"GreenBelt" in Mörbisch: „Grenzen trennen, Natur verbindet“

Grenzmarke enthüllt

Seit dem Jahr 1989, dem Fall des Eisernen Vorhangs, entstand das „European GreenBelt“, wo einst Stacheldraht, Minen und Wachtürme standen, nun ein „grünes Band“ mit wertvollen Lebensräumen. Bei Kittsee droht das Grüne Band allerdings zu entzweien.

Von Peter Wagentristl

Naturschutzbund Burgenland-Geschäftsführer Klaus Michalek, Naturschutzbund-Projektleiterin Christine Pühringer, Bürgermeisterin Bettina Zentgraf und Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf.

Naturschutzbund Burgenland-Geschäftsführer Klaus Michalek, Naturschutzbund-Projektleiterin Christine Pühringer, Bürgermeisterin Bettina Zentgraf und Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf.

© LMS, Hafner Gregor

In Mörbisch wurde am Sonntag eine „GreenBelt“-Grenzmarke enthüllt, die auf die besondere naturschutzfachliche und historische Bedeutung des Streifens, der einst den Kapitalismus im Westen und den Realsozialismus im Osten trennte, hinweist.

Inmitten dieses Grüngürtels liegt Mörbisch als Teil dieser einzigartigen Landschaft, die sich vom Baltikum bis zum Bosporus zieht. Die Gemeinde ist auch stolzer „Grünes Band-Partner“ des Naturschutzbundes. Die neue Grenzmarke in Mörbisch markiere einen wichtigen Meilenstein im Bestreben, das Grüne Band als zentrales Natur- und Kulturerbe sowie als Symbol eines vereinten Europas zu fördern und zu schützen, hieß es bei der Enthüllung des Denkmals.

Die Bedeutung des grenzüberschreitenden Welterbes Neusiedler See und des Grünen Gürtels sowie die einzigartige Vogelwelt sind international bekannt. Das Land setze viel an den Erhalt dieses Naturjuwels, so Eisenkopf. Beispielsweise habe das Land die Flächen im Nationalpark erweiter, eine Managementplan erstellt und die Kooperation mit den Nationalparkschulen ausgebaut.

"GreenBelt" in Mörbisch: „Grenzen trennen, Natur verbindet“

© LMS, Hafner Gregor

„Mit der neuen Grenzmarke setzen wir ein Zeichen für den Naturschutz und erinnern an die bewegte Geschichte unserer Region. Mörbisch ist stolz, Teil dieses einzigartigen Natur-, Kultur- und Friedensraums zu sein“, betonte auch Bürgermeisterin Bettina Zentgraf bei der Enthüllung des Denkmals.

Alois Lang und Klaus Michalek vom Naturschutzbund unterstrichen die Besonderheit des Naturraums und die Verbindung zwischen Natur und Geschichte: „Grenzen trennen, aber die Natur verbindet. Am ehemaligen Eisernen Vorhang ist ein einzigartiges Band des Lebens entstanden, das die Bedeutung von Natur, Kultur und Frieden in dieser Region eindrucksvoll verdeutlicht.“

Grünes Band droht zwischen Kittsee und Bratislava zu entzweien

Bei der Auftaktveranstaltung zu „35 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs“ erwähnte Michalek am Rande aber auch die Gefahren für das Grüne Band. Auch diese betreffen das Burgenland, genauer gesagt Kittsee. Am stärksten in Bedrängnis sei der einzigartige, unbebaute Grünstreifen nämlich an der Grenze zu Bratislava. Da Grund und Wohnen in Kittsee günstiger sind als in der slowakischen Hauptstadt, zieht es viele Menschen in die burgenländische Grenzgemeinde.

"GreenBelt" in Mörbisch: „Grenzen trennen, Natur verbindet“

© google maps

Das führt auch dazu, dass sich die Gemeinden ausdehnen, in Kittsee und Bratislava reicht der Siedlungsraum schon fast bis zur Grenze. An der schmalsten Stelle misst der unbebaute Grüngürtel nur noch 800 Meter und wird dabei von der Grenzstraße und Bahngleisen durchschnitten.

„Wenn die Gemeinden ganz zusammenwachsen, würde der Grüngürtel quasi in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt werden“, warnt Michalek. Das Ost und West zunehmend zusammenwachsen, ist nicht nur ein Zeichen der Annäherung, sonder hat auch negative Auswirkungen auf die Natur.

Geführte E-Bike-Tour entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Davon, dass das Grüne Band gänzlich verschwindet, kann aber freilich keine Rede sein. Von der unberührten Natur, unweit von Ballungsräumen, kann man sich etwa auch bei Radausfahrten am „Iron Curtain Trail“ oder geführten E-Bike-Touren mit Chronist Wolfgang Bachkönig machen. Für Interessierte gab es nach der Enthüllung gleich die Gelegenheit dazu.

Mörbisch erinnert an den Fall des Eisernen Vorhangs vor 35 Jahren

Die Grenzgemeinde Mörbisch erinnert heuer mit mehreren Veranstaltungen an die historischen Ereignisse des Jahres 1989, bei denen Mörbisch zum Nabel des Weltgeschehens wurde. Den 35 Jahrestag des Falls des Eisernen Vorhangs begeht die Gemeinde unter dem Titel „Ein Riss in der Vergangenheit“ mit Vorträgen, Filmvorführungen, einer Ausstellung sowie geförderte Wanderungen und Radtouren. Im Fokus stehen dabei die Erlebnisse der Ortsbevölkerung vor 35 Jahren.