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Wie die Tulpe ins Südburgenland kam
Carolus Clusius
Im 16. Jahrhundert entstand in Güssing ein Werk von europäischer Bedeutung. Heute zählt die Klosterbibliothek der Franziskaner zu den größten Kulturschätzen des Landes – mit einem Unikat, das bis heute die Forschung prägt. Der Botaniker Carolus Clusius feiert am 18. Feber seinen 500. Geburtstag.
Pater Anton Bruck, Gert Polster, Kurator der Sonderausstellung zum Jubiläumsjahr „500 Jahre Batthyány auf Burg Güssing“ und Burgmanager Gilbert Lang (v.l.) in der Klosterbibliothek.
© Klosterstiftung
Ein flämischer Universalgelehrter, ein pannonischer Landstrich und ein Buch, das bis heute als Meilenstein gilt: Carolus Clusius schrieb im 16. Jahrhundert in Güssing die erste wissenschaftliche Pflanzenkunde des pannonischen Raums. Sein Werk zählt zu den bedeutendsten frühen naturwissenschaftlichen Publikationen Mitteleuropas – und ist bis heute in der Klosterbibliothek in Güssing erhalten.
Clusius wurde am 18. Februar 1526 in Arras geboren, das damals zu den Spanischen Niederlanden gehörte und heute in Frankreich liegt. Er stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie und erhielt eine umfassende humanistische Ausbildung. Seine Studien führten ihn unter anderem nach Leuven, Wittenberg und Montpellier. Früh entwickelte er ein Interesse an Medizin und Pflanzenkunde.
Im Laufe seines Lebens unternahm Clusius ausgedehnte Forschungsreisen durch große Teile Europas. Seine Wege führten ihn nach Spanien, Portugal, Frankreich, England, Österreich und Ungarn. Dabei sammelte er Pflanzen, beschrieb neue Arten und tauschte sich mit Gelehrten seiner Zeit aus. Seinen wissenschaftlichen Wirkungskreis fand er schließlich im pannonischen Raum.
Als Gast am Hof der Familie Batthyány hielt sich Clusius in Güssing und Schlaining auf. Hier verfasste er jenes Werk, das 1584 veröffentlicht wurde und die Flora des pannonischen Raums erstmals systematisch beschrieb. Besonderes Augenmerk legte er auf die Pflanzen des heutigen Südburgenlandes. Er brachte auch die ersten Tulpen in die Region.
Sein bedeutendstes Werk wird bis heute in der Klosterbibliothek in Güssing aufbewahrt. Diese ist zwar verhältnismäßig klein, ihre Bedeutung jedoch enorm. Der Bestand umfasst 3.485 Bände mit 540 Werken, darunter 212 Inkunabeln sowie mehrere Handschriften.
Franziskaner-Pater Anton Bruck, der die Bibliothek betreut, unterstreicht den außergewöhnlichen Wert:
„Die Bedeutung liegt darin dass es ein Unikat ist. Es ist nur eine einzige Ausgabe vorhanden und so bedeutsam, weil es auch hier von einem Wanderdrucker gedruckt worden ist“, sagt er.
Zum Inhalt erklärt er:
„Das Buch enthält eigentlich drei Werke und darunter den Nomenclator, der nur 34 Seiten umfasst. Und Clusius war natürlich ein bedeutender Wissenschaftler, der mehrere Pflanzen nach Güssing brachte. Was aber noch viel wichtiger ist. Er hat die Pflanzen des Südburgenlandes beschrieben. Er ist hinaus gegangen und hat sich Namen auf ungarisch und kroatisch sagen lassen und hat den Pflanzen lateinische Namen gegeben. Seit damals haben wir Kenntnis über die Flora des Gebietes“, so Pater Anton.
1638 empfing Graf Adam Batthyány die Franziskaner in Güssing und übergab ihnen ein auf alten Fundamenten neu errichtetes Kloster samt Kirche. Nach der Fertigstellung wurde die wertvolle Bibliothek von der Burg in das Kloster verlegt.
Der erste erhaltene Katalog stammt aus dem Jahr 1742 und wurde vom damaligen Guardian P. Kaspar Vuketics erstellt. Zu den bedeutendsten Werken zählen der „Nomenclator Pannonicus“ von Carolus Clusius, 1583 in Güssing von Johann Manlius gedruckt, sowie ein Fragment des „Willehalm-Epos“ von Wolfram von Eschenbach.
Beide Werke galten zeitweise als verschollen. Das „Willehalm-Epos“ wurde im Archiv des Landes Burgenland in Eisenstadt wiederentdeckt und von Guardian P. Gilbert Haas nach Güssing zurückgebracht. Auch das einzigartige Werk von Clusius fand über Umwege seinen Weg zurück in die Klosterbibliothek.
Stiftungsmanager Gilbert Lang würdigt das Engagement vor Ort:
„Ich bin froh, dass sich Pater Anton Bruck mit seinem großem Fachwissen und persönlichem Einsatz voll und ganz der Klosterbibliothek widmet. Anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Burgenland wurde dazu unter seiner Federführung ein Festband herausgegeben.“
Am 18. Februar 2026 jährt sich der Geburtstag von Carolus Clusius zum 500. Mal. Was er im Südburgenland schuf, ist bis heute von wissenschaftlicher Bedeutung – und ein kulturelles Erbe, das Güssing und Schlaining dauerhaft mit der Geschichte der Forschung verbindet.
Carolus Clusius wurde von Kaiser Maximillian II nach Wien eingeladen, um neue Gärten in Wien anzulegen und neue Pflanzen wie den Flieder, die Roßkastanie, oder die Tulpe erstmals zu kultivieren. Nach dem Tode des Kaisers im Jahre 1576 musste der Protestant Clusius den Kaiserhof verlassen und so kam er dann auf die Burg Güssing um hier die pannonische Flora und Fauna zu erforschen.
Mit dem Forscher kam wohl auch die Tulpe ins Burgenland. Was aber nicht so sicher ist, denn die beliebte Gartenblume war damals eine der teuersten Zierpflanzen überhaupt. Clusius Arbeiten galten jahrhundertelang als das wissenschaftliche Standardwerk über die Flora Österreichs. Das ist Fakt.
Eine stattliche Zahl an Pflanzenarten sind nach Carolus Clusius benannt. Clusius-Enzian (Gentiana clusii), Clusius-Primel (Primula clusiana), Clusius-Fingerkraut (Potentilla clusiana), Clusius-Brombeere (Rubus clusii), Clusius-Pfingstrose (Paeonia clusii), oder Clusius-Schafgarbe (Achillea clusiana), namensgebend für die Clusiengewächse (Clusiaceae) ist. Die tropische Pflanzengattung der Clusien trägt den Namen des großen Botanikers ebenfalls.