Teuerung, Personalsorgen: Muss sich die Gastronomie neu erfinden?

Erstellt am 18. August 2022 | 05:14
Lesezeit: 3 Min
Weniger Gäste, teurere Speisen – und jetzt bleibt auch das ungarische Personal immer öfter aus. Gastwirte suchen nach Lösungen.
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„Wenn der Sprit zwei Euro kostet, fahren die Leute trotzdem tanken. In der Gastronomie ist es nicht anders, die Gäste werden auch nicht ausbleiben, wenn die Preise steigen“, ist Max Stiegl überzeugt. „Ein Schnitzel um 5,50 Euro wird es so bald nicht mehr geben“, betont der Star-Koch vom Gut Purbach. Denn die Preisanpassungen müsse man als Gastronom „natürlich an den Kunden weitergeben“.

Das ist aber genau die Gratwanderung, der man nun allerorts gegenüberstehe, erinnert seitens der Wirtschaftskammer Sparten-Geschäftsführer Franz Perner. Wenn sich Energiepreise teilweise verdoppeln, brauche es spezielle Angebote der Energieversorger. Und: Generell strukturiert sich die Branche derzeit um – hin zu Foodtruck und Imbiss, weg vom klassischen Wirtshaus.

„Wir können nicht nur vom Sonntag leben“

Ein Lied davon singen kann Matthias Mirth, der im Südburgenland zwar mehrere Standbeine hat, aber wie alle händeringend nach Personal sucht: „Auch in der Grenzregion arbeiten die Leute zum Beispiel lieber an Tankstellen.“

An andere Orte – oder in den privaten Raum – habe sich auch das Besucherverhalten verschoben. An Wochenenden ist viel los, dann seien die Gäste auch bei längeren Wartezeiten sehr geduldig, aber: „Das Dorfwirtshaus, in dem man den ganzen Tag Leute begrüßt, das gibt‘s so nicht mehr.“

Während sich Mirth wie viele andere Antworten von der Politik wünscht (weniger Lohnnebenkosten, bessere Konditionen für jene, die mehr als 40 Stunden arbeiten), kennt Stiegl die obligatorischen Personalnöte nicht: Er habe einen konstanten Personalstamm, was auch mit dem Mindestlohn des Landes zusammenhängen könnte, den Stiegl in seinem Betrieb übernommen hat.

In seinem zweiten Restaurant wird in einer Vier-Tage-Woche gearbeitet, für das Gut Purbach gibt es ähnliche Pläne. Der Personalmangel sei aber ohnehin ein temporäres Problem. „Wenn die Preise im Herbst weiter steigen, werden die Leute alle Stellen annehmen müssen.“

Dass immer öfter auch die Gastro-Mitarbeiter aus Ungarn wegfallen, sieht Bertold Dallos von der „vida“ vor allem in den Spritpreisen begründet: Bricht die Preisdeckelung in Ungarn weg, befürchtet Dallos, „dass das Pendeln zum Arbeitsplatz ins Nachbarland für viele kaum noch leistbar sein wird“.

Und: „Die Mehrbelastung der Grenzpendler, die tagtäglich auf das Auto angewiesen sind, muss erkannt und anerkannt werden“, fordert vida-Vorsitzender Erich Mauersics höhere Löhne in der Gastronomie. Dazu müssten wohl aber erst die Forderungen der Gastronomie an Politik und Co. erfüllt werden.

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