Bezirk Neusiedl: Nach dem Hagel folgt das große Zittern
Landwirtschaft
Gols, Podersdorf und Frauenkirchen waren vom Unwetter besonders betroffen. Landwirte hoffen nun auf trockenere Tage.
Ungewöhnliches Farbspiel in grün-weiß. Das Hagelunwetter hat Winzer in Gols besonders schwer getroffen.
© Michael Allacher
Im Burgenland haben am Freitagnachmittag schwere Hagelunwetter für enorme Schäden in der Landwirtschaft gesorgt. Nach ersten Erhebungen der Österreichischen Hagelversicherung beträgt der Schaden 1,3 Millionen Euro, hieß es in einer Aussendung. Betroffen war besonders der Norden des Landes.
Geschädigt wurde laut Hagelversicherung eine Fläche von insgesamt 5.000 Hektar, wobei vor allem Acker-, Wein- und Obstkulturen betroffen waren. „Aufgrund des Klimawandels werden Hagelereignisse in Zukunft noch intensiver und häufiger auftreten“, stellte Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender Hagelversicherung fest.
Laut Alfred Brasch, Bezirksreferent in der Landwirtschaftskammer, waren im Neusiedler Bezirk am stärksten die Gemeinden Gols, Podersdorf am See und Frauenkirchen von Hagelschäden betroffen und hier insbesondere Wein, Zuckerrübe und Erdäpfel.
Feuchtes Wetter fördert Pilzkrankheiten
Zuckerrübenbauer Johann Pinetz und Erdäpfelbauer Lorenz Göltl, beide aus Frauenkirchen, hoffen nun für die nächsten Tage auf trockenes Wetter: „Damit die Wunden, die der Hagel angerichtet hat, wieder verheilen können“, erklärt Göltl. Durch das feuchte Wetter sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich Krankheiten bilden. Dem könne man nur durch Fungizide entgegenwirken. „Das Spritzmittel ist sozusagen das Penicillin für die Pflanzen“, veranschaulicht Göltl. Aber „die Medizin“ für die Erdäpfel wirke nur, wenn die Witterung in den nächsten Tagen mitspiele.
Die Zuckerrübe wiederum wurde durch den Hagel in ihrer Entwicklung um drei Wochen zurückgeworfen. Ob sich der Zuckergehalt noch zufriedenstellend entwickeln wird, muss man laut Pinetz abwarten. Für die Landwirte wird es jedenfalls in den nächsten Tagen eine Zitterpartie, denn es ist durchaus immer wieder feuchteres Wetter prognostiziert.
Angst vor Falschem Mehltau
Feuchtes Wetter wünschen sich momentan aber auch die Weinbauern nicht: „Das wären ideale Bedingungen für die Entwicklung von Falschem Mehltau“, so der Golser Michael Allacher. Die gefürchtete Pilzkrankheit können die Winzer niemals gebrauchen, nach dem Hagel aber noch weniger. In manchen Lagen in Gols ist ein 100-prozentiger Ausfall zu beklagen. Gerade die Weingärten, die näher zum See, also in Richtung Podersdorf liegen, sind enorm betroffen. „Hier ist sogar das Holz stark beschädigt. Das bedeutet, obwohl man hier heuer nichts mehr ernten kann, muss man gerade in diese Weingärten besonders viel Arbeit investieren. Sonst sind die Auswirkungen auch nächstes Jahr noch spürbar“, erklärt der Bezirksobmann des Weinbauverbandes.
Massive Ausfälle hat es aber auch in anderen Gebieten von Gols gegeben. Am besten sind noch die Top-Lagen davon gekommen. Hier hat es zum Hagel sehr viel geregnet, was den Schaden laut Allacher in Grenzen hielt.