Neusiedler See: Vom Wasser auf die Straße nach „Flautejahren“

Wirtschaft

Die trockenen Jahre sind vorbei. Das ist die Hoffnung all jener, dessen wirtschaftlicher Erfolg mit dem Wasserstand des Neusiedler Sees fällt und steigt. Momentan sieht es jedenfalls gut aus. Bei Maletschek Nautics setzt man neben dem Bootshandel nun trotzdem auf ein weiteres Standbein.

Von Birgit Böhm-Ritter

Neusiedler See: Vom Wasser auf die Straße nach „Flautejahren“

© Birgit Böhm-Ritter

Der Pegel zeigt um 40 Zentimeter mehr an, als vor einem Jahr als das Minimum (seit 1965) gemessen wurde. Freilich fehlen zum mittleren Wasserstand (115,57 Meter über Adria) noch immer 16 Zentimeter (Stand: 25. März 2024), einer problemlosen Wassersport-Saison am Neusiedler See sollten diese aber nicht im Wege stehen.

Knapp am Totalverlust vorbeigeschrammt

Das freut unter anderem Wolfgang und Dominik Maletschek, die einen renommierten Bootshandel in Weiden am See führen. Nach einem „Katastrophenjahr“ schaut das Vater-Sohn-Duo positiv in die kommende Saison. Nur auf das Geschäft mit dem Bootshandel und dem Yachtservice allein will man sich aber nicht mehr verlassen müssen. Die schlechte Bilanz im Vorjahr mit einem Minus von 69 (!) Prozent war Auslöser, sich ein zweites Standbein zu suchen. Davon später mehr.

Die Misere hat im Sommer 2022 begonnen, als die meisten Bootsbesitzer bereits im Juli und August aufgrund des niedrigen Wasserstands am See ihre Boote aus dem Wasser heben ließen. „Kaum jemand hat dann in ein Yachtservice für die nächste Saison investiert“, erzählt Wolfgang Maletschek. Der Bootsverkauf ging ebenfalls schleppend, mit dem großen Regen im Frühjahr 2023 rechnete schließlich niemand. Für den Neusiedler See verkauften die Maletscheks im Vorjahr kein einziges Boot. „Einige Schiffe gingen nach Kärnten, Oberösterreich und Deutschland. Diese Geschäfte retteten uns vor dem Totalverlust“, berichtet der Senior-Chef im BVZ-Gespräch.

Wassersportler mit Nachholbedarf

Nach den starken Regenfällen im Juni 2023 und dem damit steigenden Wasserstand startete die Segelsaison 2023 zwar doch noch verspätet, aber mit halber Kraft. Für dieses Jahr sieht es weit besser aus. „Die Segler sind ausgehungert und haben einen gewissen Nachholbedarf. Das spürt man auch bei uns im Geschäft“, so Wolfgang Maletschek.

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© Birgit Böhm-Ritter

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Campingfans als neue Zielgruppe

Trotzdem will man nun vermehrt neben den Wassersportlern eine neue Kundengruppe ansprechen, und zwar Campingfans. Vor allem der Junior-Chef Dominik hat Gefallen am Outdoor-Urlaub gefunden und weiß, dass der während der Corona-Jahre entfachte Trend zum Campingabenteuer vor allem bei einer jüngeren Zielgruppe ungebrochen blieb. Nun setzt man auf den Ausbau von Autos bzw. Kleinbussen zum „fahrenden Hotelzimmer“.

Schlafmöglichkeit und Verstauraum werden durch Module mit Schwerlastauszügen geschaffen. Die Formate sind auf die Größe von Euroboxen ausgerichtet, sodass man im Fahrzeug leicht Ordnung halten kann. Die Module werden oft mit einem ausziehbaren Lattenrost kombiniert. Ein komplett ausgebauter Van ist bei Maletschek Nautics in Weiden am See zu besichtigen. Für kleinere Fahrzeuge bieten sich Dachzelte als Schlafmöglichkeit an.

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Neusiedler See: Vom Wasser auf die Straße nach „Flautejahren“

© Birgit Böhm-Ritter

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Die modularen Einbauten sind übrigens auch für Handwerksfirmen interessant. Werkzeug und Zubehör kann strukturiert und gut zugänglich verstaut werden.