Dreister Diebstahl bei Billa: Fünf Ungarinnen verurteilt

Kunden zeigten Courage

Lebensmittel und Hygieneprodukte im Wert von 902 Euro hatten fünf Ungarinnen am Silvestertag um die Mittagszeit beim Billa in Donnerskirchen gestohlen. Zwei Kunden ist es zu verdanken, dass sie gefasst und angeklagt wurden.

Von Elisabeth Kirchmeir

Zunächst befand sich nur eine der Ladendiebinnen im Gerichtssaal: Jene Frau, die vor Ort verhaftet worden war.

Zunächst befand sich nur eine der Ladendiebinnen im Gerichtssaal: Jene Frau, die vor Ort verhaftet worden war.

© BVZ/Kirchmeir

Am 31. Dezember 2024 waren die Geschäfte um die Mittagszeit voll. So auch die Billa-Filiale in Donnerskirchen, wo eine 40-jährige Ungarin, ihre 30-jährige Schwester, ihre beiden Töchter im Alter von 23 und 24 Jahren und eine mit ihr verschwägerte Frau im Alter von 31 Jahren zwei Einkaufswagen durch die Gänge schoben und mit Waren mit einem Gesamtwert von 902 Euro füllten.

Anstatt die Kassen anzusteuern, lenkten die beiden jüngsten Frauen die mit Dutzenden Waren befüllten Einkaufswagen durch die Eingangstüre hinaus ins Freie. Dort liefen sie einem couragierten Kunden in die Arme. „Mir fiel auf, dass sie mit zwei vollen Einkaufswagen beim Eingang herauskamen“, sagte der Zeuge nach der Verhandlung am 20. Februar 2025 zur BVZ-Reporterin.

Geistesgegenwärtig habe er die Frauen gefragt, ob sie einen Kassabon hätten. Zufällig kam ein Bekannter gerade vom Einkaufen heraus und wunderte sich noch, warum ihn sein Freund nicht wie gewohnt begrüßte. „Ich war völlig fokussiert“, sagte der erste Kunde.

Sein Freund verständigte die Polizei, er selbst fragte bei den Kassen nach, ob die Frauen bezahlt hätten. Diese ließen in der Zwischenzeit die vollen Einkaufswagen stehen und schlugen den Weg zur nahegelegenen Tankstelle ein.

Eine Billa-Angestellte und die beiden Kunden riefen den flüchtenden Frauen nach, um sie aufzuhalten, eine Polizistin, die sich zum privaten Einkauf am Gelände befand, eilte ihnen nach. Jener Kunde, der als Erster auf den Diebstahl aufmerksam worden war, hatte erkannt, welches Auto den Ungarinnen gehörte, und blockierte dieses, indem er sein eigenes Fahrzeug davor parkte.

„Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“, stellten die couragierten Kunden fest.

Eine der beteiligten Frauen wurde nach dem Diebstahl in Untersuchungshaft genommen. Sie war erst am 28. November 2024 am Landesgericht Eisenstadt wegen Diebstählen verurteilt worden.

„Sie sind schon wieder da“, bemerkte die Richterin nun. „So ist es“, bestätigte die Angeklagte. Ihre vier Komplizinnen waren auf freiem Fuß angezeigt worden, weil ihre Strafregisterauszüge aus dem Ausland am Tag des Diebstahls nicht vorlagen. Drei von ihnen weisen ebenfalls Vorstrafen wegen Diebstahls und anderer Delikte auf.

Sie erschienen am 20. Februar mit Verspätung im Gerichtssaal. Die Richterin vernahm zunächst jene 30-jährige Frau, die zuletzt Ende November verurteilt worden war. „Es stimmt nicht. Ich habe nichts gestohlen“, behauptete diese . Dann gab sie zu, eine Stange Salami und einen Energydrink in einen Einkaufswagen gelegt zu haben. „Das Geld hätte ich meiner Nichte dann schon gegeben“, meinte sie.

„Keine von Ihnen hatte Geld mit“, hielt ihr die Richterin vor. „Wie hätten Sie das bezahlen wollen?“, fragte sie. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht mitgekommen und ins Geschäft gegangen“, so die 30-Jährige. Sie schwörte auf Gott und das Leben ihrer Mutter, dass sie nicht gewusst habe, was die anderen vorhatten. „Ich habe noch nie in Geschäften gestohlen, sondern nur in Häusern“, argumentierte die Frau.

Die Richterin erinnerte sie daran, dass die Staatsanwaltschaft den Widerruf von zehn Monaten bedingter Haft beantragt hatte, jener Strafe, die die 30-Jährige im November des Vorjahres bekommen hatte. „Ich bitte das hohe Gericht und die Staatsanwaltschaft, die alle sehr gutmütig sind, um Entschuldigung“, entschloss sich die Angeklagte nun zu einer Kehrtwendung. „Ja. Ich habe eine Stange Salami und einen Energydrink gestohlen. Tschuldigung, tschuldigung, tschuldigung.“

„Es war also vereinbart, dass die Waren gestohlen werden?“, vergewisserte sich die Richterin. „Es gab kein Geld“, bestätigte die Angeklagte.

Die Richterin rief eine der jungen Angeklagten in den Verhandlungssaal. „Wir wollten nicht stehlen, sondern einkaufen“, behauptete diese. Erst im Geschäft sei ihnen aufgefallen, dass sie kein Geld mithatten. Nach Österreich seien sie zum Einkaufen gefahren, weil „hier die Sachen billiger“ seien und es Süßigkeiten gebe, die man in Ungarn nicht kaufen könne.

„Aber Sie haben keine Süßigkeiten genommen“, wunderte sich die Richterin.

Jene Frau, die die anderen nach Donnerskirchen gefahren hatte, gab zu, Käse und Schinken in die Einkaufswagen gelegt zu haben. Es sei aber nicht ausgemacht gewesen, dass die Waren gestohlen werden sollten.

„Wir schoben die Einkaufswagen hinaus, weil wir so aufgebracht waren, weil wir das Geld zuhause vergessen hatten“, sagte die 23-jährige Angeklagte.

„Meine sehr verehrte Richterin, ich wusste nicht, dass die Mädels dort im Geschäft stehlen“, behauptete die Mutter. Auf die Frage, warum sie den Billa in Donnerskirchen ausgesucht hatten, antwortete die Frau mit einem fünfmal wiederholten „nem tudom“ („ich weiß es nicht“).

Für die Billa-Filiale entstand ein Schaden von 350 Euro, weil die gekühlten Waren entsorgt werden mussten.

Vier Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen einem Monat und zehn Monaten bedingt verurteilt. Die 30-jährige, in Österreich vorbestrafte Frau muss von 15 Monaten Haft fünf verbüßen, sie kommt erst Ende Mai frei.

An die Billa AG müssen die Frauen 350 Euro bezahlen. Die Angeklagten nahmen das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.