Neudörfls Bürgermeister: „Stehe natürlich auf Seiten der Arbeitnehmer“

Walstead-Leykam Druck

Wie von der BVZ berichtet, gab es heuer für einen Großteil der Arbeitnehmer beim Neudörfler Unternehmen Walstead-Leykam keine Lohnerhöhungen, was zur Kritik von Gewerkschaft und Betriebsrat geführt hat. Aber auch die Gemeinde Neudörfl hat ein berechtigtes Interesse daran, dass gute Löhne bezahlt werden. Bürgermeister Dieter Posch erklärt, warum.

Von Christian Artner

Neudörfl ist ein wichtiger Industriestandort. 20 Prozent der Einnahmen, die der Marktgemeinde für Investitionen zur Verfügung stehen, sind über den Umweg der Kommunalsteuer abhängig von den Menschen, die in Neudörfl arbeiten. Deshalb ist nicht nur die Anzahl der Beschäftigten ein entscheidender Faktor, sondern auch die Höhe der Löhne. Wenn gut zwei Drittel der Arbeitnehmer beim Neudörfler Unternehmen Walstead-Leykam ohne Lohnerhöhungen auskommen müssen, ist das ein sozialpolitisches Problem, gleichwohl aber auch wirtschaftlich ein Nachteil für die Gemeinde, gibt Bürgermeister Dieter Posch zu bedenken.

Neudörfl ist ein wichtiger Industriestandort. 20 Prozent der Einnahmen, die der Marktgemeinde für Investitionen zur Verfügung stehen, sind über den Umweg der Kommunalsteuer abhängig von den Menschen, die in Neudörfl arbeiten. Deshalb ist nicht nur die Anzahl der Beschäftigten ein entscheidender Faktor, sondern auch die Höhe der Löhne. Wenn gut zwei Drittel der Arbeitnehmer beim Neudörfler Unternehmen Walstead-Leykam ohne Lohnerhöhungen auskommen müssen, ist das ein sozialpolitisches Problem, gleichwohl aber auch wirtschaftlich ein Nachteil für die Gemeinde, gibt Bürgermeister Dieter Posch zu bedenken.

© shutterstock, terekhov igor | Gemeinde Neudörfl

Dass es beim Neudörfler Druckunternehmen Walstead-Leykam zu einer Nulllohnrunde gekommen ist, hat Bürgermeister Dieter Posch durch die Medien erfahren, berichtet er: „Ich bin weder im Aufsichtsrat noch in irgendwelchen anderen Gremien vertreten. Ich habe zwar Kontakt zu den Vorständen und zu den Betriebsräten. Aber dass ein internationaler Konzern sich von einem Bürgermeister einer Standortgemeinde beeinflussen lässt, ist eine Illusion.“ Das Mandat liege vor allem bei der Gewerkschaft und beim Betriebsrat, die durchwegs, so die Wahrnehmung vom Bürgermeister, sehr engagiert seien. „Wenn der Eigentümer aber auf stur schaltet, ist es mühsam, weil dadurch keine Gesprächsbasis vorhanden ist.“

Neudörfls Bürgermeister: „Stehe natürlich auf Seiten der Arbeitnehmer“

© Marktgemeinde Neudörfl

„Es ist für mich unverständlich, dass nicht einmal die Inflation abgegolten wurde“

Als überzeugter Sozialdemokrat stehe er natürlich auf Seiten der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen: „Es ist für mich unverständlich, dass nicht einmal die Inflation abgegolten wurde. Und es ist unverständlich, dass der Kollektivvertrag vor Jahren, 2017, gekündigt wurde.“ Der Kollektivvertrag aus dem Druckergewerbe sei immerhin der erste gewesen, den es in der Republik Österreich gegeben hat. „Historisches Bewusstsein ist aber in der Wirtschaft nicht unbedingt ein Kriterium, das weiß ich. Die Leute, die heute dort die Fäden ziehen, sind nicht diejenigen, die irgendwann einmal ein Unternehmen gegründet haben und gewusst haben, was der Arbeiter wert ist.“

Beschäftigte im Druckereigewerben hatten traditionell immer sehr gute Arbeitsverträge. Das habe sich im Lauf der Zeit gewandelt, weiß der Bürgermeister. „Früher waren das 'Sirs'. Was dort inklusive Zulagen in einem Monat verdient wurde, haben andere kaum in einem halben Jahr bekommen.“ Sukzessive wurde das heruntergefahren, damit im europäischen Markt konkurrenzfähig produziert werden kann. „Wenn Druckereien in benachbarten Ländern am Wochenende dieselben Gehälter zahlen wie in Österreich unter der Woche und in Neudörfl dreimal so teuer produziert wird, ist klar, wohin ein Auftrag geht.“ Die Entwicklung bereite dem Bürgermeister deswegen schon etwas Sorge. „Depressiv bin ich aber noch nicht.“

20 Prozent des Gemeindebudgets sind abhängig von den Löhnen in Neudörfler Unternehmen

Neben Fundermax und Neudörfler Office Systems ist Walstead-Leykam mit mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines der größten Unternehmen in Neudörfl. Über die Kommunalsteuer fließen drei Prozent der Bruttolöhne eines jeden Beschäftigten in das Gemeindebudget. „Je höher die Gehälter sind, umso höher ist der Beitrag, der unserer Gemeinde für das ordentliche Budget zur Verfügung steht. Für uns als Kommune ist es also nicht nur sozialpolitisch, sondern auch wirtschaftlich interessant, wie viele Beschäftigte es gibt und wie hoch deren Gehalt ist“, so der Bürgermeister. Fast dreizehn Millionen beträgt im Jahr 2025 für das Budget der Gemeinde. Rund 2,5 Millionen oder 20 Prozent davon kommen aus der Kommunalsteuer.

Mit Ausnahme von Walstead-Leykam habe es bei den Neudörfler Betrieben im vorigen Jahr überall gute Lohnabschlüsse gegeben, so der Bürgermeister – unter anderem durch die hohe Inflationsabgeltung. Geringere Kommunalsteuereinnahmen durch Streichung von Arbeitsplätzen, wie zum Beispiel bei Fundermax, können durch höhere Löhne teilweise kompensiert werden. Auf lange Sicht müssen, im Interesse der Gemeinde und einem Budget, das Gestaltungsspielräume ermöglicht, beides, nämlich gute Löhne und sichere Arbeitsplätze, Hand in Hand gehen. „Unsere Budgetdiskussion haben wir heuer unter dem Motto 'Füße stillhalten und unseren laufenden Aufgaben nachkommen' geführt. Wir sind in einer Situation, in der wir bei unserer Infrastruktur – Straßen, Kanal, Bildungseinrichtungen, Feuerwehr etc. – sehr gut aufgestellt und Investitionen nicht akut notwendig sind.“

Auch eine sozialdemokratisch geführte Landesregierung habe nur sehr begrenzt Einfluss auf Lohngestaltung

Betriebsratsvorsitzender Marco Prohaska hat sich für die Herbstverhandlungen neben medialer Aufmerksamkeit auch Unterstützung und Druck der Politik, zumal einer sozialdemokratischen geführten Landesregierung, gewünscht. Bürgermeister Dieter Posch kennt aus seiner Zeit als Landtagsabgeordneter Möglichkeiten und Grenzen, die sich auf Landesebene auftun. Theoretisch und ganz allgemein gesprochen sei etwa denkbar, allfällige Aufträge vom Land Burgenland daran zu knüpfen, dass „faire“ Gehälter gezahlt werden. Inwiefern und ob überhaupt so etwas eine Wirkung auf die Lohngestaltung bei Walstead-Leykam zeigen würde, sei aber fraglich – zumal die öffentliche Hand vermutlich nicht zum Hauptkundenstock der Druckerei zählt, gibt der Bürgermeister zu bedenken.