Nach 500 Jahren klappert und rattert es in der Schedl Mühle immer noch

Tag der offenen Mühlentür

Schon seit 1560 wird in Lockenhaus Getreide zu Mehl vermahlen. Müller Julius Schedl wird sich aber mit Jahresende zur Ruhe setzen und ein Pächter oder Käufer für die Nachfolge ist noch nicht gefunden - die Suche läuft.

Von Michaela Grabner

Die jüngsten Walzenstühle sind um die 100 Jahre alt, einzig Verschleißteile wurden zwischendurch ausgetauscht, weiß Julius Schedl.

Die jüngsten Walzenstühle sind um die 100 Jahre alt, einzig Verschleißteile wurden zwischendurch ausgetauscht, weiß Julius Schedl.

© Michaela Grabner

Der rauschende Bach, wie man ihm aus dem Lied von Kindertagen kennt, ist längst Geschichte, aber in der Lockenhauser Schedl Mühle klappert, rattert, knattert und rüttelt es nach fast 500 Jahren noch immer. Wie ein schlichtes weißes, wappenförmiges Schild im heutigen Verkaufsraum der Mühle verrät, wo ein Mitarbeiter gerade Mehl in größere weißen Papiersäcke verpackt, wurde diese nämlich zwischen 1555 und 1560 von Graf Nadasdy als Herrschaftsmühle erbaut.

Bis 1850 wurde die Mühle von vier Wasserrädern angetrieben. Heute handelt es sich um eine vollautomatisierte pneumatische Mühle, wie Müller Julius Schedl beim Tag der offenen Tür berichtete. „Das Mehlgut wird mit Luft gesaugt, es gibt keine Elevatoren und keine Staubentwicklung“, meint Schedl.

In seiner Mühle werden hauptsächlich Weizen, Roggen und Dinkel aber auch Einkorn oder Buchweizen vermahlen - aktuell zirka 350 Tonnen Getreide im Jahr. Je mehr der 10 bis 16 Passagen die Körner dabei durchlaufen, desto sanfter werden sie vermahlen. Und in der Schedl-Mühle wird das Getreide so wie es vom Feld kommt vermahlen, nichts dazugemischt, dass es besser backfähig ist.

Zusätzlich werden rund 200 bis 500 Tonnen Dinkel geschält, Getreide für den Anbau gereinigt, dass Unkraut, dass beim Dreschen dabei bleibt, nicht gleich wieder mitwächst und die Schedl Mühle betreibt auch selbst Handel mit Roggen, Weizen, Dinkel, Buchweizen, Einkorn, Kamut, Gerste, Hafer, Mais; Saatgetreide aller Art. Außerdem werden Bio-Weizen-, Roggen- und Dunkelmehle, Nudeln und Müslis verkauft.

Seit mittlerweile über 40 Jahren, genau seit 1983, betreibt Julius Schedl die Mühle, die sein Vater in den 60er-Jahren gekauft hatte. „Grundsätzlich ist die Technik gleich geblieben, aber es gab ein paar Änderungen in der Führung des Betriebs, eine Zeit lang haben wir selbst Strom erzeugt, Dinkel kam dazu und Bio“, schildert Schedl. Nachdem bereits 1972 der Umbau von der Rückschüttmühle in eine vollautomatische pneumatische Mühle erfolgt war, ließ Julius Schedl nach der Übernahme eine Brückenwaage und den Verkaufsraum sowie einen Getreidespeicher bauen. Später folgten die Umrüstung des mechanischen Antriebs der Mühle auf einen elektrischen und der Bau der Dinkelschäl- und Getreidereinigungsanlage.

Mit Jahresende plant er, sich zur Ruhe zu setzen und ist daher auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger, wobei er für eine Verpachtung und einen Verkauf gleichermaßen offen ist. „Müller ist ein wirklich interessanter und abwechslungsreicher Beruf. Die Tätigkeit aus Getreide Mehl zu machen ist jedes Jahr etwas anderes, weil die Natur nicht immer gleich ist. Dadurch hat das Getreide immer andere Eigenschaften und da muss man immer das Beste draus machen. Außerdem kommt man als Müller mit vielen Leuten zusammen, kann miteinander reden, d sich selbstständig alles einteilen“, hat Schedl seinen Entschluss, Müller zu werden, nie bereut und außerdem: „Essen muss man immer, also wird Mehl wird immer gebraucht.“