Zehn Kilometer, sieben Schnitzeljagd-Stationen und ein Abstecher zum „Schoschto“: Beim Familienwandertag der Tadtener Bäuerinnen standen Bewegung, Heimatwissen und regionale Lebensmittel im Mittelpunkt.
Herausfordernde Zeiten für den Arbeitsmarkt im Bezirk Neusiedl am See
Rückblick und Vorschau
Im Bezirk Neusiedl am See bleibt der Arbeitsmarkt 2024 von einer moderaten Zunahme der Arbeitslosigkeit geprägt. Während in technischen und gesundheitlichen Berufen Chancen auf offene Stellen steigen, stehen insbesonders gering Qualifizierte und langzeitarbeitslose Personen vor großen Hürden. Innovative Ansätze des AMS sollen helfen, die Herausforderungen der kommenden Jahre zu bewältigen.
Der Trend der steigenden Arbeitslosenzahlen von 2023 hat sich im Neusiedler Bezirk auch 2024 fortgesetzt, aber moderat.
© APA/EVA MANHART, EVA MANHART
Das Jahr 2024 stellte den Arbeitsmarkt im Bezirk Neusiedl am See erneut vor vielfältige Herausforderungen. Obwohl die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, zeigt sich die Entwicklung im regionalen Vergleich moderat. „Blickt man zurück, war 2024 wieder ein Jahr mit vielen Herausforderungen am Arbeitsmarkt. Der Trend der steigenden Arbeitslosenzahlen von 2023 hat sich auch 2024 fortgesetzt, wenn auch in abgeschwächter Form“, zieht Petra Beidl, Geschäftsstellenleiterin des AMS Neusiedl/See, Resümee zum Jahresausklang.
Laut den aktuellen Zahlen des AMS Neusiedl am See betrug der Anstieg der Arbeitslosigkeit im November 2,1 % und war damit der zweitniedrigste im Burgenland. Dennoch bleibt die Lage angespannt, insbesondere in bestimmten Altersgruppen und Branchen.
Im November 2024 waren 1.531 Personen im Bezirk arbeitslos gemeldet, was einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders betroffen waren ältere Arbeitskräfte über 60 Jahre, bei denen die Arbeitslosigkeit um 13,5 % zunahm, sowie ausländische Arbeitskräfte (+11,1 %). Auch die Jugendarbeitslosigkeit verzeichnete einen Anstieg von 7,9 %.
Positiv zu vermerken ist, dass die (aktuell zur Verfügung stehenden) Arbeitslosenquote mit 5,5 % im Oktober leicht unter dem burgenländischen Durchschnitt von 5,9 % liegt. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies einen Rückgang von 0,1 Prozentpunkten.
Generell gab es 2024 in allen gängigen Berufsfeldern Jobangebote. Auffällig ist jedoch ein Rückgang der offenen Stellen in den Bereichen Verwaltung und Büro, Handel und Verkehr sowie im Dienstleistungssektor, insbesondere in der Reinigung und im Fremdenverkehr. Gleichzeitig wurden verstärkt offene Stellen in den technischen Bereichen gemeldet, vor allem im Metall- und Elektrobereich, sowie im Gesundheitssektor. Diese Branchen bieten aktuell die besten Chancen für Arbeitssuchende im Bezirk Neusiedl, die damit oftmals die Wahl zwischen mehreren Angeboten haben.
Herausfordernd bleibt der Zugang zum Arbeitsmarkt für Personen mit geringen Deutschkenntnissen, fehlender Mobilität oder ohne Berufsausbildung. Besonders langzeitarbeitslose Menschen sowie Arbeitssuchende mit gesundheitlichen Einschränkungen stehen oft vor zusätzlichen Hürden. Diese Gruppen benötigen gezielte Unterstützungsmaßnahmen, um wieder in Beschäftigung zu kommen.
Ein zentrales Problem bleibt der Fachkräftemangel, der viele Betriebe dazu zwingt, ihre Öffnungszeiten anzupassen oder Stellen unbesetzt zu lassen. Weniger Personal bedeutet für viele Betriebe mehr Schließungstage. Dies zeigt sich insbesondere in der Gastronomie, wo der Personalbedarf hoch ist, die Zahl der offenen Stellen im Bezirk jedoch um 7,1 % gesunken ist.
Um erfolgreich durch eine Vielzahl an Herausforderungen zu navigieren, braucht es ein gutes Personalmanagement. Im Rahmen der Impulsberatung für Betriebe unterstützte 2024 das AMS Neusiedl die Unternehmen bei der Entwicklung von Handlungsoptionen für personalwirtschaftliche Fragestellungen. Impulsberaterinnen und -berater begleiteten Betriebe dabei passende Lösungen zu finden und notwendige Veränderungen wirkungsvoll in den Betriebsalltag zu integrieren.
Das AMS Neusiedl setzt auf innovative Ansätze, um diesen Herausforderungen zu begegnen. „2025 legen wir den Fokus auf die Qualifizierung von künftigen Fachkräften“, erklärt Petra Beidl, Leiterin der regionalen Geschäftsstelle. Ein Schwerpunkt liegt auf der Lehrlingsausbildung, die mit Formaten wie dem Lehrlingscasting am 25. Februar in der Polytechnischen Schule in Neusiedl am See aktiv gefördert wird. Darüber hinaus startet im 20. Jänner eine neue Ausbildung zur Pflegeassistenz, um den steigenden Bedarf im Gesundheitsbereich zu decken.
Darüber hinaus soll das Modell der arbeitsplatznahen Ausbildungen (AQUA) beim Aufbau des dringend benötigten Fachpersonals unterstützen.
Auch digitale und serviceorientierte Vermittlungsmodelle wie das Kompetenzmatching werden 2025 eine wichtige Rolle spielen. Ziel ist es, die individuellen Fähigkeiten der Arbeitsuchenden gezielt mit den Anforderungen der Unternehmen abzugleichen und so den Vermittlungsprozess effizienter zu gestalten.
Der Bezirk Neusiedl am See steht in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen, die durch den demografischen Wandel, den Klimawandel und die anhaltende Migration geprägt sein werden. Doch durch gezielte Maßnahmen wie Qualifizierungsprogramme und innovative Vermittlungsansätze zeigt sich das AMS Neusiedl optimistisch, den Arbeitsmarkt nachhaltig zu stärken.