Die Feuerwehr aus Donnerskirchen und aus der US-Stadt Stowe wollen eine Partnerschaft aufbauen.
Streit um Glascontainer beim Friedhof Großhöflein
Allerheiligen/Allerseelen
Nach dem Gemeinderatsbeschluss sorgt die Standortwahl für Diskussionen: Die Bürgermeisterin ist unzufrieden und Bürger zeigen Unverständnis.
Die Glascontainer sind von der Eisenstädter Straße wieder zurück am Friedhof Großhöflein - und sorgen zu Allerheiligen für Diskussionen.
© zVg FLG
Seit Kurzem stehen die Glascontainer in Großhöflein wieder am Parkplatz neben dem Friedhof – und das freut nicht alle. In einem Leserbrief kritisiert Anrainer Jan William Ropers die Entscheidung als respektlos gegenüber den Verstorbenen und den Trauernden. „Friedhöfe sind Orte der Stille, des Gedenkens und der Würde. Wenn das Klirren von Flaschen die Ruhe durchschneidet, wirkt das respektlos“, so Ropers. Er regt an, alternative Standorte wie den Bauhof zu prüfen oder schallgedämpfte Einfassungen zu errichten.
Auch Bürgermeisterin Maria Zoffmann (ÖVP) ist mit der Lösung unzufrieden. Sie erklärt gegenüber der BVZ, dass sie die Container ursprünglich an der Eisenstädter Straße belassen wollte. „Ich war mit der Rückverlegung zum Friedhof nicht glücklich, konnte mich im Gemeinderat aber gegen die Mehrheit von SPÖ und Bürgerlisten nicht durchsetzen“, sagt Zoffmann.
FLG-Mandatar Werner Huf, der die Initiative eingebracht hatte, hält dagegen: „Die Container bleiben dort. Die anderen Anrainer haben mir gesagt, dass sie mit der Lösung gut leben können. Außerdem sind die Behälter innen schallgedämpft. Eine Verschönerung durch eine Verkleidung ist bereits geplant.“ Ropers sei der einzige, der sich bei ihm beschwert habe. Huf verweist zudem auf frühere Probleme am alten Standort an der Eisenstädter Straße: „Dort sind sogar Niederösterreicher mit Lieferautos gekommen, um ihre Entrümpelung dort zu entsorgen. Das passiert jetzt nicht mehr – seither funktioniert das System.“
Aus meiner Sicht benötigen alle Gemeinden im Burgenland, in Österreich und in Europa Herzensprojekte. Diese Projekte zeigen, was einem wichtig ist und wofür man steht. Ist man willens, einen Beitrag zum Gemeinschaftsleben zu leisten, auch wenn es einen etwas beschneidet?
Gerade las ich einen Beitrag vom Großhöfleiner Gemeinderat Werner Huf, der stolz die Umsetzung eines Herzensprojekts der Gemeindebewohner verkündete. Auf seine Initiative hin wurden, unbürokratisch, wie er es nennt, 6 Glascontainer auf den Parkplatz neben dem Friedhof zurückversetzt.
Ich bin direkter Nachbar zum Friedhof und ich möchte meine Gedanken zu diesem Platz der Stille mit denen teilen, die bloßes politisches Getöse von echtem Interesse unterscheiden können. Mir geht es nicht um Lärmbelästigung, die mich persönlich trifft, weil es in einem sozialen Gefüge irgendwen immer mehr betrifft als einen anderen. Das ist der Natur der Sache geschuldet. Das US amerikanische Akronym „NIMBY“ (not in my backyard/nicht in meinem Hintergarten) ist auch in Europa symptomatisch für die Fragwürdigkeit des sozialen Gewissens und der Verantwortlichkeit. Die Frage ist, ob wir als Bewohner von Großhöflein die Aktion von Herrn Huf als unser „Herzensprojekt“ sehen? Oder zeigen wir für die vorher von Frau Bürgermeisterin Maria Zoffmann veranlasste Verlegung der Container größeres Verständnis? Oder gäbe es Lösungen, die -so weit es halt geht- allen gerecht werden? Jedenfalls geht es um das Gemeinwohl, und es sollte nicht um parteipolitische Interessen oder persönliche Vendettas gehen, gerade nicht bei Friedhöfen, Kindergärten oder sonstigen eher sozialen Einrichtungen. Hier bedarf es vernünftiger und kluger Abwägungen, die das Wohl der Gemeinde im Auge haben. Übergriffige und untergriffige Posts in Social Media sollten nicht in Gemeinden Österreichs, schon gar nicht in einer eher kleinen Gemeinde wie Großhöflein, zum Schauplatz von persönlichen Agenden von Volksvertretern werden. Sicherlich haben wir hier mit den USA ein bedenkliches Vorbild, aber ich meine, wir alle wissen, dass eine solche Entwicklung Gift ist, die uns alle betreffen wird, wenn wir feststellen, dass lediglich persönliches oder politisches Kalkül die Motivation für “Herzensprojekte” darstellt.
Jeder Leser wird das folgende Szenario nachvollziehen können, und ich meine auch die Schlussfolgerungen:
Großhöflein, ein sonniger Sonntagvormittag. Auf dem Friedhof gibt es etliche Besucher. Angehörige, Blumensträuße in der Hand, besuchen die Gräber ihrer Angehörigen, viele sind mit Gießkannen zur Grabpflege unterwegs, andere sitzen auf Bankerln, versunken in Gedanken. Plötzlich durchschneidet ein scharfes, ohrenbetäubendes Klirren die Stille. Eine Anrainerin entsorgt acht Weinflaschen im Altglascontainer neben dem Friedhofstor. Die Szene wirkt banal. Und doch wirft sie eine grundsätzliche Frage auf: Sollten Glascontainer in unmittelbarer Nähe eines Ortes der Trauer stehen?
Es ist eine Frage, die über die konkrete Situation hinausweist – hin zu einem Spannungsfeld, das urbanes Leben heute mehr denn je prägt: das Verhältnis zwischen Funktionalität und Sensibilität, zwischen öffentlichem Raum und individuellem Bedürfnis, zwischen Alltag und Ausnahme.
Der Lärm im Zeichen der Totenruhe
Der Tod hat in unserer Gesellschaft keinen einfachen Platz. Er ist allgegenwärtig, wird aber selten laut ausgesprochen. Friedhöfe sind jene letzten Reservate der Stille, wo dem Tod ein Raum gegeben wird – sozial, kulturell und auch akkustisch. Wer sich auf einem Friedhof aufhält, tut das in einem spezifischen Zustand: Trauer, Gedenken, Abschiednehmen. In diesem Moment wirken Geräusche anders. Sie dringen nicht nur ans Ohr, sondern ins Gemüt.
Das Klirren von Glas, das Klappern des Containerdeckels oder das Rumpeln eines Müllwagens sind Geräusche des Alltags. Doch neben einem Friedhof verlieren sie ihre Harmlosigkeit. Sie werden als respektlos wahrgenommen, als Störung einer Würde, die dieser Ort beansprucht. Und dieser Anspruch ist mehr als emotional. In vielen Kulturen ist die Totenruhe ein unantastbares Gut. Sie steht nicht nur symbolisch für den Respekt vor den Verstorbenen, sondern auch für eine kollektive Haltung: Wir nehmen Rücksicht – auf die Toten wie auf die Lebenden, die um sie trauern.
Stadtplanung zwischen Pragmatismus und Pietät
Natürlich stellt sich die Frage, wie realistisch es ist, Friedhöfe akkustisch zu isolieren. In einer verdichteten Stadt wie Wien, aber auch in kleineren Gemeinden wie Großhöflein, ist Raum knapp und Konflikte um Nutzung unvermeidlich. Glascontainer müssen irgendwo stehen – gut erreichbar für Anrainer:innen, ohne den Verkehr zu behindern und möglichst zentral im Wohngebiet. Eine perfekte Lösung gibt es selten. Doch gerade deshalb braucht es ein sensibles Abwägen.
Stadtplanung ist nie neutral. Sie trifft Entscheidungen, die Prioritäten sichtbar machen. Wenn ein Glascontainer direkt neben dem Eingang eines Friedhofs platziert wird, dann sendet das ein Signal: Der alltägliche Entsorgungsbedarf überwiegt gegenüber der besonderen Atmosphäre des Ortes daneben. Ist das zumutbar? Oder zeigt es eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Bedürfnis nach Würde und Stille?
Die Frage ist nicht rhetorisch. Sie stellt sich in jeder Gemeinde, in jedem Bezirk. Und sie verdient eine Diskussion, die über administrative Zuständigkeiten hinausgeht. In einer kleinen Gemeinde wie Großhöflein stellt sich natürlich auch die Frage, ob man an verschiedenen Punkten des Ortsgebietes überhaupt Glascontainer benötigt. Die überwiegenden Nutzer kommen aus meiner Beobachtung aus Wien, Wiener Neustadt, Mattersburg und Mödling. Pendlerverkehr, für den diese Entladestation auf dem Weg liegt. Auch das ist ok, aber warum sollen diese Glascontainer und ihre Positionierung ein „Herzensprojekt“ der Großhöfleiner darstellen? Würden für die Bewohner nicht zusätzliche Container am Bauhof ausreichen? Entfernungsmäßig würden sich im Durchschnitt kaum Unterschiede ergeben, und die Wiener und andere Nicht-Großhöfleiner müssten ihr Altglas in ihren Heimatgemeinden entsorgen.
Der Friedhof als kultureller Raum
Friedhöfe sind nicht nur Begräbnisstätten. Sie sind kulturelle Gedächtnisorte. In Wien etwa sind sie Schauplätze historischer Kontinuitäten – von den Ehrengräbern am Zentralfriedhof bis zu kleinen jüdischen Friedhöfen in Seitengassen. Menschen kommen nicht nur zum Trauern, sondern auch zum Erinnern, zum Spazieren, manchmal sogar zum Philosophieren.
Diese besondere Funktion des Friedhofs verlangt nach einer gewissen „Aura”. Sie entsteht durch Ruhe, durch Abgeschiedenheit, durch den Kontrast zum Lärm des Alltags. Ein Glascontainer – Symbol der modernen Entsorgungskette – wirkt hier wie ein Fremdkörper. Sein Geräusch ist nicht nur laut, es ist auch symbolisch laut. Es erinnert daran, dass der Alltag keine Pause macht, dass sogar die Trauer dem Lärm weichen muss.
Gibt es Alternativen?
Natürlich könnte man argumentieren, dass es wichtiger ist, Flaschen korrekt zu recyceln, als sich an einem gelegentlichen Geräusch zu stören. Doch dieser Pragmatismus übersieht, dass es in der Stadt und auf dem Land nicht nur um Effizienz, sondern auch um Lebensqualität geht. Und Lebensqualität misst sich nicht zuletzt daran, wie mit sensiblen Orten umgegangen wird.
Die Lösung muss nicht in einem Generalverbot für Glascontainer in Friedhofsnähe bestehen. Vielmehr braucht es differenzierte Konzepte. Etwa zeitlich eingeschränkte Entsorgungszeiten – kein Glaswerfen an Sonn- und Feiertagen. Oder eine architektonische Abschirmung: Container hinter einer Mauer, mit schallisolierender Einfassung. Oder schlicht: ein paar Meter Abstand mehr.
Auch die Stadt Wien hat in manchen Bezirken bereits reagiert. In Liesing etwa wurden Altglas- und Altkleidercontainer nach Beschwerden von Friedhofsbesucher:innen versetzt – nicht weit, aber so, dass der direkte Sicht- und Geräuschkontakt unterbunden ist. Eine kleine Veränderung, große Wirkung.
Ein Zeichen des Respekts
Am Ende geht es um mehr als nur um Container. Es geht um Respekt. Respekt vor den Toten, vor den Trauernden, vor dem Ort selbst. Wer einen Friedhof besucht, tut das nicht leichtfertig. Es ist eine Handlung mit Gewicht – emotional, sozial, manchmal spirituell. In diesem Kontext sollte auch das Umfeld mit Bedacht gestaltet sein.
Ein Glascontainer mag harmlos erscheinen. Doch in der falschen Umgebung kann er zum Symbol werden – für Rücksichtslosigkeit, für das Überrollen stiller Orte durch die Geräuschkulisse des Alltags. Ihn zu versetzen, ist keine Kapitulation vor überempfindlicher Sentimentalität, sondern ein bewusstes Zeichen dafür, dass wir noch Unterschiede machen – zwischen laut und leise, zwischen Alltag und Ausnahme, zwischen Leben und Tod.
Fazit
Im Endeffekt kommt es auf die Meinung der Großhöfleiner an. Aus meiner Sicht ist den Mitbewohnern dieser Gemeinde der Friedhof und seine spirituelle Bedeutung sehr wichtig. Jedenfalls scheint es so. Trotzdem habe ich mich jahrelang gewundert, warum die bis vor einem Jahr existierende Müllablagestelle (vor Begrenzung auf Glascontainer) am Friedhof von den Bewohnern, vom Gemeinderat und Herrn Huf ohne Kritik geduldet wurde. Und das wirft die Frage auf, was den Bewohnern von Großhöflein wirklich wichtig ist? Vielleicht sollte man eine Gemeindebefragung initiieren? Vielleicht sollte auch der Gemeinderat eine Einfriedung der Glascontainer überlegen? Vielleicht sollte auch geprüft werden, ob die Glascontainer am Friedhof überhaupt gebraucht werden? Oder ob die Zugangszeiten beschränkt werden? So viele “Vielleichts”! Nur dazu hat Großhöflein doch eine Gemeindeverwaltung, die sich mit diesen Aspekten beschäftigen sollte. Vielleicht hat Herr Huf hier eine Idee! Jedenfalls würde ich mich als Großhöfleiner, der Verwandte und Bekannte regelmäßig auf dem Friedhof besucht, entschieden dagegen wehren, das Aufstellen von Glascontainern neben dem Friedhof als mein “Herzensprojekt” zu bezeichnen.
Jan William Ropers, Großhöflein