Nach FPÖ-Sieg werden auch im Land die Karten neu gemischt

Wahl-Analyse Burgenland

Die Nationalratswahlen lassen bei den burgenländischen Parteistrategen der SPÖ und ÖVP alle Alarmglocken schrillen. Sicher gewinnen wird wieder die FPÖ.

Von Von Markus Stefanitsch

BVZ-Chefredakteur Markus Stefanitsch.

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© BVZ, Jens Krauss

Platz eins in Österreich für die FPÖ war vorprogrammiert - auch wenn die ÖVP auf den letzten Metern des Wahlkampfes noch insgeheim auf einen Wahlsieg hoffte. Dass die FPÖ aber im Burgenland ganz oben steht und die SPÖ nur auf Platz 3 landet, hatte wohl kaum ein Experte auf dem Radar.

Österreichweit geht es jetzt darum, wer mit wem welche Regierung bilden kann und will. Im Burgenland werden jetzt die Parteistrategen ihre Pläne für die Landtagswahlen im Jänner neu überdenken müssen.

Vor allem für die SPÖ wird es unter diesen Voraussetzungen äußerst unwahrscheinlich, die absolute Mehrheit im Land zu verteidigen. Zudem wird vieles von der künftigen Regierung in Österreich abhängen. So wie es derzeit aussieht, werden die kommenden Landtagswahlen in Vorarlberg und der Steiermark noch ohne neuer Regierung stattfinden und geprägt von Koalitionsverhandlungen sein.

Somit wird wohl erst vor den Landtagswahlen im Burgenland eine Regierung in Österreich stehen. Dies hat natürlich viel Einfluss auf die Wahl im Burgenland. Und davon wird auf jeden Fall wieder die FPÖ profitieren. Entweder als Kanzler-Partei (sollte FPÖ-Chef Herbert Kickl tatsächlich Regierungspartner finden) oder als Märtyrer-Partei (sollte die FPÖ als stimmenstärkste Partei in Opposition bleiben).

Für die SPÖ wäre noch das beste Szenario, würde es eine blau-schwarze Regierung geben, um hier ein altes Schreckgespenst im Wahlkampf aufleben lassen zu können. Das Worst-Case-Szenario für SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wäre wohl eine schwarz-rote oder schwarz-rot-pinke Koalition im Bund inklusive seines Partei-Kontrahenten Andreas Babler in einem Minister-Amt. Diese Verlierer-Variante würde eher der FPÖ Aufwind bei den Landtagswahlen verleihen.

Die ÖVP ist mit dem Ergebnis vom Sonntag ebenfalls vorgewarnt: Die FPÖ wird auch bei der Landtagswahl mit riesigen Schritten den Schwarzen den Rang ablaufen wollen. Die Freiheitlichen kommen aller Voraussicht nach nicht in die Regierung und - dieser Teil des Super-Gau-Szenarios ist bereits eingetroffen - Spitzenkandidat der Blauen im Land wird Norbert Hofer. Daher wird sich alles auf das Duell Doskozil gegen Hofer zuspitzen und der ÖVP bleibt im Wahlkampf wohl nur die Zuseher-Rolle. Ähnlich erging es bei den Nationalratswahlen Andreas Babler, der dem Kanzler-Duell Nehammer-Kickl nur vom Seitenrand zusehen konnte.

Was bei den Landtagswahlen noch anders sein wird: Im Burgenland fährt Doskozil und seine SPÖ schon seit langem einen härteren Kurs - komplett konträr zur Linie von Bundeschef Andreas Babler, der bis zuletzt die Wichtigkeit dieses Themas verkannt hatte.