„Meine Bücher sind wie Kinder, ich mag alle, jedes ein bissal anders“

50 Jahre Autorenschaft

Jutta Treiber hat in 50 Jahren 60 Bücher geschrieben. Wo sie ihre Geschichten findet und warum sie vor 50 Jahren herumtanzte wie ein Rumpelstilzchen erfahren Sie in diesem Interview.

Von Michaela Grabner

„Meine Bücher sind wie Kinder, ich mag alle, jedes ein bissal anders“

© Michaela Grabner

50 Jahre Autorenschaft, Übersetzungen in 29 Sprachen. Aber beim wievielten Buch stehen wir aktuell?

Jutta Treiber:Im September werden zwei neue Bücher erscheinen: „Kurztrip nach Absurdistan“ – eine Sammlung ganz kurzer Texte von mir mit Zeichnungen von meinem Mann Joe – und „Warum ist der Kakao so grau?“, ein Bilderbuch mit Illustrationen von Nadine Kappacher), das sind dann das 59. und das 60. Buch.

Welches war das allererste veröffentlichte Buch und wenn Sie daran zurückdenken, was haben Sie gefühlt, als sie dieses erstmals in den Händen hielten?

Jutta Treiber:Ich schreibe, seit ich schreiben kann. In der Volksschulzeit habe ich meine ersten kleinen Geschichten geschrieben. Das Schreiben war wahrscheinlich immer schon mein bestes Ausdrucksmittel. Als ich acht Jahre war, kam mein behinderter Bruder Walter zur Welt, und ich wurde damals sehr sprachlos. Vielleicht habe ich mich deshalb ins Schreiben geflüchtet. Mein allererstes veröffentlichtes Buch war „Ich will eine Geschichte schreiben“. Es ist ein Buch mit Kurzgeschichten für Erwachsene. Ich kann mich noch an dieses überbordende Glücksgefühl erinnern, als ich das Buch in Händen hielt – ich bin vor Freude in der Wohnung herumgetanzt wie das Rumpelstilzchen .

Woran schreiben Sie aktuell?

Jutta Treiber:Die beiden Bücher, die im September erscheinen werden, sind jetzt druckfertig. Momentan schreibe ich nichts, weil ich mich unseren Kinofeierlicheiten widmen muss .

Wann und wo schreiben Sie Ihre Bücher?

Jutta Treiber:Gute Arbeitszeiten sind für mich der Vormittag und der Abend, am Nachmittag bin ich meist so müde, dass ich „zu nix zu gebrauchen“ bin. Ich kann überall schreiben, aber meistens schreibe ich in meinem Arbeitszimmer – in meinem Haus in Oberpullendorf.

Woher nehmen Sie die Ideen?

Jutta Treiber:Man muss mit offenen Sinnen durch die Welt gehen, dann kommen Ideen auf einen zu: Zeitung, Radio, Fernsehen, Beobachtungen und Gespräche, die man aufschnappt, Erzählungen von Freunden und Bekannten, eigene Erlebnisse und Erfahrungen...

Haben Sie eine „Schublade der gescheiterten Ideen“ und falls ja, um welches Projekt darin tut es Ihnen besonders leid?

Jutta Treiber: Ich habe Notizbücher mit gesammelten Ideen, die ich dann aber in meinem Chaos meist nicht finde . Projekte habe ich nicht viele verworfen, und um die tut’s mir auch nicht besonders leid. Wahrscheinlich haben sie eh nix getaugt …

Welches Feedback oder welche Leser-Reaktion hat Sie bisher am meisten berührt?

Jutta Treiber:Es gab viele viele sehr schöne und auch berührende Leser-Reaktionen. Eine, die mich besonders gefreut hat, war die Reaktion einer befreundeten Illustratorin, die sehr belesen ist und die ich sehr schätze. Sie sagte: „Dein Buch (Die Zeit und Hannah) ist eines der besten, das ich jemals gelesen habe.“

Welches Jutta Treiber-Buch ist das Lieblingsbuch von Jutta Treiber?

Jutta Treiber:Ich werde das oft gefragt, habe aber keine Antwort darauf. Meine Bücher sind wie eigene Kinder, ich mag sie alle, jedes ein bisschen anders.

Sind Sie selbst auch begeisterte Leserin?

Jutta Treiber:Ja, ich habe immer viel gelesen und bin auch jetzt eine begeisterte Leserin, aber nur, wenn ich nicht zu viel Stress habe. Und wenn ich grad an einem Buch arbeite, lese ich wenig, da bin ich zu sehr mit dem eigenen Text beschäftigt.

Welches Buch/welche/r Autor/in hat Sie durch Ihre Kindheit/Jugend begleitet?

Jutta Treiber:Die Bücher von Erich Kästner haben mich durch meine Kindheit begleitet und wahrscheinlich am meisten beeinflusst, sowohl was das Gedankengut als auch was den Schreibstil betrifft.

Welches Buch verschenken Sie am liebsten und warum?

Jutta Treiber: Am liebsten verschenke ich eigene Bücher, also etwas „Selbstgemachtes“ .

Ihr Werdegang als Autorin als Buchtitel?

Jutta Treiber:Pfade – Wege – Straßen – Brücken

Buchtipps von Jutta Treiber

„Eine kleine Auswahl an Büchern, die mir gut gefallen haben neben vielen anderen“.

Janosch: Wörterbuch der Lebenskunst(Aphorismen zur Lebenskunst, ironisch, wunderbar!)

Maike Wetzel: Schwebende Brücken(Geschichte einer Frau, deren Mann bei einem Bootsunfall ums Leben kommt)

Stefanie Sargnagel: Iowa („typisch Sargnagel“ – witzig, gut beobachtet, kritisch, selbstironisch)

Pascal Mercier: Vom Fluss der Zeit(fünf sehr interessante Kurzgeschichten)

Johanna Sebauer: Das Gurkerl (damit hat sie den Bachmann-Preis 2025 gewonnen, satirisch, witzig)

Sarah Estermann: Sevilla (sehr atmosphärisch, Stimmung von Sevilla gut beschrieben)

Andrea Kerstinger: Klassefrauen (Geschichten über verschiedene Frauentypen im Burgenland)