Erinnerungen an den vinologischen Vater vieler Kinder

Anton Kollwentz

Anton Kollwentz hat dem burgenländischen Weinbau geprägt - nicht nur handwerklich, sondern auch menschlich.

Von Markus Kaiser

Anton Kollwentz beim Empfang des Komturkreuzes des Landes Burgenland 2021.

Anton Kollwentz beim Empfang des Komturkreuzes des Landes Burgenland 2021.

© BVZ-Archiv/Jandl

Es ist in Zeiten von Work-Life-Balance wohl unmöglich, sich in die Lebensrealität der Nachkriegsjahre hineinzudenken. Kinder und junge Menschen hatten einen schweren Stand, die Gesellschaft trug die Kriegswunden offen, es sollte lange dauern, bis sie heilen. Inmitten dieser Tragik aber wuchs am Fuß des Leithabergs einer mit dem verrückten wie wilden Entschluss auf, junge Leute wie Ebenbürtige zu behandeln. Es war 1940 und der Bursche hieß Anton Kollwentz.

Viele wilde Entschlüsse später ist Zeit für einen Nachruf

Am 4. März 2026 verstirbt Anton Kollwentz, der 2025er-Jahrgang war die letzte Lese, die er erlebt hat. Längst ist der Bursche ein Opa geworden, seine Weingärten sind übergeben, man erkennt sie nach wie vor an ihrer peniblen Pflege. Seine Weine sind weit über das Burgenland hinaus bekannt, aus Ländern, aus denen in Kollwentz' Kindheit die Bomben kamen, kommt heute nichts als Anerkennung. Auch ein Sieg, sozusagen, und zwar der schönstmögliche.

Der Tod eines großen Sohnes unseres kleinen Landes ist immer Anlass für noch größere Worte: „Viele jüngere Winzerinnen und Winzer betrachteten ihn als Mentor und Vorbild“, schreibt mir Weinbauverbands-Präsident Andreas Liegenfeld. Stimmt alles natürlich. Was er mir aber sagt, ist: Ich könne mir nicht vorstellen, was es damals bedeutet hat, dass ein Anton Kollwentz einem jungen Weinbauern die Hand gibt und in die Augen schaut. Seine Augen werden glasig, er ringt um Fassung, immerhin stehen wir mitten in der Hofburg.

Eines aber noch: Es heißt immer, Kleinhöflein und Großhöflein wären längst zu einer unheiligen Speckgürtel-Allianz verwachsen, wäre Kollwentz den Sirenenrufen der Baukonzerne erlegen und hätte sich um Baufreigaben für seine Weingärten bemüht. Das sei zweifelsohne richtig, so Liegenfeld, der Boden, die Natur, die Pflege des Weingartens - das war ihm heilig.

Wein Burgenland-Ehrenobmann Matthias Siess kann das nur bestätigen, betont vielmehr den damals mehr als unüblichen Eifer, mit dem Kollwentz sein Wissen weitergeben wollte. „Wenn du was brauchst - du kannst immer zu mir kommen!“, hat er mir gesagt. „Niemand kann sich das heute vorstellen, was das damals bedeutet hat, dass ein Anton Kollwentz zu mir kommt, mir nicht nur das Du-Wort, sondern auch seine Hilfe anbietet!“

Die sichtbare wie ansteckende Liebe zum Boden

Seinem Sohn Andreas hat er die Liebe zum Handwerk in der DNA mitgegeben. Als Kind der Achtziger und Neunziger weiß man: Wenn man einem makellos gepflegten Weingarten begegnet, eingezäunt und eingenetzt, dann steht da irgendwo Kollwentz drauf, läuft irgendwo der Andi durch. Dieses Alleinstellungsmerkmal haben die Kollwentz nicht verloren, sondern verteilt. Mehrere Namen könnten heute genau so auf diesen makellosen Weingärten stehen.

Das ist das Schöne bei uns im Burgenland: Wenn ein alter Bauer stirbt, lebt er doch irgendwie immer im Handwerk der jungen Bauern weiter, im Geschmack, den er dem Blaufränkisch mitgegeben hat, im Spalierstehen der Reben, im Wehen der Hagel- und Stare-Netze. Insofern wurde dieser Artikel dann doch mehr eine Erinnerung als ein Nachruf.