Wie einstigem Edelhof Leben eingehaucht wird. Im Sinne des Denkmalschutzes soll das historische Haus am Hauptplatz saniert werden. Wohnungen und Geschäfte geplant.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 22. Januar 2021 (04:34)
Gegenwart. Momentan bietet das geschichtsträchtige Haus keinen schönen Anblick.
Birgit Böhm-Ritter

Die beiden Geschäftslokale in einem der ältesten Häuser der Stadt stehen nun schon seit Längerem leer und man könnte meinen, das Gebäude sei dem Verfall preisgegeben worden.

Ein Irrtum: Das Haus am Hauptplatz 14, in dem bis 2015 die dm-Filiale und bis 2019 der Schlüsseldienst Waldbott-Bassenheim untergebracht waren, soll nun renoviert werden. Der ehemalige Edelhof, dessen bauhistorische Wurzeln ins Mittelalter zurückreichen, könnte ein neues Kleinod in der Stadt werden, wenn es nach den Plänen des Bauträgers W-Süd und des Neusiedler Architektenbüros Halbritter &  Hillerbrand ZT geht.

Vergangenheit. Das Gebäude (ganz links) hat eine aufregende und lange Geschichte hinter sich. Es beherbergte einst nicht nur das Gasthaus „Zum Goldenen Engel“, sondern auch das Gemeindeamt. Die Aufnahme dürfte um 1900 gemacht worden sein.
Stadtarchiv Neusiedl

Genau diese Pläne wurden bereits im Herbst des Vorjahres dem Gemeinderat präsentiert. Das Haus steht zwar nicht unter Denkmalschutz, soll aber im Sinne dessen renoviert werden, zumindest maßgebliche Teile des historischen Gebäudes. „Das sehen wir als Verpflichtung gegenüber unserer Baukultur“, sind sich Architekt und Bauträger einig. Die Fassade etwa lehnt sich ganz an das Erscheinungsbild des Gebäudes um 1900 an (siehe Foto oben). So werden Holzportale, Kastenfenster, dementsprechende Dachdeckung und Verputze verwendet.

„Das Haus soll im Sinne des Denkmalschutzes renoviert werden. Das sehen wir als Verpflichtung gegenüber unserer Baukultur.“ Architekt Herbert Halbritter

Geplant sind im mehrgeschossigen Gebäude Wohnungen sowie zwei Geschäftslokale in einer Größe von jeweils rund 300 Quadratmetern. Eine tolle Architektur beuge auch einen Leerstand vor, zeigt sich Halbritter überzeugt und hofft mit der Umsetzung des Bauprojekts auf eine Belebung des Stadtzentrums. Die Anzahl der Wohneinheiten ist noch nicht fixiert. Über die Bebauungsdichte wird es noch weitere Gespräche mit der Stadtgemeinde geben. Laut Halbritter soll das Gebäude aber so in die Dachlandschaft des Ortsbildes eingebettet werden, dass es nicht herausragt. Das entspreche auch den Richtlinien des Unesco-Weltkulturerbes.

Charmanter Innenhof und Durchgang

Im Erdgeschoss sieht das Projekt eine Hofgasse vor, die den Hauptplatz mit dem Gartenweg verbindet und durch das Objekt durchführt. Geplant ist, dass dieser Weg für die Öffentlichkeit geöffnet bleibt. Beide Geschäfte sollen von der Straßenseite, aber auch seitlich von der Hofgasse begehbar sein. „Im Idealfall entsteht ein schöner beschatteter Innenhof, ähnlich wie im Weinwerk Burgenland“, so die Idee des Architekten, „vielleicht auch mit einer kleinen Gastro, wie einer Eisdiele oder einer Cafeteria.“ Für das Ortsbild werde das renovierte Gebäude ein Gewinn sein, ist sich Halbritter jedenfalls sicher.

Zukunft. In Anlehnung an die historische Vorlage soll das Gebäude im Rahmen einer Renovierung straßenseitig wieder weitestgehend in seinen Originalzustand versetzt werden. Darüber hinaus soll eine Hofgasse entstehen, die den Hauptplatz mit dem Gartenweg verbindet.
Halbritter & Hillerbrand ZT

Auf die Frage, inwieweit die kürzlich im Gemeinderat beschlossene Bausperre (die BVZ berichtete in der Vorwoche) das Projekt beeinträchtigen könnte, reagiert der Architekt gelassen. Es erleichtere den Projektablauf zwar nicht, die Planungsphase werde aber ohnehin noch bis Jahresende dauern und mehrere Gespräche mit der Stadtgemeinde geführt. Das Ziel der Projektbetreiber ist es letztlich, ein schönes Projekt mit leistbaren Wohnungen zu verwirklichen.