Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

1,5 Hektar betroffen

In St. Georgen mussten in diesen Tagen Weinstöcke den Motorsägen und Rodungsmaschinen weichen. Der Grund ist die Goldgelbe Vergilbungskrankheit, übertragen durch die amerikanische Rebzikade. Winzer Stefan Lichtscheidl und zwei weitere Betroffene schlugen bei einem dramatischen Info-Event Alarm. Die Experten der Landwirtschaftskammer sprechen bereits von einer Bedrohung, die an die historische Reblaus-Krise erinnert.

Von Von Wolfgang Millendorfer und Markus Kaiser

Ein trauriges Bild: 1,5 Hektar an Wein - und damit ein kleines Stück Landesidentität und ein großes Stück an landwirtschaftlichem Umsatz - ging durch die Rebzikaden-Krankheit verloren.

Ein trauriges Bild: 1,5 Hektar an Wein - und damit ein kleines Stück Landesidentität und ein großes Stück an landwirtschaftlichem Umsatz - ging durch die Rebzikaden-Krankheit verloren.

© Wolfgang Millendorfer

Die Idylle in den Toplagen rund um St. Georgen trügt. Wo normalerweise das satte Grün der Reben auf eine gute Ernte hoffen lässt, herrscht derzeit schwere Betroffenheit. „Es hilft nix, aber wir müssen jetzt hier eingreifen, um die Toplagen zu schützen“, stellt der sichtlich gezeichnete Winzer und Stadtrat Stefan Lichtscheidl klar. Er ist einer der Ersten, die die Konsequenzen der sich ausbreitenden Goldgelben Vergilbungskrankheit mit voller Härte zu spüren bekommen.

Auf einer Fläche von insgesamt 1,5 Hektar mussten seine Reben bereits gerodet werden. Betroffen sind rund ein Hektar Grüner Veltliner und ein halber Hektar Chardonnay. Es ist ein massiver wirtschaftlicher und emotionaler Verlust für den Betrieb. Doch Lichtscheidl sieht keine Alternative zum radikalen Schnitt: „Jetzt sind wir in der Situation und müssen was tun, fertig“.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von BVZ (@bvz.at)

„Ein Vergleich mit der Reblaus-Krise“

Die Dramatik der Lage wurde bei der Informationsveranstaltung am vergangenen Freitag am „Hurtacker Lichtscheidl“ deutlich, zu der die Landwirtschaftskammer Burgenland geladen hatte. Daniel Pachinger, Experte der Landwirtschaftskammer, wählte im Gespräch mit der BVZ drastische Worte: „Ich sage das plakativ, aber ich würde das schon mit der Reblaus-Krise vergleichen“.

Das Interesse an der Veranstaltung der LK war groß - nur die Betroffenheit war noch größer.Das tückische an der Krankheit ist ihre Unsichtbarkeit in der Anfangsphase. „Nicht jeder Stock zeigt sofort, dass er im Jahr der Infektion die Symptomatik in sich hat. Man läuft praktisch immer ein Jahr hinterher“, erklärt Pachinger. Das bedeutet: Wenn die Symptome – einrollen der Blätter und Verfärbungen – sichtbar werden, ist die Infektion im Weingarten oft schon weiter fortgeschritten, als es den Anschein hat. Bei Rotweinsorten verfärben sich die Blätter dabei ins Rötliche, während sie bei Weißwein einen markanten Gelbstich annehmen.

/
Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Das Interesse an der Info-Veranstaltung war groß - die Betroffenheit der Bauern allerdings noch größer.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl und der Flavescence dorée-Experte der Landwirtschaftskammer, Daniel Pachinger.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl zeigt Winzerkollegen Stefan Kaiser sen. die befallenen Stöcke.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
So wird die Klebefalle ("Gelber Klebezettel") angebracht.

© zVg LK

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Die Amerikanische Rebzikade, wie sie auf einer Klebefalle ("Gelber Klebezettel") festpickt und ihre Krankheit nicht mehr auf die Rebstöcke übertragen kann.

© zVg LK

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Das Interesse an der Info-Veranstaltung war groß - die Betroffenheit der Bauern allerdings noch größer.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl und der Flavescence dorée-Experte der Landwirtschaftskammer, Daniel Pachinger.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl zeigt Winzerkollegen Stefan Kaiser sen. die befallenen Stöcke.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
So wird die Klebefalle ("Gelber Klebezettel") angebracht.

© zVg LK

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Die Amerikanische Rebzikade, wie sie auf einer Klebefalle ("Gelber Klebezettel") festpickt und ihre Krankheit nicht mehr auf die Rebstöcke übertragen kann.

© zVg LK

Bürokratie und verwilderte Gärten als Hindernis

Die Bekämpfung der Rebzikade ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Zwar lieferte die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) im aktuellen Fall sehr schnell Ergebnisse der Blattproben, doch die strukturellen Probleme wiegen schwer. Sobald ein Befall bestätigt ist, gelten strenge Regeln: Eine Befallszone im Umkreis von 500 Metern und eine Sicherheitszone im Radius von zwei bis zweieinhalb Kilometern werden eingerichtet.

Innerhalb dieser Zonen sind regelmäßige Kontrollgänge, sofortige Rodung befallener Stöcke und ein gezielter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – sowohl im biologischen als auch im konventionellen Weinbau – zwingend erforderlich. Doch Pachinger übt auch Kritik an den Rahmenbedingungen: „Befalls- und Sicherheitszonen zu verlautbaren, ist auch bürokratisch sehr mühsam. Man wird sich etwas Ganzheitliches überlegen müssen“.

/
Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Amerikanische Rebzikade: Größenvergleich neben 1-Euro-Münze.

© AGES/Strauß

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Amerikanische Rebzikade

© AGES/Kolkmann

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
So sieht die Amerikanische Rebzikade im Larvenstadium aus.

© AGES/Strauß

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Erscheinungsbild von Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung) am Rebstock. Neben stark vergilbten und eingerollten Blättern ist auch eine starke Wachstumsstörung zu erkennen.

© AGES/Reisenzein

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Flavescence dorée Symptome an Rebstock von Rotweinrebsorte.

© AGES/Reisenzein

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Infoblatt der AGES zur Verhinderung der Ausbreitung von Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung) am Rebstock.

© AGES

Ein besonderes Dorn im Auge sind den Winzern verwilderte Weingärten und ungepflegte Grundstücke. „Wenn wir die Hausaufgaben machen, brauchen wir auch die der Behörden. Wenn dazwischen verwilderte Weingärten sind, hilft es nix“, so die klare Forderung in Richtung Politik und Verwaltung. Diese Brachflächen dienen der Rebzikade als Rückzugsort und Brutstätte, von der aus sie immer wieder in die gepflegten Anlagen eindringen kann.

Hoffnung durch Früherkennung

Trotz der prekären Lage gibt es einen Hoffnungsschimmer: Werden die Symptome frühzeitig erkannt, kann die Ausbreitung gestoppt werden. „Wir sind hier so früh unterwegs, dass man noch sehr gut was machen kann“, betont Pachinger. Die Hoffnung, dass ein harter Winter das Problem von selbst löst, erteilt der Experte jedoch eine Absage. Da die Zikade ursprünglich aus Nordamerika stammt, sind ihre Eier perfekt an Kälte angepasst und überdauern den Winterschlaf schadlos.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von BVZ (@bvz.at)

Für Winzer wie Stefan Lichtscheidl bleibt die bittere Erkenntnis, dass die Bewirtschaftung ihrer Weingärten in Zukunft von permanenten Kontrollen geprägt sein wird. „Es wird in Zukunft so sein, dass wir immer wieder symptomatische Stöcke entfernen müssen“. Der Kampf um den Erhalt der burgenländischen Weinkultur hat in St. Georgen gerade erst begonnen.

Gemeinsam gegen die Rebzikade

Die Goldgelbe Vergilbungskrankheit ist eine Bedrohung für den gesamten Weinbau. Nicht nur Erwerbswinzer, sondern auch Besitzer von Hausreben und Zierwein sind gefordert, um die Ausbreitung der Rebzikade zu stoppen.

Für Erwerbswinzer:

  • Regelmäßige Kontrolle: Gehen Sie Ihre Weingärten systematisch ab und achten Sie auf eingerollte, verfärbte Blätter.
  • Sofortige Reaktion: Bei Verdacht müssen Proben zur Untersuchung (z.B. AGES) eingeschickt werden.
  • Konsequente Rodung: Infizierte Stöcke müssen umgehend entfernt werden, um die Ausbreitung im Bestand zu verhindern.
  • Pflanzenschutz: Halten Sie sich strikt an die behördlich angeordneten Spritztermine gegen die Rebzikade.
/
Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Das Interesse an der Info-Veranstaltung war groß - die Betroffenheit der Bauern allerdings noch größer.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl und der Flavescence dorée-Experte der Landwirtschaftskammer, Daniel Pachinger.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl zeigt Winzerkollegen Stefan Kaiser sen. die befallenen Stöcke.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
So wird die Klebefalle ("Gelber Klebezettel") angebracht.

© zVg LK

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Die Amerikanische Rebzikade, wie sie auf einer Klebefalle ("Gelber Klebezettel") festpickt und ihre Krankheit nicht mehr auf die Rebstöcke übertragen kann.

© zVg LK

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Das Interesse an der Info-Veranstaltung war groß - die Betroffenheit der Bauern allerdings noch größer.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl und der Flavescence dorée-Experte der Landwirtschaftskammer, Daniel Pachinger.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Stefan Lichtscheidl zeigt Winzerkollegen Stefan Kaiser sen. die befallenen Stöcke.

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© Wolfgang Millendorfer

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
So wird die Klebefalle ("Gelber Klebezettel") angebracht.

© zVg LK

Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung
Die Amerikanische Rebzikade, wie sie auf einer Klebefalle ("Gelber Klebezettel") festpickt und ihre Krankheit nicht mehr auf die Rebstöcke übertragen kann.

© zVg LK

Für Privatbesitzer (Zierwein, Hausreben, Lauben):

  • Wachsamkeit im Garten: Auch Weinreben an Hauswänden oder auf Terrassen können Wirte für die Zikade sein. Prüfen Sie, ob sich die Blätter untypisch gelb oder rot verfärben und einrollen.
  • Meldepflicht: Besteht der Verdacht auf die Vergilbungskrankheit, informieren Sie die Landwirtschaftskammer oder den Pflanzenschutzdienst.
  • Keine Nachlässigkeit: Ungepflegte oder „verwilderte“ Reben im Siedlungsgebiet sind gefährliche Infektionsquellen. Schneiden Sie Ihre Reben regelmäßig zurück oder entfernen Sie diese, wenn sie nicht mehr gepflegt werden können.
  • Pflanzenschutz: Die LK rät zum Mittel „Lizetan Plus Schädlingsfrei AF“ oder „Lizetan Plus Blattlausfrei AF“. Unbedingt in den Abendstunden auf die Blätter jedes Rebstocks auftragen, damit Bienen nicht während ihrer Hauptflugzeit damit in Kontakt kommen. Zusätzlich kann man sich auch bei der Gemeinde eine Klebefalle („Gelber Klebezettel“) abholen. Das Neongelb zieht Schädlinge an, dort bleiben sie picken und können keinen Schaden mehr anrichten. Die Falle ist 14-tägig zu wechseln.
Krise erreicht Landeshauptstadt: Rebzikade zwingt Winzer zur Rodung

© zVg