Seit vier Jahren gibt es den Sonnenmarkt in Güssing. Die Bilanz fällt positiv aus, doch die steigenden Lebenshaltungskosten bringen immer mehr Menschen in finanzielle Bedrängnis.
1,5 Tonnen schweren Amethyst gestohlen?
Drogendealer im Verdacht
Ein 41-jähriger Drogendealer aus dem Bezirk Güssing muss sich wegen des Verkaufs von Kokain und Cannabis und eines ungewöhnlichen Diebstahls vor Gericht verantworten.
Der Angeklagte (rechts) im Gespräch mit seinem Anwalt.
© BVZ/Kirchmeir
Außergewöhnlich viel Interesse herrschte am Montag, 25. November 2024, am Strafprozess gegen einen gebürtigen Deutschen. Dieser hatte Verwandte und Freunde über den Prozesstermin informiert und es kam so viel Publikum, dass die im Gerichtssaal bereitstehenden Stühle gar nicht ausreichten.
Wer keinen Platz mehr fand, musste draußen warten.
Drinnen erfuhr man, dass der Untersuchungshäftling im Südburgenland als „Don P****“ bekannt ist. „Das ist ein Spitzname, den er sich selbst gegeben hat“, informierte der Staatsanwalt. Die Anklage selbst sei jedoch kein „Drehbuch“, es gehe um den Handel mit 1,5 Kilo Kokain, ein wenig Cannabiskraut und Cannabisöl und um den Diebstahl eines 1,5 Tonnen schweren Amethysten im Wert von angeblich 50.000 Euro.
„Mein Mandant nennt sich Don P**** des Südburgenlands, da denkt man an Miami Vice, Jetset, Tonnen von Kokain und Mädchen in Bikini“, meinte der Verteidiger. „Wir werden erleben, wie weit weg das ist“, kündigte er an.
Verteidiger: „Dorfjugend erwarb grammweise Kokain“
„Grammweise“ habe die „Dorfjugend“ bei dem Angeklagten Kokain erworben. Vor der Polizei hätten die Zeugen aber „unrealistische Angaben“ gemacht.
Sein Mandant sei kein „großer Dealer“, sondern ein „kleiner, der an die Endkonsumenten verkauft“, so der Anwalt.
„Wie kamen Sie dazu, Suchtgift zu verkaufen?“, frage die Richterin den Angeklagten. „Toxisches Umfeld, falsche Freunde. Das hat sich hochgesteigert“, meinte der Angeklagte. Er sei seit drei Jahren abhängig von Kokain und konsumiere ab und zu Cannabis.
„Wie kamen Sie zu den Abnehmern?“, frage die Richterin.
Angeklagter: „Man feierte Partys, der Alkohol floss in Strömen“
„Man feierte Partys, der Alkohol floss in Strömen“, sagte der Angeklagte. Über seine Lieferanten wollte er nicht sprechen.
Die verkauften Mengen seien weit geringer, als von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Dem Enkel seines Nachbarn will er nicht 200 sondern „nur“ 40 Gramm Kokain verkauft haben. „Wussten Sie, wie alt er ist?“, fragte die Richterin. „Er war Lehrling“, informierte sie ihn.
„Richtig, deshalb frage ich mich, wie er sich 200 Gramm leisten kann. Das sind 20.000 Euro“, erwiderte der Angeklagte. „Er sagte, Sie wussten über sein Alter Bescheid“, sagte die Richterin. „Kurz vor 18 ist er gewesen“, gab der Angeklagte zu.
Zeugen sollen berichtet haben, dass der Angeklagte damit prahlte, in Besitz einer großen Menge Kokain gewesen zu sein.
Von „Kokainstein“ Mengen „abgezwickt“?
„Das stimmt nicht. Ich hatte keinen Riesenstein“, sagte der Dealer. Zeugen hatten erzählt, dass der Angeklagte von einem „Kokainstein“ Mengen „abgezwickt“ haben soll.
Die Richterin nannte Namen von Abnehmern und in den meisten Fällen relativierte der Angeklagte die verkauften Mengen nach unten.
„Wieso werden Sie zu Unrecht überschießend belastet?“, wunderte sich die Richterin. „Gibt es Groll gegen Sie?“ - „Anscheinend“, antwortete der Angeklagte.
Den Besitzer des Riesen-Amethysten habe er vor zwei Jahren kennengelernt. Es handelt sich um einen älteren Mann aus dem Bezirk Oberwart, der sich im Rollstuhl fortbewegt. Der angeblich 1,5 Tonnen schwere Stein befand sich im Dachboden. Um ihn von dort wegzubringen, musste das Dach abgedeckt und ein Hebekran verwendet werden. Der Abtransport erfolgte am 11. August 2023.
Amethyst wurde mit Kran aus dem Haus geholt
„Der Amethyst sollte verkauft werden“, sagte der Angeklagte. Der Besitzer habe ihn damit beauftragt, sich darum zu kümmern. Hinsichtlich des Werts habe er „im Internet geschaut“, und festgestellt: „50.000 Euro kommt schon hin.“
Beim Herunterheben sei der Stein beschädigt worden. Er habe ihn dann in eine Halle transportiert, so der Angeklagte.
Der Besitzer des Amethysten habe jedoch verlangt, dass das wertvolle Mineral wieder in sein Haus gebracht wird. Dazu war es aber nicht mehr gekommen.
Amethyst-Besitzer beklagt auch Verschwinden von Holzadlern
Aus dem Haus des gehbehinderten Mannes waren auch zwei Holzadler im Wert von jeweils 2.000 Euro und sechs Perserteppiche verschwunden. Einen der Adler habe einer der Männer mitgenommen, die beim Abtransport des Amethysten geholfen hatten, so der Angeklagte. Wo sich der andere Vogel befindet, wisse er nicht.
Die Teppiche seien bei einem Mann eingelagert, der für den älteren Herrn gekocht habe. „Ob er die Teppiche zurückbrachte, weiß ich nicht“, sagte der Angeklagte. Er sei schon ein halbes Jahr lang in Untersuchungshaft.
Der Prozess wurde vertagt. Beim nächsten Termin sollen die Abnehmer zu den von ihnen angegebenen Suchtgiftmengen befragt werden.