Ab heute: Gottesdienste im kleinen Kreis. Die neuen Richtlinien stellen Pfarrgemeinden vor Herausforderungen. Kleinere Pfarren warten mit dem Start der öffentlichen Messen noch ab.

Von Birgit Böhm-Ritter, Saskia Jahn und Paul Haider. Erstellt am 15. Mai 2020 (06:41)
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In der Pfarrkirche in Neusiedl am See wurden bereits die möglichen Sitzplätze für die Gottesdienstbesucher markiert: Nur in jeder dritten Reihe darf Platz genommen werden.
BBR

Der 15. Mai gilt als weiterer Stichtag für Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Auch das religiöse Leben soll sich langsam wieder dem Alltag annähern. Öffentliche Gottesdienste sind dann wieder erlaubt.

Allerdings nur für kleine Gruppen und unter besonderen Bedingungen, die die Vertreter der 16 anerkannten Religionsgemeinschaften und Kirchen mit den zuständigen Stellen der Österreichischen Bundesregierung ausverhandelt haben. Ganz klar gelten auch in den Gotteshäusern eine strenge Abstandsregel, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Desinfizieren der Hände.

In der Stadtpfarre Neusiedl am See hat man sich bereits auf die Öffnung der Gottesdienste vorbereitet. Einer Messe dürfen dort künftig insgesamt 40 Personen beiwohnen, denn es gilt die Regel: Eine Person pro 10 Quadratmeter der Gesamtfläche, dazu müssen Personen, die nicht in einem Haushalt leben, zwei Meter Abstand zueinander halten. „Wir haben nun in der 400 Quadratmeter großen Kirche alles genau ausgemessen und in der Kirche Sitzpölster verteilt. Nur dort darf man Platz nehmen. De facto darf nur jede dritte Reihe besetzt werden“, erklärt Ratsvikar Peter Goldenits auf Anfrage der BVZ. Wer eine Messe in Neusiedl am See besuchen möchte, muss sich zuvor in der Pfarrkanzlei ( 02167/7200) anmelden. Wie in allen Kirchen wird ein „Willkommensdienst“ die Gottesdienstbesucher beim Eingang empfangen. Dieser soll auf das Einhalten der Bestimmungen und eine angemessene Platzwahl hinweisen und achten.

Ausschließen will man in Neusiedl am See aber niemanden, der gerne einen Gottesdienst besuchen möchte. Deshalb hat man sich in der Stadtpfarre entschlossen, nun mehr Gottesdienste zu feiern. Außer am Dienstag und Donnerstag gibt es ab 15. Mai nun täglich eine Messe.

Das größte Gotteshaus des Bezirks ist die Basilika in Frauenkirchen. Laut Pater Thomas Lackner dürfen sich nach den neuen Bestimmungen dort maximal 156 Personen gleichzeitig aufhalten. Eine Anmeldung zu den Gottesdiensten sei nicht notwendig, da deren Organisation den Rahmen sprengen würde.

Messe per Lautsprecher vor der Basilika

„Es wird ganz simpel gehalten: Sobald die maximale Anzahl erreicht ist, darf keine weitere Person die Kirche betreten. Es werden daher erstens Lautsprecher am Kirchenplatz aufgestellt, sodass man trotz eventuellem Einlassstopp mitfeiern und an dem Gottesdienst teilnehmen kann und zweitens planen wir, falls Bedarf besteht, am Sonntag einen zusätzlichen, einen dritten Gottesdienst zu feiern“, erklärt Pater Thomas und ruft die Gläubigen aber gleichzeitig auf, die Gottesdienste unter der Woche zu besuchen, damit sich alles besser verteile. Der älteren Generation, der Risikogruppe, legte er nahe, noch zwei, drei Wochen abzuwarten, „damit sich alles gut einspielen kann.“ Auf größere Pilgergruppen wird die beliebte Wallfahrtskirche noch einige Zeit warten müssen. Laut der Verordnung durch die Bischofskonferenz sind kirchliche Großveranstaltungen bis Ende August untersagt. Dazu zählen auch Wallfahrten in Großgruppen. „Auch wenn heuer große Wallfahrten, wie schon gesagt, nicht möglich sein werden, sind Einzelpersonen und kleine Wallfahrtsgruppen herzlich willkommen, natürlich immer unter der Voraussetzung, dass ein Mund-Nasenschutz getragen und der erforderliche Abstand eingehalten wird“, betont Pater Thomas.

„Alle Gottesdienste in der Basilika werden übrigens online übertragen. Darüber hinaus ist die Kirche täglich von 6 bis 21 Uhr für jedermann geöffnet.“

Wenn es um die Einhaltung der neuen Abstandsregeln geht, stehen vor allem kleine Gotteshäuser vor einer großen Herausforderung. So etwa in Neudorf: In der örtlichen Pfarrkirche dürften, gemäß der Vorgaben der Bischofskonferenz, künftig nur noch 20 Personen gleichzeitig anwesend sein. „Und wie sage ich dann dem 21. Besucher, dass er nicht mehr reingehen darf?“, gibt Franz Borenitsch, Pfarrer in Neudorf und Parndorf, im BVZ-Gespräch zu bedenken. In beiden Ortschaften werde es laut Borentisch am kommenden Sonntag höchstwahrscheinlich noch keine Messen geben. Der Geistliche will zunächst Erfahrungswerte anderer Pfarren abwarten und die weitere Vorgangsweise mit den Pfarrgemeinderäten abstimmen.