Mit dem Essen Frieden schließen
Start in die Fastenzeit
Der Tag der gesunden Ernährung (7. März) fällt heuer mit dem Beginn der Fastenzeit (5. März) zusammen. Zwei Diätologinnen des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt geben wertvolle Tipps für eine ausgewogene und gesunde Beziehung zum Essen.
Carmen Reichardt und Irene Laschober raten im Gespräch über intuitives Essverhalten zum bewussten Wahrnehmen von Essen und Essverhalten.
© KHBB Eisenstadt
Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal eine Diät ausprobiert? Die meisten von uns haben sich wohl irgendwann mit dem Thema beschäftigt – sei es, um ein paar Kilos zu verlieren oder auf ärztliche Empfehlung hin, etwa zur Verbesserung der Laborwerte. Doch warum ist unser Verhältnis zum Essen oft so widersprüchlich? Irene Laschober und Carmen Reichardt, zwei Diätogolinnen vom Krankenhaus Eisenstadt erklären, wie intuitives Essen gelingen kann – und warum Selbstreflexion dabei eine zentrale Rolle spielt.
Weg von der Diätmentalität hin zu einem intuitiven Essverhalten
Sich von der Diätmentalität zu verabschieden ist der erste und wichtigste Schritt zu einem intuitiven Essverhalten. Zu lernen, auf biologische Hungersignale zu hören ist eine weitere Voraussetzung, um wieder Vertrauen zu sich selbst und seinem Körper aufzubauen, also den Hunger zu honorieren. Eine bedingungslose Erlaubnis zu essen ist Voraussetzung, um Frieden mit dem Essen zu schließen.
Der Essenspolizei den Kampf anzusagen ist genauso wichtig, wie das Gefühl der Sättigung zu spüren. Das ist gar nicht so einfach.
Die Expertinnen raten: „Machen Sie in der Mitte einer Mahlzeit eine Pause und fragen Sie sich: Wie schmeckt das Essen? Wie hoch ist mein Sättigungsgrad gerade? Dadurch lernen Sie ein achtsames Essverhalten. Im verbissenen Eifer, einem Körperideal entsprechen zu wollen, übersehen wir oft den Genuss und die Zufriedenheit, die uns Essen geben kann.“
Den Genussfaktor neu oder wieder entdecken lautet die Devise. Der nächste Griff in die Süßigkeitenschublade lädt ein zu Selbstreflexion: Dient dieser zum bewussten Genuss oder zur Bewältigung von Emotionen? Physiologischer und emotionaler Hunger sind zwei verschiedene Hungerarten, warnen die Diätologinnen. „Während physiologischer Hunger Stunden nach der letzten Mahlzeit entsteht, ist emotionaler Hunger zeitunabhängig. Ersterer steigert sich in der Regel langsam, emotionaler Hunger kommt plötzlich und will sofort gestillt werden. Essenszufuhr stillt den körperlichen Hunger, nicht aber den emotionalen.“
Gesunde Beziehung zum Essen
Den eigenen Körper zu respektieren ist essenziell. Unrealistische Erwartungen erschweren es, sich von der Diätmentalität zu lösen. So banal es klingen mag – Bewegung ist ein Schlüssel dazu. Wer sich aktiv bewegt, spürt den Unterschied. Letztlich liegt die Entscheidung für bestimmte Nahrungsmittel, die unsere Gesundheit erhalten, bei uns. Jene Nahrungsmittel, die der Gesundheit und dem Geschmackssinn guttun, tragen dazu bei, dass wir uns wohlfühlen. Nicht Kalorienzählen und der ständige Blick auf die Waage führen zu einem nachhaltigen Ziel, sondern Achtsamkeit – das bewusste Wahrnehmen von Essen und Essverhalten.
In diesem Sinne servieren Sie sich einen Teller voll achtsamen Essen: Beobachten - schmecken - nicht urteilen - und im Augenblick sein. Die beiden Expertinnen sind überzeugt: „Sie werden den Unterschied schmecken!“
Text: Carmen Reichardt (links im Bild) und Irene Laschober im Gespräch über intuitives Essverhalten
Foto: ©KHBB Eisenstadt