Absagen: Ein Sommer ohne große Feste. Zwangspause für Golser Volksfest, Neusiedler Stadtfest, Nova Rock und Theatersommer Parndorf. Gehofft wird noch für das Sommerfestival Kittsee.

Von Birgit Böhm-Ritter, Paul Haider und Saskia Jahn. Erstellt am 23. April 2020 (04:41)
Das Nova Rock ist abgesagt. Szenen wie diese werden sich heuer auf den Nickelsdorfer „Pannonia Fields“ nicht abspielen.
BVZ Archiv

In der Vorwoche gab die Bundesregierung bekannt, dass auch in den Sommermonaten wegen der Corona-Krise keine Großveranstaltungen stattfinden können. Konkret gilt dieses Veranstaltungsverbot vorerst bis 31. August. Damit ist klar: Einen Großteil der traditionellen Events im Bezirk wird es 2020 nicht geben, darunter auch das Golser Volksfest und das Nova Rock Festival in Nickelsdorf.

Schrammel: „Haben schon damit gerechnet“

Für die meisten Veranstalter kam die Ansage der Bundesregierung nicht überraschend: „Wir haben schon damit gerechnet, weil auch Deutschland zuvor schon ein Veranstaltungsverbot bis 31. August verkündet hat“, sagt der Golser Bürgermeister Hans Schrammel.

Gehofft hat man für das Golser Volksfest – geplant von 7. bis 16. August – aber doch, so wurde kurz über eine verkleinerte Version des Volksfestes nachgedacht. „Aber das geht einfach nicht“, so Schrammel.

Absagen mussten die Golser ihren Jahreshöhepunkt mit jährlich rund 100.000 Besuchern nun mitten in den Vorbereitungen. Das Musikprogramm sei fertig gewesen, Anzahlungen für große Bands wie Ambros oder Die Seer seien bereits getätigt worden und auch Aussteller der Messe hätten sich bereits gemeldet.

Auf die Frage, welche Auswirkungen die Absage des Golser Volksfests auf die Region habe, gibt Bürgermeister Schrammel zu bedenken, dass mit der Absage des Golser Volksfestes die größte Messe Ostösterreichs mit einem Millionen-Umsatz abgesagt werden musste. „Das Golser Volksfest ist ein Wirtschaftsmotor in der Region. Beherbergungsbetriebe profitieren etwa von den Nächtigungen der Aussteller und diese wiederum verlieren eine wichtige Werbeplattform. Schwer getroffen sind auch die Golser Winzer, die vergangenes Wochenende auch ihren Weinfrühling absagen mussten.“

Kein Stadtfest, kein Ostbahn Kurti

Mit mehreren tausenden Gästen fällt auch das Stadtfest Neusiedl am See unter Großveranstaltungen. Traditionell findet das Stadtfest eine Woche vor dem Golser Volksfest statt. Heuer wird es aber am ersten Samstag im August auf der Neusiedler Hauptstraße ungewöhnlich ruhig bleiben.

„Die Hauptphase der Organisation hat noch nicht gestartet und damit kam diese Entscheidung der Bundesregierung für uns gerade noch zu einem guten Zeitpunkt“, erklärt Florian Sövegjarto vom veranstaltenden Kulturverein Impulse gegenüber der BVZ.

Im Vorfeld habe man sich bereits Gedanken über eine Maskenpflicht gemacht, „aber das Feeling wäre nicht so gewesen, wie es bei Sommerfesten sein sollte“. Das Impulse-Team sei nun in einer Brainstorming-Phase, vielleicht werde es ein anderes Event im Sommer geben.

Als Kulturveranstalter der Stadt sorgt der Verein jährlich für ein umfangreiches Kulturprogramm, dieses Jahr mit mehr Veranstaltungen im Herbst als im Frühjahr. „Vielleicht kommt uns das heuer zugute. Zwei Kabaretts und ein Konzert mussten wir aber bereits absagen“,so Sövegjarto.

Bereits von 4. Juli auf 29. August wurde der große „Strandausflug“ von Kurt Ostbahn verschoben. Nun musste das Konzert in Podersdorf für das heurige Jahr ganz abgesagt werden. Eine Verschiebung komme aus terminlichen Gründen nicht mehr infrage. Man sei aber in Gesprächen, um einen neuen Termin in 2021 zu ermöglichen, sagt René Lentsch, Geschäftsführer des Tourismusverbandes.

In Podersdorf mussten bereits mehrere größere Veranstaltungen abgesagt werden, darunter das ORF Sommerfest, „Born to Beach“, das Yoga-Festival und die Surf Games. „Viele Veranstaltungen drängen sich nun in den Herbst. Wir harren nun der Dinge, wie es mit kleineren Veranstaltungen weitergeht“, so Lentsch. Die Bundesregierung hat einen Fahrplan für Mitte Mai angekündigt. „Davon hängt es wohl ab, ob wir noch mit einem dunkelblauen Auge davon kommen“, glaubt Lentsch.

Ein schwerer Schlag ist das Verbot von Großveranstaltungen bis 31. August auch für die Kulturfestivals und Sommertheater der Region.

Leere Kulturbühnen im Bezirk

Der „Theater Sommer Parndorf“ hat der Ankündigung der Bundesregierung bereits Anfang April vorgegriffen und seine für Juli geplanten Vorstellungen von Goldonis „Kaffeehaus“ auf 2021 verschoben. Auch das ursprünglich für 20. Juni geplante Dorffest musste abgesagt werden.

Die Leidtragenden in Parndorf sind laut Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) vor allem die örtlichen Vereine: „Der Theatersommer ist für die Gemeinde nicht der große Gewinnbringer. Aber die Einnahmen bei den Sommerfesten sind natürlich fixer Bestandteil des Budgets der Vereine. Die Vereine werden, wie die Gemeinde, ein Notprogramm fahren müssen. Das größte Problem ist aber eigentlich kein wirtschaftliches, sondern ein gesellschaftliches. Für die Gemeinde ist es eine Katastrophe, wenn es kein gesellschaftliches Leben im Dorf gibt.“

Abgesagt wurden auch die Schlosskonzerte Halbturn. Gehofft wird noch in Kittsee. Intendant Christian Buchmann will an einer Durchführung des Sommerfestivals Kittsee 2020 festhalten, „obwohl sich die aktuelle Lage als extrem unvorhersehbar und schwer planbar gestaltet. Wir schauen weiterhin positiv in die kommenden Wochen und hoffen auf eine rechtzeitige Entspannung der Lage“, so Buchmann. Die endgültige Entscheidung obliege den zuständigen Behörden und sei für Mitte Mai angekündigt.

Auch das Nova Rock Festival in Nickelsdorf, das jedes Jahr über 200.000 Besucher in den Bezirk lockt, muss heuer eine Zwangspause einlegen. Bürgermeister Gerhard Zapfl bedauert die Absage sehr: „Die Gemeinde Nickelsdorf muss natürlich mit Einbußen rechnen. Die Konsequenzen werden sein, dass bestimmte Investitionen heuer leider nicht getätigt werden können. Die Maßnahmen der Regierung sind aber notwendig und wir alle müssen diese zur Kenntnis nehmen.“