Commerzialbank: Chronologie des Desasters

Rückblick

Wie kam es zum Commerzialbank-Skandal? Beim Prozess gegen Ex-Vorständin Franziska Klikovits und drei Unternehmer warf der Oberstaatsanwalt einen Blick zurück.

Von Von Elisabeth Kirchmeir

Am 14. Jänner 2025 begann der Prozess gegen die Ex-Bank-Vorständin und drei Unternehmer.

Am 14. Jänner 2025 begann der Prozess gegen die Ex-Bank-Vorständin und drei Unternehmer.

© BVZ/Kirchmeir

Im Zuge seines Anklagevortrags schilderte Oberstaatsanwalt Wolfgang Handler als Vertreter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft am Dienstag, 14. Jänner 2025 die Entwicklung der Commerzialbank und wie Martin Pucher diese für seine Zwecke missbraucht haben soll.

Martin Pucher sei 1976 in die Raiffeisen Landesbank eingetreten und Leiter der Raiffeisenbank Schattendorf-Zemendorf-Stöttera-Krensdorf-Hirm-Loipersbach-Draßburg-Baumgarten gewesen. „Er war Geschäftsleiter und wurde als Bankdirektor angesprochen“, sagte der Staatsanwalt. 1995 ging aus dieser Bank die Commerzialbank hervor, die anfangs Commerzbank hieß.

Warum es zur Umgründung gekommen sei, lasse sich unter dem Begriff „Meinungsverschiedenheiten“ zusammenfassen, so der Oberstaatsanwalt. Es habe zwischen Pucher und der Raiffeisen Landesbank unterschiedliche Auffassungen zu ausfallgefährdeten Krediten, Eigenkapital und der Revision gegeben.

„Jedenfalls sagte Pucher Adieu oder anders ausgedrückt: Habt’s mi gern!“, formulierte es Wolfgang Handler. Die Zentrale der Commerzialbank befand sich in Mattersburg in der Judengasse, es gab acht weitere Filialen.

„Die Bank florierte durchaus“, sagte Handler. 1999 habe es 35 Dienstnehmer gegeben, 20 Jahre später seien es 74 gewesen.

1997 habe Franziska Klikovits „auf Drängen von Martin Pucher“ die Geschäftsleitung übernommen. „Es ging darum, die fingierten Geschäftskonten im Auge zu behalten“, sagte der Oberstaatsanwalt. „Gemeinsam begangenes Unrecht verbindet“, meinte er.

2018 habe sich das Verhältnis zwischen Pucher und Klikovits verschlechtert, so Wolfgang Handler. Die beiden Vorstände hätten „fast nur mehr schriftlich verkehrt“.

Bei einer Sonderprüfung der Finanzmarktaufsicht vor Ort wurden 2020 Bilanzunregelmäßigkeiten bei der Commerzialbank festgestellt. In weiterer Folge wurde der Bank am 14. Juli 2020 die Fortführung der Geschäfte untersagt. Am 27. Juli 2020 folgte der Antrag auf Insolvenzeröffnung, einen Tag später wurde die Insolvenz eröffnet.

Tausende Kunden machten in weiterer Folge ihre Ansprüche auf Einlagensicherung geltend. Ausbezahlt wurden pro Kunde bis zu 100.000 Euro. Für die restlichen Ansprüche wurden die Commerzialbank-Kunden auf das Insolvenzverfahren verwiesen.