Oberwart verkaufte sich vor 6.000 Fans teuer - aber Rapid stieg auf

UNIQA ÖFB Cup

6.000 Fans feierten im Informstadion ein Pokal-Fußballfest zwischen dem SV Oberwart und dem SK Rapid Wien. Am Ende setzte sich der Rekordmeister mit 2:1 durch und feierte den Aufstieg in die nächste Runde. Die Gastgeber präsentierten sich als Außenseiter aber stark und forderten die Hütteldorfer bis zum Schluss.

Von Von Bernhard Fenz

Doppeltorschütze für Rapid: Tobias Gulliksen (m.).

Doppeltorschütze für Rapid: Tobias Gulliksen (m.).

© BVZ

Beste Stimmung und historischer Rekordbesuch im Informstadion: Noch nie waren so viele Besucher im Stadion der Bezirkshauptstadt. In der Regionalliga sind im Ausnahmefall bis zu 1.500 Fans möglich, viermal so viele tummelten sich am Mittwochabend rund um das Grün. Bestens organisiert und ohne grobe Probleme schaffte es der veranstaltende SVO, den Pokalhit gut über die Bühne zu bringen.

Oberwart verkaufte sich vor 6.000 Fans teuer - aber Rapid stieg auf

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Wenn man so will, war das eine Bewährungsprobe für höhere Aufgaben. Oberwart will bekanntlich über kurz oder lang aus der Ostliga in die 2. Liga aufsteigen. Hier spielte sich aber das ganz hohe Niveau ab. Österreichweit gibt es wohl keinen attraktiveren und zuschauerstärkeren Gegner als Rapid.

Die Hütteldorfer zeigten auch von Beginn weg, warum sie derzeit das Maß der Dinge im rot-weiß-roten Klubfußball sind. Unaufgeregt behielt die Mannschaft von Trainer Peter Stöger die absolute Kontrolle, auch wenn es 20 Minuten dauerte, bis es wirklich gefährlich wurde. Dann allerdings klingelte es gleich im Kasten von SVO-Goalie Radislav Tanashchuk. Im Verbund Nikolaus Wurmbrand (der über rechts immer wieder gefährlich wurde) und Claudy Mbuyi (der den Ball mit viel Aufwand noch vor der Toroutlinie im Spiel hielt) kam der Ball ins Zentrum, wo der norwegische Zugang Tobias Gulliksen kurzen Prozess machte und das Runde humorlos versenkte.

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Oberwart verkaufte sich vor 6.000 Fans teuer - aber Rapid stieg auf

© BVZ/Max

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Es war zwar kein Dosenöffner, doch Grün-Weiß übernahm in weiterer Folge noch mehr die Kontrolle, auch weil Oberwart passiver verteidigte. Da hatten die Südburgenländer Glück, dass es nach einem Corner in Minute 35 nicht schon 0:2 stand, als Ndzie einen Stellungsfehler von Tanashchuk nutzte und per Kopfball netzte - der Assistent hatte aber die Fahne oben, der Ball war beim getretenen Corner davor im Torout.

Gleichzeitig vergab das Team von Trainer Gernot Plassnegger vor dem Wechsel die ersten guten Gelegenheiten auf den Ausgleich. Einmal knallte Kapitän Stefan Wessely nach einem schnell vorgetragenen Angriff über die linke Seite und einer Hereingabe per Flanke die Vorlage von Sandro Schendl drüber. Danach verzettelte sich Christoph Halper etwas, die Vorlage konnte dann Jura Stimac nicht nutzen.

Und so kam es in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch ganz dick für den SV Oberwart. Abermals war es Gulliksen, der eine Hereingabe aus relativ kurzer Distanz verwertete - Tanashchuk war zwar noch dran, konnte den Ball aber nicht mehr parieren.

Foulelfer machte die Partie wieder spannender

Wer glaubte, dass der Cup-Abend nun sportlich langweilig und richtig einseitig wird, wurde kurz nach Wiederbeginn eines Besseren belehrt. Weil Rapid-Verteidiger Raux-Yao beim Verteidigen in der Box auf den Fuß von Jura Stimac stieg, entschied Referee Julian Schnur sofort auf Elfmeter. Lukas Ried ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, verzögerte beim Anlauf etwas und traf in die rechte Ecke. Rapid-Schlussmann Niklas Hedl war mit den Fingern dran, aber es sollte nicht reichen.

Es war das 1:2 - und wie das so ist in einem Cupspiel: Der Außenseiter roch wieder Lunte. Da musste Hedl bei einem langen Ball aufmerksam sein, der ebenfalls heranstürmende Sandro Schendl machte da Bekanntschaft mit dem Rapid-Goalie, sah Gelb dafür. Und auch die Rapid-Defensive musste den Schongang aufgeben, etwa als ein schneller Angriff über Halper zu Stimac kam, dessen Abschluss geblockt werden konnte.

Und weil Rapid nicht die Vorentscheidung gelingen sollte, nutzten die Oberwarter die Schlussphase, um sich noch einmal in der einen oder anderen Phase in der Hälfte der Hütteldorfer festzusetzen. Da wurde der Ball seitens der Gäste auch schon mal unkontrolliert weggeschlagen. Weil aber die ganz große Ausgleichschance ausblieb, beendete Referee Schnur die Begegnung nach 95 Minuten. Fazit: Der SV Oberwart verkaufte sich teuer, aber es sollte am Ende nicht reichen. Über 90 Minuten gesehen geht der Sieg respektive Aufstieg des SK Rapid Wien auch in Ordnung.

Weiter geht es für die Oberwarter nun in der Regionalliga Ost. Da ist am Samstag der SC Neusiedl/See zum Burgenland-Derby zu Gast, der Anpfiff erfolgt um 17.30 Uhr.

Stimmen zum Spiel

Oberwart-Trainer Gernot Plassnegger: „Ich gratuliere Rapid zum Aufstieg in die nächste Runde. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht mutig genug gespielt, in der zweiten Hälfte haben wir das dann besser gemacht. Im Endeffekt muss man es so nehmen, Rapid hat verdient gewonnen.“

... in Bezug auf das Elfmeter-Anschlusstor: „Wenn man Erfolgserlebnisse im Spiel hat, dann wird es einfacher, jeder traut sich mehr zu. Ich glaube, dass wir den Zuschauern ein gutes Spiel geliefert haben und stolz sein können auf die Leistung.“

... in Bezug auf die Atmosphäre: „Die war sehr sehr schön, ich glaube halb Burgenland ist Grün-Weiß. Von dem her war es klar, dass viele Zuschauer kommen. Ich würde mir wünschen, dass dann auch bei unseren Spielen der eine oder andere wieder kommt.“

Rapid-Trainer Peter Stöger: „Vielleicht ist das auch einmal ein gutes Signal, dass Qualität ohne Aggressivität, Tiefgang, Kompaktheit, Bereitschaft nur dafür genügt, dass man in die nächste Runde kommt. Vieles von dem, was wir sehen wollten, haben wir heute nicht gesehen. Wichtig ist, dass wir weiter sind - das war auch schon einmal anders.“

„Es gibt im letzten Drittel die Möglichkeit, dass ich über Eins-gegen-Eins-Situationen drübergehe, das ist wenig passiert. Es gab aber auch keinen Tiefgang hinter die letzte Kette, damit es Verwirrung gibt. Aus dem Halbfeld hat es, wenn wir nicht drübergekommen sind, zu wenig Bälle in den Strafraum gegeben, wo wir ja Leute mit richtiger Qualität haben. Da haben wir es uns selbst schon sehr schwer gemacht, das hat uns allen auch nicht gefallen.“

„Wir haben das Ziel, dass wir weiter sind, erreicht. Dass wir alles abrufen müssen, haben wir heute nicht gemacht. Wie knapp es dann wird, sieht man auch.“

Oberwarts Torschütze Lukas Ried: „Für jeden einzelnen von uns, der heute am Platz gestanden ist, war das ein richtig cooles Erlebnis. Es war ein richtig geiler Cupfight von uns und ich bin echt stolz auf unsere Mannschaft. Die Qualität von Rapid ist unumstritten, wir haben dennoch alles probiert und alles nach vorne geworfen. Leider hat es nicht gereicht, aber jeder in ganz Oberwart kann heute stolz sein. Dieses Spiel kann auch einen Riesenauftrieb für die Meisterschaft geben. Wir wissen, was wir können. Wenn wir Gas geben und dranbleiben, kann die Saison noch richtig gut ausschauen.“

Oberwarts Sportdirektor Peter Lehner:„Das war Wahnsinn. Was der Verein da auf die Beine gestellt hat, Obmann, Obmann-Stellvertreter, mit 6.000 Zuschauern, ist unglaublich. Und sportlich brauchen wir nicht reden, da brauchen wir auch gar nicht nachtrauern. Ich finde vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir uns top präsentiert. Wirkliche Probleme in der Organisation hat es auch nicht gegeben, zumindest nicht wissentlich.“

Obmann Gerhard Horn: „Das Spiel und die Veranstaltung insgesamt waren einfach spitze.“

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, stolzer Burgenländer und bekennender Rapid-Fan: „Zwei Fußball-Seelen in meiner Brust – das beschreibt es ganz gut. Oberwart hat sich tapfer geschlagen. Es war ein spannender Abend mit zwei Teams, für die ich mit Herzblut mitfiebere. Das war großartige Werbung für Oberwart und für das Burgenland. Der SV Oberwart kann stolz auf seine Leistung sein – und das Publikum hat für eine stimmungsvolle Kulisse gesorgt.“

Sportlandesrat Heinrich Dorner, stolzer Burgenländer und bekennender Rapid-Fan: „Die Abwicklung des Spiels konnte sich sehen lassen und auch die Infrastruktur des Stadions ließ keine Wünsche übrig. Mit eigenem Gästesektor-Zugang und Gäste-Tribüne ist Oberwart auch für die kommenden Aufgaben und Ziele gewappnet.“

Oberwart verkaufte sich vor 6.000 Fans teuer - aber Rapid stieg auf

© Landesmedienservice Burgenland, DANIEL FENZ

SV Klöcher Bau Oberwart - SK Rapid Wien 1:2 (0:2).- Torfolge:0:1 (20.) Gulliksen, 0:2 (45.+1) Gulliksen, 1:2 (54.) Ried (Foulelfer). Gelbe Karten:Schendl (62. Foul), Wessely (67. Foul); Ndzie (81. Foul). SR: Schnur.- Informstadion, 6.000.
Oberwart: Tanashchuk; Nagy, Woth, Trimmel, Schendl, Wisak (85. Pauliny), Wessely (85. Gschiel), Ratkowski (85. Polster), Halper (76. Kedl), Stimac (63. Hutter), Ried.
Rapid:Hedl; Bolla, Cvetkovic, Raux-Yao, Horn (68. Demir), Amane, Ndzie (86. Radulovic), Gulliksen (68. Kara), Wurmbrand (68. Weixelbraun), Tilio (79. Seidl), Mbuyi.

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© Mike Rodach

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