Neusiedler See: Offene Fragen nach Sperre. Dass die Hütten und die Campingplätze gesperrt werden, sorgt auf allen Seiten des Neusiedler Sees für Unverständnis.

Von Peter Wagentristl und Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 09. April 2020 (04:26)
Wagentristl

Bereits Mitte März erfolgte eine Schließung der Camping- und Mobilheimplätze auf Verordnung der Landesregierung. Begründet wurde dies mit den Auswirkungen möglicher Corona-Fälle in diesen Einrichtungen: „Gäbe es angenommen keine Schließungen und dann einen erkrankten Gast, so wäre der bleibende Schaden sicher bei Weitem höher“, heißt es in der Antwort auf eine BVZ-Anfrage bei Tourismus Burgenland- Geschäftsführer Hannes Anton. Vergangene Woche wurde zudem auch das Betreten von Seehütten und das Einlassen von Booten durch die Landesregierung untersagt.

„Gäbe es angenommen keine Schließungen und dann einen erkrankten Gast, so wäre der bleibende Schaden sicher bei Weitem höher“

Anna Steiger spricht dabei für die „Interessensgemeinschaft der Hüttenbesitzer Rust“ (IGDH) ihre Bedenken aus: „Vorangestellt sei natürlich, dass wir alle Maßnahmen unterstützen, die der Eindämmung der Pandemie dienen. Die Sperre verstehen aber viele nicht — es gibt kaum einsamere Orte als eine Seehütte.“ Gerade zu Ostern wollten viele schon das schöne Wetter in Rust genießen, „das war für viele ein Lichtblick.“ Die Stege seien zwar eng, aber man sehe weit genug um sich aus dem Weg zu gehen. „Wenn man die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme nicht versteht, fällt es einem schwerer, sie zu befolgen.“

Daher habe sich der Verein bereits in einem Schreiben an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gewandt. „Wir haben darin unser grundsätzliches Verständnis formuliert, würden aber gerne an einer Lösung mitarbeiten, die für alle tragbar ist“, erklärt Steiger im Gespräch mit der BVZ. Die Entscheidung der Landesregierung sieht sie vor allem emotional, nicht faktisch begründet. Problematisch sei auch, dass „es wirkt, als wolle man keine Leute von außerhalb im Ort haben, damit diese keine Corona-Fälle in die bisher verschonte Gemeinde Rust einschleppen.“

Minderung von Pacht und Mieten am See?

Im Büro der Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf sieht man das anders. Auf Anfrage der BVZ heißt es, Seehütten seien oft sehr beengt - der kleine Außenbereich ebenso, sodass bei Schönwetter die Abstandsvorschriften nicht eingehalten werden könnten. Außerdem seien Seehütten oft nur über die Wasserfläche erreichbar, wodurch sich bei Krankheitsfällen eine Bergung der Betroffenen schwierig gestalte.

Die Interessensgemeinschaft der Hüttebesitzer fordert unterdessen eine Reduktion der Pacht für die Hütten und der Miete und Erhaltungsbeiträge für die Stege, sollte die Sperre noch länger dauern. Diesbezüglich sei man auch in Verhandlung mit Anwälten. Die Pacht geht dabei an die Esterházy Stiftung, die Kosten für die Stege an die Gemeinde.

Seitens der Freistadt Rust gibt sich Bürgermeister Gerold Stagl diplomatisch: „Wir prüfen gerade den juristischen Sachverhalt. Die Saison hat aber noch nicht begonnen, es gilt abzuwarten.“ Für die Beantwortung dieser Frage sei jedenfalls noch Zeit. „Wenn eine Nutzung auch nach Saisonbeginn (Anfang Mai) noch nicht möglich ist, wird man Überlegungen in dese Richtung anstellen müssen“, hält sich Stagl die Option offen.

„Wir prüfen gerade den juristischen Sachverhalt. Die Saison hat aber noch nicht begonnen, es gilt abzuwarten.“

Das Betretungsverbot von Seebädern, Seehütten, Stegen und Hafenanlagen wurde bis einschließlich 13. April ausgesprochen. Eine Verlängerung über das Osterwochenende hinaus kann aber selbst von Landesrätin Eisenkopf nicht ausgeschlossen werden: „Je nach Entwicklung der Zahlen der Neuinfizierten wird eine Neubewertung einer allfälligen Verlängerung oder einer Beendigung der Verbote erfolgen.“

Ausgenommen von der Sperre sind gewerbliche Tätigkeiten wie etwa das Ausbaggern von Schlamm und Schilf. Zudem bestehe die Möglichkeit, um Einzelgenehmigungen anzusuchen, wenn diese „begründbar und nachvollziehbar“ sind. Die Bezirksverwaltungsbehörde könne Ausnahmen des Betretungsverbotes erteilen, etwa wenn ein Eigentümer oder Besitzer der Seehütte dort einen Wohnsitz begründe, heißt es im Büro von Landesrätin Eisenkopf.