeitig etwas Historisches gewesen ist, das sie erreicht haben. Ich möchte mich bei allen Spielerinnen und Betreuern bedanken, die über drei Wochen alles gegeben haben. Wir müssen das Positive mitnehmen. Es sind einige Spielerinnen in diesem Team, die auch den Sprung in das A-Nationalteam schaffen können.“

Laura Spinn: „Ich glaube, wir können uns heute nicht viel vorwerfen, denn wir haben 90 Minuten lang alles gegeben, hatten dazu leider einen sehr unglücklichen Spielverlauf. Es ist aktuell noch schwer, alles zu realisieren. Es zeichnet uns aus, dass wir immer einhundert Prozent geben und immer versuchen, zurückzukommen. Wir haben am Ende viel riskiert. Ich glaube, wir können stolz sein, weil wir dennoch Geschichte geschrieben haben. Es war ein unvergessliches Turnier für uns alle.“

Tatjana Weiss: „Wir haben gekämpft, alles gegeben und ich denke mit ein wenig Abstand können wir auch mit Stolz auf das zurückblicken, was wir erreicht haben. Nach dem Anschlusstreffer mussten wir eine Balance zwischen Risiko und Absicherung in der Defensive finden, das ist in Unterzahl extrem schwierig. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir gegen einen qualitativ sehr guten Gegner gespielt haben. Ich bin extrem stolz auf das Team, die Betreuer und alles, was wir bisher geschafft haben.“

Kapitänin Chiara D´Angelo: „Ich bin extrem stolz, dass wir es überhaupt erstmalig zu einer Weltmeisterschaft geschafft haben. Wir haben das erste und zweite Spiel gewonnen, sind vorzeitig in das Achtelfinale eingezogen, das ist alles positiv zu bewerten. Wir haben heute mit einer Spielerin weniger gegen einen sehr guten Gegner richtig gut dagegengehalten. Ich bin mir sicher, dass wir das Spiel gewinnen hätten können, wenn wir mit elf gegen elf bis zum Ende gespielt hätten. Ich finde, Nordkorea war nicht der Über-Gegner, für den ihn viele gehalten haben, darum bin ich enttäuscht, dass wir heute verloren haben. Wir sind heute um unser Leben gelaufen und hätten das Viertelfinale verdient gehabt.“