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Karl Markovics: „Burgenland ist das Kalifornien Österreichs“
Zu Gast bei „Herbstgold“
Beim „Herbstgold“-Festival auf Schloss Esterházy liest Schauspieler und Regisseur Karl Markovics am 15. September aus dem Buch „Das Dritte Reich des Traums“. Mit der BVZ sprach er vorab über seine Zugänge, Pläne und musikalischen Vorlieben.
Karl Markovics freut sich auf Eisenstadt. Der Schauspieler und Regisseur liest am Sonntag beim "Herbstgold"-Festival auf Schloss Esterházy.
© Moritz Schell
„Das Dritte Reich des Traums“ umfasst in Buchform Aufzeichnungen der Berliner Autorin Charlotte Beradt: Träume, die zwischen 1933 und 1939 unter der Herrschaft des Nationalsozialismus geträumt wurden. Beim Herbstgold-Festival in Eisenstadt liest Karl Markovics am 15. September (Matinee um 11 Uhr) aus solchen „von der Diktatur diktierten Träumen“.
Ein hochkarätiges Ensemble bringt dazu einst „verbotene“ Musik von Paul Hindemith, Igor Strawinski oder Stefan Wolpe. Der BVZ gab Karl Markovics im Interview Einblick in seine Herangehensweise.
Auf Schloss Esterházy ist eine intensive Matinee zu erwarten – in Form der Texte und ebenso musikalisch. Wie bereiten Sie sich auf die Lesung vor?
Ich bereite mich auf meine Lesungen ähnlich wie auf meine Schauspielrollen vor. Beim Lesen eines Textes entstehen Bilder; das sind manchmal Räume, manchmal Landschaften. Nach und nach füllt sich das Bild mit Gegenständen und Lebewesen, Licht, Farben, Geräuschen und Gerüchen - eine Welt im Kopf. Dann liegt es nur noch an mir.
„Das Dritte Reich des Traums“ wird immer wieder als brandaktuelles Buch genannt. Wie politisch darf dieser Abend gesehen werden?
So politisch, wie man unsere Zeit nur sehen kann: nämlich unbedingt. Wir haben es weltweit erneut mit dem Ungeist des Faschismus zu tun. Er zeigt seine böse Fratze immer unverhohlener, und immer weniger Menschen scheinen ein Problem damit zu haben. Alle reden von der Bedrohung durch den radikalen Islamismus. Aber so entsetzlich diese pseudoreligiös motivierten Terroranschläge im Einzelnen auch sind, sie können unsere Demokratie nicht zerstören.
Zerstören können wir die Demokratie nur selbst; indem wir nicht mehr den Institutionen des Rechtsstaates vertrauen, sondern verbrecherischen Agitatoren, die diese Institutionen zerstören wollen. Und sie werden sie zerstören, sobald sie dazu in der Lage sind. Deshalb ist der Faschismus so gefährlich: weil er nichts anderes tut und nie etwas anderes getan hat, als zerstören.
Als Schauspieler, Bühnenmensch und Regisseur beziehen Sie ebenfalls Stellung zu aktuellen Fragen. Darf es auch einmal direkter sein, wenn Ihnen etwas zuwiderläuft?
Ich halte mich aus parteipolitischem Lagerleben heraus. Wenn es aber um Grund- und Freiheitsrechte geht, um den Schutz der Verfassung und der Menschenrechtskonvention, habe ich eine klare Haltung und eine laute Stimme.
Zwei Tage nach der Lesung wird im Schloss „Die Fälscher“ gezeigt. Für den österreichischen Film bis heute ein Welterfolg mit Oscar. Was bedeutet Ihnen der Film persönlich?
„Die Fälscher“ war eine der größten schauspielerischen und vor allem menschlichen Herausforderungen. Sich auf diese Geschichte einzulassen, hat mich damals mehr gekostet, als mir zunächst bewusst war. Nach den Dreharbeiten war ich mehrere Wochen lang krank. Es fiel mir schwer, wieder in die Gegenwart zurückzukehren, nach all dem, was ich in dieser Geschichte zu erleben hatte und gleichzeitig zu wissen, dass es Menschen gab, die diese Geschichte tatsächlich durchlebt und durchlitten hatten.
Für Ihren Film „Superwelt“ haben Sie auch im Steinbruch St. Margarethen gedreht. Wie eng ist Ihre Beziehung zum Burgenland, was schätzen Sie hier?
Ins Burgenland zu fahren, bedeutet für mich jedes Mal, auf die Sonnenseite Österreichs zu kommen – buchstäblich. Das Licht ist heller, kräftiger und voller. Das Land scheint nirgendwo aufzuhören. Und das tut es auch nicht, seit es den Eisernen Vorhang nicht mehr gibt. Das Burgenland ist das Kalifornien Österreichs. Den Satz werden Sie als Aufmacher verwenden, wetten?
Danke, und stimmt: Das passt sehr gut! Eine Frage noch zu weiteren Projekten – was steht bei Ihnen in den kommenden Monaten am Programm, was darf man schon verraten?
Ich rede nicht gern über Projekte. Ich mache lieber welche.
Bei der Lesung auf Schloss Esterházy stehen teils erschreckende Träume im Mittelpunkt. Darf man unabhängig davon fragen, an welchen Ihrer Träume Sie sich erinnern ...?
Träume gehören zum Persönlichsten, das es gibt. Und mein Persönlichstes gebe ich nicht so ohne Weiteres preis.
Werden Sie beim Festivalbesuch auch Zeit haben, andere Aufführungen zu besuchen? Welche Musik berührt Sie?
Ich fürchte, ich werde keine anderen Konzerte besuchen können, da ich zugleich in Wien vor der Kamera stehe. Mich berührt jede Art von Musik, die es bis zu meiner Seele schafft. Und davon gibt es viele Komponistinnen und Komponisten, Interpretinnen und In-terpreten: Franz Schubert, Randy Newman, Henry Purcell, Dimitri Schostakowitsch, Billie Holiday, Thomas Larcher, Mira Lu Kovacs, Boban Marković, Hildegard Knef, Amy Winehouse und und und
© Herbstgold Festival
Das „Herbstgold“-Festival läuft bis 22. September in Eisenstadt. Am Programm rund um Schloss Esterházy stehen jede Menge Konzerte, eine Filmvorführung und einige Gesprächsrunden. Alle Infos und Karten zur Matinee am 15. September (11 Uhr) und zu allen weiteren Konzerten online auf herbstgold.at