Kittseer Marille: Bis zu 50 Prozent Ernteausfall erwartet

Vor Erntestart

Seit 100 Jahren werden in Kittsee Marillenbäume gepflanzt, der Obstbau hat hier eine lange Tradition. Die vielen Niederschläge machen es den Marillenbetrieben heuer aber schwer.

Von Birgit Böhm-Ritter

Bürgermeister Johannes Hornek, Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich, Marillenbäuerin Karin Darnai, Marillenbauer Alexander Roszuczky

Bürgermeister Johannes Hornek, Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich, Marillenbäuerin Karin Darnai, Marillenbauer Alexander Roszuczky

© Birgit Böhm-Ritter

„Fast jeder Kittseer hat zumindest einen Marillenbaum im Garten, selbst jene, die nach Kittsee zugezogen sind“, erzählt Bürgermeister Hannes Hornek stolz. Kittsee gilt nicht umsonst als die Marillengemeinde schlechthin. Heute sind es rund 80 Marillenbäuerinnen und -bauern, die auf einer Fläche von rund 81 Hektar rund 35.000 Marillenbäume bewirtschaften. Damit ist man noch vor der Wachau die größte Marillenregion Österreichs.

Die Witterungsverhältnissen in den vergangenen Jahren machten es den Landwirten allerdings nicht einfach. War es im Vorjahr der Frost zur Hauptblütezeit, so ist es dieses Jahr aufgrund des feuchten Wetters der Pilz Monilinia, der Probleme macht. In den nächsten Tagen wird die Ernte starten. Die Prognose ist allerdings durchwachsen: „Aufgrund des vielen Niederschlages während der Blütezeit muss man mit einem Ernteausfall von bis zu 50 Prozent rechnen. Vor allem die Bio-Marillen hat es hier in Kittsee stark erwischt. Lediglich bei sechs Sorten von unseren 4.500 Marillenbäumen sind heuer Früchte am Baum. Viele der Bio-Betriebe überlegen, ob sie auf konventionelle Bewirtschaftung umsteigen, da man hier weniger Ausfälle hat“, berichten Karin Darnai und Alexander Roszuczky, Bio-Marillenbauern und Mitglieder im Verein Kittseer Marille.

Kittseer Marille: Bis zu 50 Prozent Ernteausfall erwartet

© Birgit Böhm-Ritter

Probleme mit der feuchten Witterung und daraus resultierenden Pilzkrankenheiten dürfte es laut Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich dieses Jahr auch bei anderen Kulturen geben, etwa im Getreideanbau. „Viel Regen bedeutet nicht immer eine gute Ernte“, gibt er zu bedenken. „Pflanzenschutz ist in solchen Situationen ein wichtiges Mittel, da haben die Bio-Bauern oft nicht genug Möglichkeiten.“ In der Landwirtschaft forsche man daher an pilzresistenten Sorten oder auch Sorten, die mit Trockenheit gut zurechtkommen.

Verkauf erstmals über die „Kittseer Marillenbörse“

Auch wenn die heurige Marillenernte unterdurchschnittlich ist, dafür sind die Kittseer Marillen aber größer und schmecken wie gewohnt hervorragend. „In einem normalen Jahr ernten wir um die 700.000 kg Marillen. Der Großteil von uns Kittseer Bauern verkauft die Marillen direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten. Der Verkauf wird heuer erstmals über eine „Marillenbörse“ organisiert: Interessierte können über die Website kittseer-marille.at einsehen, bei welchen Produzenten es im Moment Bestände gibt und dann direkt bei diesen bestellen. Der Vertrieb erfolgt dann je nach Absprache ab Hof oder ab Marillengarten. Der Verkaufsstand gegenüber vom Gemeindeamt soll ab heuer hauptsächlich nur mehr als Infostand dienen“, so Darnai. „Die Bauern reagieren damit auf die Bedürfnisse des Markts. Ziel ist es immer die Konsumenten zufriedenzustellen“, betont Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich.

Seit 25 Jahren Verein „Kittseer Marille“

Die traditionelle Sorte, die in Kittsee angepflanzt wird, ist die „Ungarische Beste“. Diese Marillensorte zeichnet sich durch ihr schmackhaftes Fruchtfleisch und ihre gute Eignung für das pannonische Klima zwischen Donau und Neusiedler See aus. Den Verein „Kittseer Marille“ gibt es bereits seit über 25 Jahren. Neben Kittsee gehören auch die Gemeinden Edelstal und Pama zum Verein. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, durch Fachvorträge sowie Exkursionen zu Fachbetrieben die Qualität der Kittseer Marillen zu erhalten und zu verbessern.

Kittseer Marille: Bis zu 50 Prozent Ernteausfall erwartet

© Birgit Böhm-Ritter

Neben dem Direktverkauf wird die Kittseer Marille auch veredelt. So entsteht Schnaps, Nektar und Marmelade. „Von den 40 bis 50 Produzenten im Verein sind viele von fast totalen Ernteausfällen betroffen. Von den 20 großen Betrieben haben voraussichtlich nur fünf bis sechs Marillen. Wir haben aber schon viele Vorbestellungen. Das zeigt, dass die Konsumentinnen und Konsumenten sich schon auf die heimischen Kittseer Marillen freuen“, erzählt Roszuczky zum heurigen Stand der Marillenernte.

Kittseer Marille: Bis zu 50 Prozent Ernteausfall erwartet

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Nichtsdestotrotz haben einige Betriebe schon mit der Marillenernte begonnen, der Großteil wird Anfang Juli eingebracht werden. Wer sich Kittseer Marillen kaufen möchte, sollte auf Nummer sichergehen und telefonisch vorbestellten. Eine Auflistung von Produzentinnen und Produzenten, die im Moment Marillen verkaufen und selbstständig vertreiben findet man unter www.kittseer-marille.at.

Weitere burgenländische Marillenanbaugebiete gibt es in den Eisenstädter Umgebung und im Raum Mattersburg und Rechnitz.