Drei Abende lang stand der Festsaal der Volksschule Parndorf ganz im Zeichen der traditionellen Tamburizzamusik. Der Tamburizza-Verein „Ivan Vukovič – Parndorf“ lud von Freitag bis Sonntag zum Großen Tamburizza Herbstkonzert und durfte sich über einen großen Besucherandrang freuen.
Zwei Helfer von Schlepper-Boss verurteilt
Brutale Vorgangsweise
Der Justiz gelang ein Schlag gegen die Schlepperkriminalität: Ein Schlepperboss ist in Rumänien in Haft, zwei seiner engsten Mitarbeiter wurden jetzt in Eisenstadt verurteilt.
Zwei Männer und eine Frau wurden als Mitglieder einer kriminellen Schlepperorganisation angeklagt.
© BVZ/Kirchmeir
Fünf bis sechs Fahrzeuge waren pro Nacht „zu Glanzzeiten“ in Richtung Österreich unterwegs, berichtete ein ermittelnder Kriminalbeamter. Pro Fahrzeug wurden mindestens acht bis zehn Fremde transportiert, es wurden aber auch noch viel mehr Menschen in die engen Kastenwagen gepfercht: Bei einer Schleppung im September 2021 waren es laut Kriminalpolizei 47.
Insgesamt sollen zwischen 2000 und 3000 Personen geschleppt worden sein. Die Schlepperbande kassierte pro Flüchtling mehrere Tausend Euro.
Dank einer Aussage eines Mitglieds der rumänisch-moldawischen Schlepperorganisation konnten die obersten Drahtzieher identifiziert werden. Während der Boss der Bande in Rumänien inhaftiert ist, saßen drei seiner direkten Gefolgsleute am 26. November 2024 am Landesgericht Eisenstadt auf der Anklagebank.
Angeklagte waren direkt für Schlepper-Boss tätig
Der Erstangeklagte, ein 31-jähriger Rumäne, der laut eigenen Angaben in seiner Heimat im Immobiliengeschäft tätig ist, war im Jahr 2021 im Auftrag des Schlepper-Bosses dafür verantwortlich, Fahrzeuge anzukaufen und umbauen zu lassen, Fahrer anzuwerben, diese in Österreich unterzubringen und mit Handys und Bargeld auszustatten.
Der 31-Jährige wies sogenannten „Teamleadern“ Fahrer und Fahrzeuge zu und bezahlte Schlepperlöhne. Er hatte jenen Kastenwagen angekauft, in den für eine Schleppung im September 2021 47 Menschen gepfercht wurden. Sie mussten acht Stunden auf engstem Raum ausharren, der unbekannte Fahrer verursachte mit dem Fahrzeug einen Unfall in Ungarn.
Helfer fiel bei Schlepper-Boss in Ungnade
Der 31-Jährige fiel beim Schlepper-Boss in Ungnade, weil er einem der Fahrer zu sehr vertraute und diesem Agenden überließ. Der Fahrer nützte die Situation aus und bestahl die Organisation.
Daraufhin setzte der Schlepper-Boss mit Jänner 2022 einen 30-jährigen Rumänen als „rechte Hand“ ein. Der Mann lebt in Wien und geht einer Tätigkeit als Koch nach. Er soll für die Schlepperfahrer Drogen und Aufputschmittel besorgt und als „Mann fürs Grobe“ bekannt gewesen sein.
Eine 29-jährige Rumänin, Schwester der Lebensgefährtin des Schlepper-Bosses, soll Personen angeworben und Fahrzeuge auf ihrem Grundstück in Rumänien verwahrt haben.
Zu Beginn der Ermittlungen war den ermittelnden Beamten nur der Deckname des Schlepper-Bosses bekannt. Dieser wurde aber ausgeforscht und in seiner Heimat Rumänien in Haft genommen.
Schlepper-Boss verfolgten Fahrten per GPS und gab Anweisungen
Er soll die Schlepperfahrten per GPS-Tracking verfolgt und die Fahrer mit Informationen zu Standorten und Reiserouten versorgt haben. Die Fahrer hatten die Anweisung, Nebenstraßen und Güterwege zu benützen und bei einer Polizeikontrolle zu flüchten. An der Ausstiegsstelle mussten die Fahrer Videos erstellen, um den Erfolg der Schleppung und die Anzahl der geschleppten Personen zu dokumentieren.
Erst nach Übermittlung dieser Videos wurde die Bezahlkette in Gang gesetzt. Schätzungen zufolge flossen rund 300.000 Euro an die Schlepperorganisation.
Zunehmende Brutalität im Schlepperwesen festgestellt
Beginnend mit August 2021 stellte die Kriminalpolizei im Schlepperwesen eine zunehmende Brutalität und Gleichgültigkeit gegenüber den Flüchtlingen fest. Die rumänisch-moldawische Organisation zwängte immer mehr Menschen in immer weniger Fahrzeuge.
14 bis 30 Autos befanden sich im Fuhrpark der Organisation. Sie wurden in eigenen Werkstätten in Niederösterreich für den illegalen Transport von Flüchtlingen umgebaut.
Die beiden Angeklagten bekannten sich vor Gericht schuldig, blieben aber ansonsten wortkarg. Weitere Fragen des Schöffensenats wollten sie nicht beantworten. Am Handy des 30-Jährigen fand die Kriminalpolizei Gewaltvideos. Angeklagt wurde er deshalb zwar nicht, aber die Richterin erwähnte dieses Detail: „Dafür fehlt mir jegliches Verständnis“, ermahnte sie den Koch.
„Es tut mir leid, was ich getan habe“, sagte dieser. „Wie ich diese Monate gehandelt habe, ist ganz anders, als ich sonst handle.“
Die angeklagte Frau bekannte sich nur teilweise schuldig. Sie behauptete, sie habe „nichts Genaues“ gewusst und mit der Schlepperei kein Geld verdient. Sie habe die Schlepperorganisation nur „psychisch“ unterstützt und sei mit einem der Beteiligten nach Österreich gefahren. „Er spielte mir vor, dass er Geld von Prostituierten einkassiert“, behauptete die Angeklagte.
Prozess gegen die Frau wurde vertagt
Der Prozess gegen die Frau wurde vertagt, weil die Staatsanwaltschaft einen Beweisantrag stellte: Es sollen Fotos von einer Hausdurchsuchung am Anwesen der Frau in Rumänien beigestellt werden.
Verurteilt wurden die beiden Männer: Der Erstangeklagte, der bereits bei der Polizei teilweise geständig gewesen war, erhielt 5,5 Jahre Haft, der Zweitangeklagte, der bis zur Hauptverhandlung alle Angaben verweigert hatte, wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Vorhaft von Mai 2022 bis Jänner 2023 wird angerechnet.
Außerdem muss jeder der Angeklagten 50.000 Euro an den Staat Österreich bezahlen: Es handelt sich dabei um einen Teil des durch die Schleppungen lukrierten Geldes.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Weder die Angeklagten noch die Staatsanwaltschaft gaben eine Erklärung ab.