Pflegeheime rüsten sich für Besucher

Angehörige dürfen nun Bewohner treffen. Fiebermessungen, Gesichtsschutz und Hygienemaßnahmen sind Pflicht.

Erstellt am 01. Mai 2020 | 04:14
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Die Pflegeheime im Neusiedler Bezirk bereiten sich derzeit intensiv vor: Es gilt, die Einrichtungen nach den neuen Richtlinien besucherfit zu machen.

Seit Mitte März sind praktisch keine Treffen Angehöriger in den Pflegeheimen möglich. Ab 9. Mai werden Bewohner nun unter bestimmten Voraussetzungen wieder Besucher empfangen können. Im Diakoniezentrum in Gols sieht man hoffnungsfroh in die Zukunft, denn die Nähe der Angehörigen habe den Bewohnern schon sehr gefehlt, wie Zivildiener Thirawat Starits der BVZ berichtete. Er wird gemeinsam mit seinen Zivi-Kollegen Elias Schmelzer und Paul Sommer künftig eine Art „Supervisor-Rolle“ übernehmen.

„Ich bin froh, dass wir drei Zivildiener zugewiesen bekommen haben, ohne diese wäre das Besuchermanagement kaum zu schaffen“, sagt Geschäftsführer Christian Göltl gegenüber der BVZ. Die drei jungen Männer werden über eine eigene Telefonnummer die Terminplanung der Besuche übernehmen sowie die Besucher vor Ort einweisen. Für diese ist – wie in allen Pflegeheimen – das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend. Bevor die Angehörigen die Besucherplätze, von denen zwei im teils überdachten Hof eingerichtet wurden, einnehmen, müssen die Hände desinfiziert und die Körpertemperatur gemessen werden.

Die Gegebenheiten in Gols sind für die neue Begegnungszone günstig. Die Heimbewohner werden im Speisesaal sitzen und mit ihren Angehörigen über ein Fenster, das in den Hof geht, sprechen können, geschützt durch eine Plexiglasscheibe. „Zwischenmenschliche Berührungen sind leider weiterhin nicht möglich, aber wir müssen auf den Schutz unserer Bewohner achten“, betont Göltl. Er befürchtet einen Besucheransturm zu Muttertag, deshalb betont er: „Es können maximal zwei Besucher gleichzeitig – und nur einer pro Bewohner – kommen und die Besuchsdauer ist auf 30 Minuten begrenzt.“

Ins gleiche Horn stößt Caritas-Sprecherin Ulrike Kempf: Gerade zu Muttertag werde man nicht alle Wünsche erfüllen können, befürchtet sie. Die Caritas betreibt vier Altenwohn- und Pflegezentren in Burgenland, darunter das Haus St. Nikolaus in Neusiedl am See. Dort ist man gerade dabei, das dazugehörige Café zum Kontaktraum mit zusätzlicher Plexiglas-Trennwand umzufunktionieren. „Wir sind bemüht, die notwendigen baulichen und räumlichen Schutzvorkehrungen so rasch und effizient wie möglich umzusetzen und hoffen, das benötigte Material wie zum Beispiel Plexiglas auch rechtzeitig geliefert zu bekommen. Davon wird auch die langsame Öffnung der Häuser bis 9. Mai abhängig sein“, erklärt Kempf.

Besuche gestalten sich anders

Das SeneCura Sozialzentrum Frauenkirchen möchte den Bewohnern und Angehörigen getreu seiner „Näher am Menschen“-Philosophie ein Stück Normalität zurückgeben, „auch wenn die aktuellen Lockerungen der Maßnahmen leider noch lange keine Rückkehr zur alten Normalität sind“, betont Michael Pinz, Regionaldirektor SeneCura Burgenland. „Um die Kommunikation zwischen betreuten Menschen und ihren Angehörigen aufrechtzuerhalten, unterstützen wir derzeit bei Telefonaten und Skype Video Calls. So können sich die Familien auf sicherem Weg unterhalten und sich überzeugen, dass es allen gut geht.“ Es sei für beide Seiten wichtig, Kontakt zu halten. Die Familien könnten mit aufmunternden Gesprächen viel zum Wohlbefinden der Bewohner beitragen. Die Situation sei nicht leicht, aber da sie zum Schutz von Bewohnern und Mitarbeitenden notwendig sei, gebe es viel Verständnis dafür.

Momentan prüft SeneCura Burgenland geeignete Möglichkeiten, wie der sichere Besuch in der Frauenkirchener Einrichtung organisiert werden kann.

Das gehe von Lösungen mit Verwendung des Windfanges im Eingangsbereich bis hin zu einem eigenen Raum mit Verwendung von Plexiglasscheiben: „Der Schutz der Bewohner steht dabei immer im Mittelpunkt. Die Freude auf ein Wiedersehen mit ihren Familien ist jedenfalls schon groß und wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, wie wir das in unseren Häusern wieder ermöglichen können“, so der Regionaldirektor. Es sei jedoch leider noch nicht an Besuche wie vor Ausbruch der Pandemie zu denken. Physischer Kontakt sei auf jeden Fall nicht möglich. Aber die bevorstehenden Lockerungen seien ein wichtiger Schritt, um sich wieder persönlich zu sehen und miteinander sprechen zu können.

Wie wichtig soziale Interaktionen für das Wohlbefinden der Heimbewohner sind, weiß man auch in den anderen Häusern. Sowohl in Gols als auch in Neusiedl ermöglichte man Kontakte auf verschiedenste Weise, etwa per Brief, E-Mail, Telefon oder Skype. „Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegeheimen waren zuletzt besonders gefordert, um hier Lücken zu füllen“, erzählt Petra Haas, Pflegedienstleiterin im Haus Katharina in Podersdorf. Darüber hinaus hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst ihre sozialen Kontakte extrem eingeschränkt. „Wir sind schließlich das Bindeglied nach außen und tragen eine große Verantwortung“, so Haas. In Podersdorf sind Besuche ab 11. Mai mit Terminvereinbarung in einer vorbereiteten „Begegnungszone„ möglich. Die Besuchszeit wird auf 20 Minuten begrenzt. Wie überall gilt für Besucher: Mund-Nasen-Schutz, Messung der Körpertemperatur und Hände desinfizieren verpflichtend.